Windows Phone 7 auf Nokia-Smartphones – na und?

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In den letzten Tagen hat man viel darüber gehört, dass Nokia seine alte Strategie aufgegeben hat und nun etwas neues probieren will. Vom hauseigenen OS Symbian möchte man nun auf Windows Phone 7 setzen. Kaum überraschend ist da die Tatsache, dass sich alle über Nokia lustig machen und es für wenig sinnvoll erachten. „Nokia ist tot“ oder „Damit schaufelt sich Nokia sein Grab“, liest man dieser Tage nicht allzu selten. In diesem Beitrag möchte ich meinen Standpunkt dazu äußern.

Nahezu jeder, der in meinem Alter (21) ist, dürfte damals mit Nokia als erstes Handy angefangen haben. Bei mir war es damals das 7210i. Tolles Gerät – klein, schnell und ein Farbdisplay mit 4096 Farben. Damals ein High-Tech-Handy. Danach kam ich zu Sony Ericsson und jetzt zu Android. Bisher zwei mal HTC. Nokia war damals die Marke, wenn es um Handys ging. Die Bedienung war super einfach, die Geräte sahen großteils gut aus und sie waren mehr als zuverlässig.

Heute sieht das etwas anders aus. Die Handys von Nokia mögen teilweise noch ganz gut sein, aber ich erinnere mich an einen Plastikbomber, den mein Bruder bis vor kurzem noch hatte. Ich weiß beim besten Willen nicht, welches Modell das war, aber es war langsam – ungewohnt für Nokia. Heutzutage ist es eher an der Tagesordnung, ist die Hardware immer noch Top, ist auf den Smartphones nur noch Symbian installiert. Der klägliche Versuch Symbian zu retten ist zum Glück gescheitert. Das Nokia N8 mit einem vernünftigen OS, wäre ein super Smartphone gewesen.

Nun geht Nokia einen Schritt zurück und wirft die Pläne über den Haufen. Sie haben mit Microsoft verhandelt und bieten Smartphones in Zukunft mit Windows Phone 7 an. Nach dem Schritt zurück also wieder 2 nach vorne. Und genau an dem Punkt setzt die allgemeine Kritik an. Windows Phone 7 ist neu auf dem Markt, dementsprechend ist es noch im Anfangsstadium. Die ursprünglichen Pläne MeeGo zu verwenden, hätte in meinen Augen keinen Sinn ergeben.

Nachdem Windows Phone 7 auf der Bildfläche aufgetaucht ist und Palm quasi verschwunden ist, wäre es sinnlos zu versuchen ein neues System zu integrieren. Selbst Windows Phone 7 wird es schwer haben, aber der Anfang ist bereits gemacht. Es ist nicht mehr so wie früher, dass man ein Gerät wie das Motorola RAZR auf den Markt schmeißt und alle kaufen es, weil es schick aussieht – ich finde es hässlich, aber mich fragt ja niemand. Ein Smartphone verkauft sich durch das OS. Hier ist oft die Frage „Gibt es genug Apps?“ und das ist der Punkt.

Eine Fragmentierung auf 3 Systeme funktioniert, das wissen wir alle vom PC. Die meisten Programme gibt es für Windows, Linux und Mac und wenn nicht, gibt es Alternativprogramme, die mindestens genau so gut sind. Nichts anderes ist es im Smartphonemarkt. Auch hier ist es eine ähnliche Situation. iOS ist von Apple, Android baut auf Linux auf und Windows Phone 7 ist von Microsoft. An sich also die gleichen 3 Kämpfer, nur sind hier die Plätze anders verteilt.

Eine Konzentration auf ein bestehendes OS ist für Nokia also alles andere als „ein dummer Fehler“ oder „das eigene Grab schaufeln“. Das haben sie mit Symbian und ihrer Sturheit schon tief genug gebuddelt. Da wird es Zeit das Loch wieder zuzuschütten, was mit Windows Phone 7 gelingen kann. Ich sage hier bewusst kann, weil Nokia schon oft Fehler gemacht hat.

Mein bester Freund hat ein HTC 7 Trophy, daher kenne ich Windows Phone 7 recht gut. Klar, es ist am Anfang, aber dafür ist es super. Alleine die OnScreen-Tastatur in klasse, ich muss sagen, selbst auf meinem Desire kann ich nicht so gut schreiben und eine iPhone-Tastatur kann da auch nicht mithalten. Mit Zune kommt eine „hippe“ Software dazu, welche die jüngeren Generationen anlocken kann. Dazu kommt die Einfachheit des Systems. Klar ein bisschen etwas muss noch kommen – eigene Klingeltöne, Hintergrundbilder und allgemein etwas mehr Design – aber das sind nur Kleinigkeiten.

Ich sehe es so, es gibt Vorteile für beide Seiten. Nokia hat keine Arbeit mehr, im Bereich Software und kann sich so vollkommen auf die Hardware konzentrieren, da man als Hersteller bei Windows Phone 7 nichts anpassen darf, fällt auch das weg. Zudem haben sie ein bestehendes System, welche dabei ist sich zu integrieren. Microsoft hingegen hat einen festen Partner um das System weiterzubringen. Aber nicht irgendeinen, es ist der Handyhersteller, den wir alle kennen. Den die meisten noch aus der Jugend zu schätzen wissen und wenn ich mir das Bild oben angucke, muss ich sagen, dass das erste WP7-Smartphone von Nokia wirklich sexy ist.

Dazu kommt noch der Vorteil für die Nutzer. Wenn Nokia tatsächlich viele Geräte mit Windows Phone 7 verkauft, dann kommt Microsoft in den Zwang dieses auch weiterzuentwickeln und nicht einfach so aufzugeben. Denn das ist bei Windows Phone 7 bisher meine größte Sorge gewesen, dann Microsoft einfach irgendwann sagt, dass sie keine Lust mehr habe. Sieht man ja am Januar-Update, was Ende Februar kommen soll…

Ich mag Nokia zwar nicht, doch sehe ich es nicht so eng, wie die anderen es scheinbar tun. Nokia hat sich in den letzten Monaten bei mir extrem unbeliebt gemacht, mit einige Aussagen, die sich direkt gegen Android und Android-Nutzer richteten. So ist es auch kaum verwunderlich, dass sie Windows Phone 7 nutzen und nicht Android. Ich sehe es aber positiv. Ein Kampf Google gegen Apple ist langweilig und eintönig. Ein Kampf Google gegen Apple gegen Windows hingegen hat uns schon am PC sehr viele schöne Dinge beschert.

Ich persönlich freue mich also darauf, dass Nokia in Zukunft nicht mehr nur noch Schrott herausbringt. Ich würde den Nutzern aktueller Nokia-Smartphones wünschen, dass sie ihr Handy auf Windows Phone 7 umflashen können, das würde gerade das Nokia N8 um einiges wertvoller machen. Ihr dürft mich jetzt natürlich gerne in den Kommentaren kritisieren oder als Nokia-Fanboy oder WP7-Fanboy beschimpfen, aber nicht vergessen. Ich mag Nokia nicht und nutze Android. Ich sehe es einfach nur neutral.

Ein Kommentar

  1. Totgeglaubte leben oft länger. Nokia ist nicht an fehlender Innovationsfähigkeit gescheitert, sondern am beschissenen Management. Die Idee der Apps/Appstores hatte Nokia vor Apple, die des Touchscreenhandys für den Massenmarkt ebenfalls. Gescheitert ist beides an einem unfähigen Management.
    Ebenso war die Entwicklungsabteilung in Bochum hochqualifiziert und RIM hat mit Kusshand über 100 Ingenieure des Standorts übernommen, die Entscheidung dort ist binnen Minuten gefallen. Ergebnis war das Bold 9700 – ohne Zweifel ein großer Wurf. Nachzulesen u.a. hier: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/it/0,28

    Die Frage ist jetzt ob man es auf die Reihe bekommt hier einen Schritt zurück, und zwei nach vorne zu machen. Technisch ist Apple leicht einzuholen, lebt man dort doch in erster Linie vom Image und einem Mut der anderen Unternehmen abgeht. Zunehmend landet Apple aber auch in der Fanboy-Ecke, ein Großteil der Käufer will ein Statussymbol und würde für einen I-erkarton wahrscheinlich auch das dreifache zahlen wenn er mit cooler Mucke beworben wird, und der angebissene Apfel drauf ist.
    Das ist in so fern eine Blase als das die Geräte nicht (mehr) wirklich halten was sie versprechen.

    Ich denke da wird nochmal ordentlich Bewegung reinkommen, niemand hätte vor 5 Jahren gedacht, daß Apple mal so eine Macht auf dem Handymarkt werden würde… Ebensowenig hätte sich damals wohl jemand träumen lassen, daß MS mal für ein Betriebssystem wirklich gelobt wird. Die Zukunft ist offen…

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