Early Access am Arsch! Bald auch auf Konsolen?

Dieser Beitrag wurde vor mehr als 7 Jahren veröffentlicht. Daher kann es sein, dass sein Inhalt oder ein Teil davon nicht mehr aktuell ist.

Early Access… Es gibt in der gesamten Gaming Branche keinen Begriff, der mich derzeit wütender macht. Early Access… Die Ausrede von Entwicklern ein Spiel nicht selbst testen zu müssen. Early Access… Die Möglichkeit für Entwickler Kohle zu scheffeln, ohne dafür überhaupt was Fertiges abgeliefert zu haben. Es nervt. Es nervt mich gewaltig. Jede Gaming-Seite schreibt ständig über neue, ach so innovative Titel, hebt die Awesomeness deutlich hervor, fixt die Leute an und am Ende wird auf Early Access verwiesen…
Early Access am Arsch!

Early Access auf Steam

Ich erinnere mich noch gut daran, als damals Gothic 3 auf den Markt kam. Unfertig. Unspielbar. Zum Vollpreis. Damals war es ein absoluter Skandal, ein Spiel nicht fertig auf den Markt zu bringen. Damals war es das schlimmste was ein Entwickler machen konnte. Lieber noch ein paar Monate warten und es dann fertig haben. Die Ära der Patches als normales Gut hätte deutlicher nicht eingeleitet werden können. Der Day One Patch gehört heute zum guten Ton – wenn das Spiel denn überhaupt fertig wird.

Early Access als Ausrede

Für mich ist es eine Ausrede. Man hat keine Lust ein Spiel zu entwickeln, ohne zu wissen, ob es ankommt. Man will sich vergewissern, dass die Nutzer es spielen wollen. Doch statt stetig darüber als Entwickler zu berichten, Videomaterial bereit zu stellen und eine kleine Gruppe an Testern zu engagieren, haut man das Spiel auf Steam in die Early Access Sparte und verdient sich erstmal dumm und dämlich. Nicht selten wird kurz darauf die Entwicklung abgebrochen.

Schnell verdientes Geld. Eine Idee, die man nicht vollständig umsetzen kann, einfach mal beginnen und dann mit dem Geld abhauen. Hat bei Cube World ja auch geklappt. Ein Early Access-Spiel, welches für mich die komplette Szene zerstört hat. Man entwickelt ein Spiel, welches potentiell saugeil werden kann und es obgleich seines frühen Stadiums schon ist und ist vom Erfolg überwältigt. Kann passieren, doch dann sollte man es handhaben können. Die Entwickler haben nämlich nur eines gemacht: Die Serverprobleme durch den Andrang gefixed und sind abgehauen. Monatelang hörte man nichts und dann kam kleckerweise mal ein bisschen was.

Cube World

Und diese Gefahr hat man bei Early Access Spielen immer. Ebenso wie das Risiko, dass die Software so schlecht optimiert ist, dass sie einfach mal den Rechner zum abschmieren bringt. Hatte ich auch schon (Ebenso bei Cube World) und kostete mich einige Zeit, weil irgendwas am Grafikkarten-Treiber dadurch beschädigt wurde. Dass man seine Spielstände in unregelmäßigen Abständen verliert, wie bei Starbound, ist hier das geringste Übel.

Alpha-Stadium zum Vollpreis

Bei Early Access ist man längst daran vorbei, uns als Beta-Tester zu missbrauchen. Früher hat man das so gehandhabt, dass man die Beta kostenlos zur Verfügung stellte und die Bugs, welche wir fanden, gefixed haben. Danach wurde das Spiel verkauft. Vertretbar, spart man so schließlich viel Geld. Dann kam die Ära, wo man ein paar Euro dafür berappen musste, dass man die Beta spielen durfte. Klang nach Geldmache und war es an sich da auch schon. Heute ist nichts mehr mit Beta.

Wasteland 2 fuer Wucherpreise

Man bekommt von den Entwicklern Spiele die im Alpha-Stadium sind und darf dafür ordentlich zahlen. Preise zwischen 15 und 20€ sind schon lange keine Seltenheit mehr. Aber auch richtig dreiste Entwickler gibt es. Diese bieten Early Access Spiele mal eben für über 40€ an. Wasteland 2 ist hier ein gutes Beispiel. Die Entwickler wollen 44,99€ für das Spiel haben, welches wir testen sollen. Dass das kein Einzelfall ist, zeigt Warmachine: Tactics, welches für 47,81€ angeboten wird. Ein prominentes Beispiel ist auch DayZ mit 23,99€.

Sag mal ernsthaft, wollt ihr uns verarschen!? Ich soll den Vollpreis für ein Spiel zahlen, welches nicht mal im Beta-Stadium ist? Ich soll für Early Access – Für eine Entwicklerversion – so viel Kohle berappen, ohne zu wissen, ob dieses Spiel jemals fertig wird? 5-10€ sind (letzteres im Ausnahmefall) hier meine Obergrenze und selbst das finde ich schon absolut unverschämt. Ich meine, wie kommen Entwickler auf sowas? Ich bin heute nicht mal mehr dazu bereit für Vollversionen am PC so viel zu bezahlen, da diese grundsätzlich erst nach einigen Wochen oder Monaten fehlerfrei spielbar sind.

Early Access bald überall?

Nicht nur dass es mich nervt, dass meine Lieblings Let’s Player auch ständig Early Access Titel spielen und somit ständig von vorn anfangen müssen – Gronkh spielt derzeit The Forest und fing mehrfach von vorn an, weil es immer wieder zu Problemen kam und das Spiel eigentlich absolut unspielbar ist – wird man überall mit diesem Mist zugeschissen, sodass es schwer ist, überhaupt noch gute Spiele in den ganzen Ankündigungen zu finden. Man hört von einem guten Spiel? Early Access. Man sieht einen Trailer von etwas, was extrem cool aussieht? Early Access und die Inhalte aus dem Trailer fehlen meist komplett.

Und bald haben wir den ganzen Müll auch noch auf Konsolen? Genau! Derzeit sind Microsoft und Sony jeweils in internen Gesprächen darüber wie man das umsetzen wird. Nicht ob, sondern wie. Wir werden also in nicht näher definierter Zeit auch auf der Xbox One und der PlayStation 4 mit Early Access belästigt. Dass Early Access mit »EA« abgekürzt werden kann, ist sicher kein Zufall ;) Die Buchstaben scheinen es mit Geldgeilheit irgendwie zu haben.

Sowohl Sony als auch Microsoft wollen vermeiden, dass die Erfahrungen, die man auf Steam und allgemein für den PC mit Early Access Titeln macht, auch auf den Konsolen stattfinden werden. Aber können sie das wirklich? Bei Steam hieß es zu Beginn auch, dass die Qualität gewahrt bleiben soll, allerdings war die Flut an Early Access Spielen irgendwann so groß, dass es unmöglich war diese zu filtern. Und was macht man, wenn man das nicht mehr allein bewerkstelligen kann? Genau, man verlässt sich auf das Bewertungssystem.

Ein weiteres Mal werden wir User also dazu benutzt, die Arbeit für andere zu tun. Nicht Steam überprüft die Spiele, wir tun das. Wir zahlen Geld und dürfen dafür feststellen, dass das Spiel Mist ist oder nicht weiterentwickelt wird und dann dürfen wir Steam dabei helfen, das herauszufinden. Das ist Mist Leute, ehrlich. Und ich habe echt Bedenken, dass das bei Sony und Microsoft nicht anders laufen wird. Klar, beides sind große Unternehmen und im Gegensatz zu Steam, sind denen die Kunden auch wichtig, dennoch ist das schlichtweg eine Gefahr, die bedacht werden muss.

Es gibt immer schwarze Schafe. Es gibt immer Leute, die es ins Extreme treiben. Doch wie es mir vorkommt, sind diese bei Early Access einfach nur Normalität geworden. Weiße Schafe sind dort genauso selten, wie konstruktive Kommentare im heise-Forum. Minecraft lässt sich hier sicherlich hervorheben, aber das war auch damals der Anfang von dieser Flut. Wäre Minecraft nicht so erfolgreich geworden, hätten es so viele nicht auch versucht, nicht umsonst ähneln auch heute noch viele Early Access Titel dem Prinzip von Minecraft – Oder eben Teilen davon.

Dann lass es halt

Einige mögen jetzt vielleicht der Meinung sein, ich soll halt keine Early Access Titel kaufen. Und sie haben recht. Werde ich auch nicht. Ich habe mir seit dem Oktober 2010 genau 3 Early Access Titel gekauft. Minecraft, Cube World und Starbound. Und bei zweien bereue ich es bis heute. Minecraft war nach einer Zeit fertig und wird noch immer weiterentwickelt, wenn auch langsamer als früher. Cube World war die größte Spieleenttäuschung meines Lebens und Starbound habe ich seit der Ankündigung auf einen neuen Wipe nicht mehr angerührt, weil man einfach nie weiß, wann man wieder alles verliert.

Dennoch nervt mich das Thema. Es ist omnipräsent und es breitet sich weiter aus. Es ist wie ein widerlicher Virus, der sich durch alles frisst, was irgendwo Nahrung bietet. Mittlerweile werden Tripple-A Titel kaum noch fertig ausgeliefert, weil es normal geworden ist, dass man unfertige Spiele bekommt. Man kann ja alles patchen. Mittlerweile ist es normal, dass eine Beta zum Vollpreis released wird. Mittlerweile ist es normal, dass ein Alpha-Label rangeklatscht wird, um jeden Fehler zu rechtfertigen. Spiele sind nicht mehr das, was sie mal waren und das kotzt mich einfach an.

4 Kommentare

  1. Kurz gesagt: Ich habe nichts gegen den Grundgedanken von Early Access. Das war ursprünglich eine super Sache für kleinere Indie-Entwickler, die Support von einer größeren Menge Spieler brauchte. Sei es, um Fehler zu entdecken, oder um sich einfach besser an ihren Wünschen orientieren zu können.

    Aber ich habe etwas gegen die Ausschlachtung dieses Konzepts. Gegen Entwickler, die absolut ungerechtfertigte Preise für ihre Early Access Titel verlangen. Und gegen Entwickler, die scheinbar einfach ihre Arbeit hinschmeißen, sobald genug Geld rein kam.

  2. Hach, du hast absolut Recht. Schade, dass es nur vereinzelt Leute gibt, die sich darüber aufregen. Wasteland 2 wird tausendfach gekauft zu dem von dir genannten Preis – 44 Euro.

    Es liegt – auch wenn man es nicht glauben mag – auch am Unwissen der Leute. Viele meinen dass diese ein gutes und ausgereiftes Spiel erhalten, eigentlich ja logisch bei so einem Preis. Der Early-Acess Banner, wo klipp und klar gesagt wird, dass es sich hierbei nur um eine Alpha handelt, ist meist auch egal oder wird „mal schnell überflogen“. Würde man hier die Leute weiter aufklären, wäre keiner so dämlich so viel Geld für eine Alpha auszugeben.

    Jedoch ist nicht alles schlecht, ich finde es war sogar ursprünglich eine gute Idee. Der Entwickler wird etwas motivierter, kann sein Budget für dieses Spiel etwas aufstocken und eventuell sogar einen zweiten Entwickler einstellen. Allerdings was daraus geworden ist, ist für mich nicht weiter vertretbar.

    • Ja, dieser Gedanke ist leider bei vielen verankert. Kostet es viel, ist es gut. Dass das schlichtweg nicht immer (eher selten) stimmt, ist egal.

      Und der Banner wird definitiv schnell überflogen. Es steht dick »Early Access« da, was ja positiv klingt. Dann darunter, dass ich sofort Zugang erhalte und sogar mitwirken darf! Klingt super, wenn man es nicht besser weiß. Der Rest wird dann meist eher überlesen. Klar, grün und blau sind keine gefährlichen Farben.

      Ja, klar. Die Ursprungsidee von Early Access ist super. Allerdings versteht die heute offenbar keiner mehr. Die die es noch verstehen, gehen meist leider unter und werden ignoriert, weil ja schließlich größere, teurere da sind. Es wurde nicht reglementiert, also ist es schief gegangen, wie alles im Leben.

  3. Der Free2Play Scheißdreck ist ja genauso schlimm.

    Zwei Spiele von EA, zwei Wege… Real Racing 3 ist Free2Play, man kann aber verdammt viel von dem Spiel durchspielen ohne einen einzigen Cent für virtuelles Gold auszugeben. Trotzdem, n Ingame-Auto für 100 echte Euros… *donk*.

    Simpsons: Springfield ist da wesentlich extremer: ohne virtuelle Donuts, zu erwerben gegen Geld, muss man stundenlang auf alle möglichen Aktionen warten.

    Eigentlich gehörts andersrum… RR3 spielen ältere Jugendliche bis Erwachsene, mit mehr Kapital. Simpsons spielen eher die Jüngeren bis jüngsten… mit dem kürzeren Geduldsfaden. „Mami, ich brauch Donuts!“ „Ja ok… WAS 80 EURO WOLLT IHR MICH VERARSCHEN“.

    Erbärmlich, EA. Richtig erbärmlich. Übrigens, selbst wenn man sich in RR3 Ingame-Gold oder Autos kauft, ist man die Werbung nicht los. Miniclips Plague Inc. hingegen erlöst den glücklichen Käufer permanent von Werbung, wenn man auch nur das kleinste IAP-Paket für nichtmal 80 Cent erwirbt.