Microsoft, wir müssen reden.

Dieser Beitrag wurde vor mehr als 2 Jahren veröffentlicht. Daher kann es sein, dass sein Inhalt oder ein Teil davon nicht mehr aktuell ist.

Und zwar wieder einmal. Und wie so häufig geht es um Windows 10, Windows 10 Mobile und das, was ihr Entwicklern in letzter Zeit zumutet.

Bildquelle: http://bit.ly/2bXYZ87

Bildquelle: http://bit.ly/2bXYZ87

Ich habe mich in letzter Zeit sehr oft über Microsoft aufgeregt und hatte auch allen Grund dazu. Angefangen hat das bereits im September 2015, zwei Monate nach dem Release von Windows 10 (den Rage über Windows RT zähle ich einfach mal nicht mit). Auslöser war damals der Status, in welchem sich das neue Betriebssystem anfangs befand – es war schlichtweg unfertig. Apps stürzten genau wie wichtige Prozesse regelmäßig ab, es gab einige Skalierungsprobleme, Kacheln und Icons verschwanden einfach, Flyouts wie das Action Center wurden nicht geöffnet, der Store war eine Katastrophe. Ich kam damals zu dem Fazit, dass Windows 10 zu früh auf den Markt geworfen wurde. Nach dem großen November-Update („Threshold 2“; Version 1511) besserte sich dies sehr schnell sehr deutlich und die tägliche Verwendung des Betriebssystems machte wieder Spaß. Gründe zum Meckern gab es quasi nicht mehr.

Weiter geht es mobil

Doch kaum war das erste Sorgenkind versorgt, kam auch schon das zweite auf die Welt – Windows 10 Mobile, der Nachfolger von Windows Phone 8.1. Als jemand, der bereits seit Windows Phone 7 dabei war, konnte ich den Release natürlich kaum erwarten. Ich freute mich auf die ganzen Neuerungen, die die Plattform nochmals verbessern sollten. Doch diese Freude verflog sehr schnell, denn Windows 10 Mobile wurde und wurde nicht fertig und die Version, die dann letztendlich veröffentlicht wurde, war nichts weiter als eine Enttäuschung. Von Weckern, die einfach nicht klingelten bis abstürzende Tastaturen war wirklich alles dabei. Und naja, das „Wallpapergate“ war auch so ein Ding für sich. Zwischendurch wurde es dann so schlimm, dass ich Windows 10 Mobile den Rücken kehrte und mir ein Android-Smartphone zulegte, nur um dann 13 Tage später festzustellen, dass das System genauso wundervoll ist und ich dann doch zu Microsoft zurückkehrte.

Interessanterweise passierte wenige Wochen später das, was auch schon beim großen Bruder Windows 10 passierte – es wurde gut. Bugs, die mich seit Monaten störten, wurden plötzlich behoben und die Verwendung machte einfach wieder Spaß. Okay, das System wurde damit nicht gerettet, im Gegenteil, die Marktanteile brachen regelrecht in sich zusammen (Auch Marco verabschiedete sich) und selbst in Ländern, in denen Windows Phone vor iOS lag, interessierte sich inzwischen niemand mehr für Microsofts mobiles Betriebssystem. Zahlreiche Entwickler stellten den Support für ihre Apps ein, darunter Größen wie PayPal und Amazon (die neue „App“ erkenne ich nicht als solche an, sorry). Andere neue erreichten die Plattform gar nicht erst, das bekannteste Beispiel dürfte hier Pokémon GO sein.

„Spaß“ für Entwickler…

Und dann kam eine Zeit, in der beide Systeme, Windows 10 und Windows 10 Mobile, stabil und zuverlässig liefen – dafür ging der Spaß nun beim Windows Developer Center und dem Windows Store los. Ich reichte meine erste Beta-App für Microsofts Universal App-Plattform ein und alles funktionierte tadellos. Dann verließ diese die Betaphase und ich veröffentlichte Version 1.0 – welche jedoch nicht im Store gefunden werden konnte. Also wandte ich mich an das Support-Team von Microsoft, welches mir dann mitteilte, dass die App nicht den Qualitätsansprüchen von Microsoft gerecht werde und deshalb eventuell nicht aufgelistet wird. Hm. Könnten wir an dieser Stelle vielleicht doch einmal über Amazons neue „App“ sprechen?

Wie dem auch sei, ich habe mich damals auf meinem privaten Blog erst einmal ordentlich abreagiert. Hätte ich gar nicht machen müssen, zwei Tage später wurde das Problem nämlich behoben, aber sowas weiß man ja vorher nicht. Zehn Tage später bekam ich übrigens schon wieder die Gelegenheit, mich aufzuregen, da mir dann „verboten“ wurde, neue Apps in den Store zu stellen, da ich nur einen DreamSpark-Account besitze. Wieder fragte ich bei Microsoft nach, wieder wurde das Problem nach kurzer Zeit (es waren zwei Wochen oder so) behoben. Ärgerlich war es trotzdem. Aber immerhin war wieder alles okay.

Dann spielte sich etwas ab, über das ich an dieser Stelle zum ersten Mal etwas ausführlicher berichte. Ich hatte das immer aufgeschoben, aber da es ganz gut in diesen Beitrag passt, mache ich es jetzt einfach mal. Es geht um Post10 (später Postapi), meine zweite App für Windows 10. Diese war nämlich von Anfang an nicht auffindbar. Also öffnete ich wieder das Windows Developer Center und wollte gerade wieder ein neues Ticket eröffnen, als ich feststellte, dass es inzwischen sogar eine „Don’t see in the Store yet?“-Option direkt auf der Startseite gibt. Wie praktisch, scheinbar war Microsoft sich bereits damals den Problemen bewusst.

Ich meldete mich also beim Support – eine Antwort erhielt ich nie. Einen Monat später versuchte ich es erneut, drei Wochen später wurde mir mitgeteilt, dass man die App persönlich überprüft habe und es tatsächlich einen Fehler seitens Microsofts gab. Die App war seitdem im Store auffindbar wie jede andere App auch und auch die Zahl der Downloads stieg endlich an.

„Your app has been unpublished“

Und dann erreichte mich ganze zwei Tage später plötzlich eine weitere Mail von Microsoft. Betreff: „Your app Post10 has been unpublished.“. Super. Im Dev Center erfuhr ich dann, dass Microsoft diese aus dem Store nehmen „musste“, da sie qualitativ minderwertig sei. Außerdem zeigten die Screenshots angeblich Inhalte, die meine App gar nicht anbiete (oder die Screenshots seien nicht informativ genug). Beides war totaler Schwachsinn. Meine App war sicherlich nicht das achte Weltwunder, aber „qualitativ minderwertig“ war sie definitiv auch nicht, das empfand ich schon echt als Beleidigung.

Um sie wieder in den Store stellen zu können, hätte ich mich sogar persönlich bei Microsoft melden müssen, dann hätten sie es sich überlegt – ganz ehrlich, nein. Ich lass mich doch nicht verarschen, sorry. Die App erfüllte ihren Zweck, entsprach voll und ganz den UI-Guidelines, welche Microsoft zum Teil nicht mal selbst einhält, und stürzte außerhalb der Betaphase nicht ein einziges Mal ab. Da ich keine Ahnung hatte, was ich daran bitte verändern sollte, habe ich mich dazu entschieden, die App aus Prinzip nicht wieder in den Store einzureichen. Es war die richtige Entscheidung.

Microsofts Statement zu dem Rausschmiss meiner App.

Microsofts Statement zu dem Rausschmiss meiner App.

Dennoch hörte ich nicht mit der App-Entwicklung auf, da es mir ja Spaß machte, vorausgesetzt, Visual Studio lief endlich mal problemlos – aber dazu später mehr. So wurde ich eines Tages gefragt, ob ich eine Windows-App für einen Dienst namens „yawn“ entwickeln möchte und da ich das Team dahinter einigermaßen kenne und die Idee selbst ziemlich cool finde, sagte ich zu. Nach einigen Wochen veröffentlichte ich dann die erste öffentliche Beta – welche, wer hätte es nur gedacht, nicht im Store auffindbar war. Also habe ich wieder einmal das Dev Center geöffnet, wieder einmal diesen bescheuerten Support-Link angeklickt und wieder einmal ein bescheuertes Ticket eröffnet, um nach einem Monat Wartezeit immer noch keine Antwort zu erhalten.

Es folgte ein App-Update, welches neben einigen neuen Features auch eine Namensänderung brachte, in der Hoffnung, dass sich das Problem damit lösen würde. Pustekuchen. So eröffnete ich frustriert noch ein Ticket, in welchem ich auch anmerkte, dass ich dieses Problem nun zum wiederholten Male habe und inzwischen ziemlich genervt von Microsoft bin – wieder erhielt ich nie eine Antwort. Und so entschied ich mich dazu, alle meine Apps vorerst aus dem Store zu nehmen und es erst einmal sein zu lassen, denn auf dieser Basis hat das einfach keinen Sinn mehr.

Ach ja: auf die alten Apps, die auf einem anderen Account liegen, wird das demnächst wohl auch zutreffen. Microsoft hat mich nämlich dreimal dazu aufgefordert, dort Altersbeschränkungen hinzuzufügen, was ich dann auch dreimal getan habe – bei der vierten Aufforderung wurde es mir dann zu blöd und ich unternahm nichts mehr. Dementsprechend werden diese Apps den Store in absehbarer Zeit also auch verlassen, obwohl ich mehr als rechtzeitig gehandelt habe. Naja. Das kann sowieso noch lustig werden.

So weit, so schlecht. Dann kam das Windows 10 Anniversary Update…

Es ist wirklich toll, welche neuen Features Microsoft uns da spendiert hat – Windows Ink finde ich selbst auf Geräten ohne Touchscreen bedingt sinnvoll (als Screenshot-Tool), das überarbeitete Action Center sieht deutlich ordentlicher und lebendiger aus und, und, und. Doch auf sämtlichen Geräten, die inzwischen perfekt liefen, gibt es seitdem so viele Probleme, dass ich am liebsten downgraden würde. Mein Hauptgerät, ein 250€ Asus-Netbook, lief vor dem Update verdammt schnell und fehlerfrei.

Seit dem Update vergeht kein Tag, an dem nicht irgendetwas nicht funktioniert, sei es die fehlerfreie Darstellung der Symbole im Startmenü oder das Abspielen von Videos, ohne dass mir nach 2 Minuten ein Bluescreen um die Ohren fliegt. Selbst nach einem Reset und Treiber-Neuinstallationen und -Updates hat sich nichts geändert. Auch das Zweitgerät (ein älterer Acer-Laptop, der nur noch für Dinge verwendet wird, die mehr Leistung erfordern) blieb nicht verschont. Im Großen und Ganzen lässt es sich aber in der Regel verwenden.

Windows 10 Mobile hingegen hat es wieder besonders krass erwischt. Hier fühlt es sich so an, als würde das Spiel von vorn beginnen – Apps stürzen ab, die Kamera-App ist unbrauchbar geworden, da sie nach kurzer Zeit das Handy neustarten lässt, der Sperrbildschirm ist wieder genauso instabil wie früher, Benachrichtigungen zerstören manchmal die Statusleiste (Wie ist sowas überhaupt möglich?), vorausgesetzt sie kommen irgendwann mal an, und so weiter. Okay, Edge ist endlich ein benutzbarer Browser geworden und die Performance ist besser, aber die war ja sowieso noch nie das Problem. Mein Handy lief schon immer schnell, aber eben nicht stabil.

Nachdem ich mich dann auf Twitter darüber aufregte, wurde mir doch ernsthaft gesagt, dass ich mich ohne vorherigen Hard Reset nicht beschweren dürfe und dass auch Android und iOS nach großen Updates Probleme hätten. Als ich jene iOS- und Android-Nutzer dann mal fragte, konnte mir das nur niemand, also wirklich niemand, bestätigen. Zudem kann man wirklich nicht verlangen, dass man nach jedem Update sein Handy zurücksetzen muss. Trotzdem habe ich es dann einmal getan, da mich die ganzen Probleme einfach nur noch ankotzten und ich gehofft hatte, dass diese Methode tatsächlich Abhilfe schaffen würde. Hat sie aber nicht. So viel also dazu.

Der neue Windows Store

Neu im Windows 10 Anniversary Update ist übrigens eine überarbeitete Version des Windows Stores, welche einen wundervollen Bug beinhaltet, der mindestens seit dem 4. August bekannt ist (er machte auf diversen Blogs die Runde, außerdem haben eine andere Person und ich Microsoft kontaktiert; zumindest ich erhielt jedoch keine Rückmeldung, wieso auch), seitdem aber nicht gefixt wurde. Um es kurz zusammenzufassen: der Store erlaubt die Installation von geschlossenen Betas, ohne dass man dazu berechtigt ist. Noch schlimmer: das Ganze funktioniert (scheinbar nur manchmal) auch mit kostenpflichtigen Apps.

Welcher Entwickler liebt es nicht, wenn jemand eine kostenpflichtige App kostenlos herunterladen kann, ohne dass es den Support interessiert? Die Macher von der berühmten „ProShot“-App jedenfalls nicht, diese veröffentlichten nämlich ihre neue App und erhielten dann zahlreiche Meldungen von Nutzern, die den Kaufprozess „umglitchen“ konnten. Und da mir in letzter Zeit schon des Öfteren vorgeworfen wurde, dass ich mir das alles nur ausdenke, um Microsoft zu schaden (bitte was?), habe ich die ganze Prozedur einfach mal in einem Video festgehalten.

Rise Up Games (das Team dahinter) meldete sich zunächst erfolglos beim Support und verkündete daraufhin, dass die App vorerst wieder aus dem Store entfernt wurde. So weit, so gut. Damit wäre das Problem gelöst? Nö. Der Store-Bug erlaubt nämlich auch die Installation von Apps, die inzwischen nicht mehr bereitgestellt werden, solange man einen Store-Link zu dieser besitzt. Und dieser ist natürlich immer noch im Umlauf. Ich selbst konnte dies mit einer meiner alten Apps reproduzieren, die ich bereits 2014[!] wieder aus dem Store entfernt habe.

Noch einmal zur Erinnerung: dieser Bug ist mindestens seit dem 4. August bekannt, zum momentanen Zeitpunkt (29. August), 25 Tage später, wurde er trotz zwei Store-Updates immer noch nicht behoben. Das muss man erst mal sacken lassen… Rise Up Games kündigte jedoch ebenfalls an, mit Microsoft reden zu wollen, ich bezweifle jedoch, dass sich danach etwas ändern wird. Es scheint so, als wären Windows-Entwickler denen inzwischen doch völlig egal.

Weiter geht’s mit Visual Studio

Das wird auch durch Visual Studio deutlich – Microsofts Entwicklungsumgebung für alles rund um Windows. Es ist ja kein Geheimnis, dass diese Software seit über einem Jahr für viele völlig verhunzt ist, was mysteriöse Probleme wie der ILT0005-Fehler, über den ich berichtete, ziemlich gut offenbarten. Nun ist es so, dass ich vor einigen Tagen eine App auf meinem PC debuggen wollte und dabei einen Fehler erhielt, welcher recht bekannt ist und für den es scheinbar keine sichere Lösung gibt. Also deinstallierte ich Visual Studio – und es klingt fast schon unmöglich, aber nicht einmal das funktionierte ohne Probleme.

Einen Tag später erfolgte dann die Neuinstallation, in der Hoffnung, dass das Problem dadurch behoben wurde. Ja… gut. Nun ist es so, dass ich Visual Studio nach dem Öffnen nicht mal mehr beenden kann. Kein Witz, egal was ich versuche (Alt+F4, das Schließen-Kreuz, Die Option in der Menüleiste), ich erhalte immer eine Fehlermeldung. Manchmal verabschiedet sich die Software dann auch von selbst. Schafft man es hier nicht rechtzeitig, das kleine Fenster wegzuklicken, wird sie aber im nächsten Moment neu gestartet und der Spaß geht von vorne los. Au Junge…

Visual Studio 2015 - there's no escape...

Visual Studio 2015 – there’s no escape…

Letzteres war nun übrigens der Grund, wieso dieser Beitrag hier überhaupt entstand – quasi der Tropfen, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte. Ich hatte mir vorgenommen, „demnächst“ mal etwas zu der Postapi-Sauerei zu schreiben, aber das ist wohl ein wenig eskaliert. Trotzdem war dieser Artikel in meinen Augen einfach mal nötig. Microsoft, ihr macht momentan so vieles richtig, aber ihr macht eben auch unglaublich viel falsch. Ihr behandelt Entwickler teilweise (gewollt oder ungewollt) wie den letzten Dreck. Dabei seid doch gerade ihr es, die am ehesten auf neue tolle Apps angewiesen sind, vor allem im mobilen Bereich.

Aber diesen habt ihr doch inzwischen scheinbar sowieso längst aufgegeben. Auch wenn es tatsächlich immer noch Fanboys gibt, die so verblendet sind, dass sie meinen, Windows 10 Mobile sei das beste mobile Betriebssystem, welches momentan auf dem Markt ist und dass Microsoft es Apple und Google in spätestens fünf Jahren so richtig schön zeigen wird. Ja. Klar. Träumt mal schön weiter, ich habe währenddessen eine Entscheidung getroffen. Ich werde mich als Entwickler von der Windows-Plattform zurückziehen und zukünftig eventuell auf andere Plattformen setzen, wenn überhaupt.

Außerdem werde ich in den nächsten Monaten nun doch auf Android umsteigen (wieder einmal, nur bleibe ich diesmal auch dabei). Das System ist zwar auch nicht das Gelbe vom Ei, aber dennoch wesentlich besser als Windows 10 Mobile es jemals war bzw. vermutlich sogar sein wird. Das ist schade, denn Windows Phone war ein wirklich tolles Betriebssystem und das Entwickeln für jenes hat wirklich Spaß gemacht. Aber die Zeiten scheinen wohl vorbei zu sein. Aus toll wurde instabil und fehlerhaft, aus Spaß wurde Frustration und Rage.

Gratuliere, Microsoft – ihr habt somit einen von vielen weiteren enthusiastischen Entwicklern verloren.

5 Kommentare

  1. Toller Artikel. Es gibt leider wirklich einige Fehler im Windows Ökosystem. Ich bin wohl einer der wenigen glücklichen User, die von fast all diesen Problemen nicht betroffen waren. Mein Phone – ein Lumia 930 – läuft schon sehr lange mit der Insider Fast Build und es gab nie größere Probleme. Dies heisst leider nicht, dass diese nicht existieren. Und ich glaube auch nicht, dass Microsoft es in 5 Jahren Apple und Google richtig zeigen wird.
    Trotzdem ist Windows 10 Mobile die Platform, die ich weiterhin benutzen werde.

    Windows 10 am PC ist ein großartiges Stück Software, welches leider auch seine Macken hat. Cortana, z.B. Mir sind Fälle bekannt, in denen Cortana grundsätzlich und immer mit Bing sucht. Egal ob man „Wie geht es dir?“, oder nach der Börse fragt.

    Mit dem ILT0005 Fehler in VS hatte ich auch schon Spaß und es war tatsächlich dein Artikel, der mir dann endlich helfen konnte.

    Schade, dass du als Entwickler die Platform verlässt, auch wenn ich es nachvollziehen kann.

    Von mobil gesendet.

    Auf diesen Kommentar antworten
    0
  2. (Überarbeitete Fassung dieses Kommentars dort: Apple und Google, wir müssen Reden!)

    Dem ehemaligen Monopolisten kann man vieles vorwerfen, eine stillstehende Plattform zu forcieren nicht. Windows 7 wurde vor fast genau sieben Jahren veröffentlich; auf Windows 7 konnten seither auch viel ältere Geräte aktualisiert worden. Windows Phone 7 wurde vor sechs Jahren fast am selben Kalendertag veröffentlicht, und erfuhr allein seither mehr als ein Facelift, die letztlich zu dem nun vorliegenden Antlitz von Windows 10 führten.

    Microsoft reicht damit denjenigen Nutzern die Hand, die seit Windows 95 keinen so großen Quantensprung mehr mitgemacht haben; Start als Metapher, GUI als vorrangiger OS-Modus, 32 Bit, wenig später Internet und USB haben heute noch ihre zeitgemäße Entsprechung.

    Und Microsoft holt sie mit dem kostenlosen Update als Trostpflaster für das unfertige Windows 8 ab.

    Und Microsoft baut Entwicklern mit Windows 10 für all diejenigen eine Brücke, die bisher für das ein, andere oder beide anderen Ökosysteme entwickelt haben: Mit dem Schachzug, die Web Plattform als Entwicklungsplattform der Wahl einzuführen, hat man den ausgeführt, den Apple und Google demnächst nachvollziehen werden. Warum? Weil sich auch das lukrativste Geschäftsmodell nicht leisten kann, dauerhaft drei Apps (iOS, Android, Web) und ein Vielfaches dessen an API² zu pflegen.

    Durch die Abkehr vom Microsoft Internet Explorer hin zu Edge ohne Altlasten, hat Microsoft zudem den jüngsten Browser, den schnellsten Interpreter für ECMAScript, die vollständigste Rendering Engine gemessen an relevanten API am Start.

    Google wurde vor Kurzem damit konfrontiert, das in über einer Milliarde Android-Geräten Scheunentor-große Hintertüren klaffen; Google sieht aber gar nicht ein, den Rattenschwanz veralteter Geräte auf einen neuen Stand zu bringen oder hat gar keine Möglichkeit das Betriebssystem von sich aus zu aktualisieren. Von dem fragmentierter Fuhrpark, den Android-Hardware ausmacht, will ich gar nicht erst anfangen; das sich Samsung hier als wichtigster Anbieter durchsetzt ist dabei kein Zeichen von Besserung, sondern das Gegenteil: Es gäbe ab einem gewissen Marktanteil gar keinen Grund mehr, Android offen fortzuentwickeln, da ohnehin nur der südkoreanische Mischkonzern damit Geld verdient; aus dem Grund wird Google in Kürze selbst wieder als Hardwareanbieter in den Markt eintreten.

    Apple musste drei schwerwiegende Lücken in seinem aktuellen iOS einräumen, und hatte binnen kürzester Zeit ein Update für alle drei Exploits parat; Frage nur: Ist die an den Tag gelegte Geschwindigkeit, mit der die wohl sehr tief greifenden Fixes bereitgestellt werden konnten, darauf zurückzuführen, das Apple wichtig war die nicht länger im Raum stehen zu lassen, oder standen die längst zur Verfügung und wurden einfach nie von Dritten* ausgenutzt? NSA und Apple werden sich wechselseitig über Exploits in Kenntnis setzen, die sie kennen und die genutzt werden können. Das der Monolith iOS schnell gepatcht werden kann, jedenfalls schneller als ein so vielgestaltiges Android: einerlei. Aber selbst Apple wird Integrationstests auf alle unterstützten Geräte fahren müssen, und die Sicherheit der neuen Version auditieren müssen. Das geht nicht von heute auf morgen, wie demonstriert. Es ist anzunehmen, das entweder Apple oder die NSA von dem Problem gewusst, über die jeweilige Telemetrie dessen „produktive Nutzung“ in the wild beobachtet haben und dann den jeweils bereits vorliegenden Patch angewandt haben. Was mich zu einer anderen Frage führt: Was ist mit all denen, die nicht jedes oder jedes zweite Jahr ein neues iPhone kaufen?

    Man kann die drei Plattformen nicht direkt miteinander vergleichen, aber man kann ihre Zukunft voraussehen, ohne ein Wahrsager zu sein. Apple hat die inzwischen auch öffentlich wahrnehmbar akzeptiert, indem sie Safari vom Abstellgleis geschoben und dessen Fortentwicklung begonnen haben, wie einstmals Microsoft mit dem Internet Explorer 7. Google hat das nebenläufige Ökosystem aus Chrome Apps aufgegeben, selbst erklärt um Progressive Web Apps³ mehr Raum zu geben. Und mit 300 Millionen+ Installationen haben Windows Universal Apps einen Markt, um den keiner mehr herum kommt, und für deren Entwicklung es innerhalb der Plattform keinerlei oder kaum einer Portierung mehr bedarf und auf die die beiden vorgenannten Plattformen hinarbeiten.
    Kurzum: Es läuft mittelfristig darauf hinaus, das die Zweifaltigkeit der meisten Angebote verschwinden wird. Die beiden Badges zum Apple AppStore oder auf Google Play verschwinden wie die Best viewed with aus der Frühzeit des World Wide Web. Was bleibt ist der Dank an Apple, mobiles Internet durchgesetzt zu haben. Aber wie Netscape reicht das langfristig nur für Wikipedia, nicht für die Wertschöpfung. Wenn also der AppStore nicht mehr läuft, weil die 40%, die man als Entwickler abdrückt, auch 0% sein könnten, wenn man im Web veröffentlicht; und wenn der AppStore nicht mehr läuft weil anstatt rigider, willkürlich ausgelegter Richtlinien ein nicht durch Regeln reglementierter Zugang zum Markt mit einem Vielfachen der Geräte lockt, ist mit dem Dreiklang iOS, Android, Web auch nicht mehr lang hin. Und dann kann Apple sich darauf konzentrieren, was sie gut können, Ideen entwickeln, Form geben und als Luxusgut verhökern. Das haben sie seit Steve Jobs nicht mehr. Und Google macht jetzt schon, was sie seit Gründung machen: Um Suchergebnisse arrangierte Werbung ausliefern, vielleicht sogar auf Geräten, die ihren Namen tragen.

    Und was all das mit dem Redebedarf-Rant zu tun hat? Eben. Der wuchs sich beim Schreiben aus. Mit der Leidenschaft, mit der hier argumentiert wurde, und mit der Leidensbereitschaft, von dem der hier wiedergegebene Leidensweg zeugt würde es mich wundern, wenn der Verfasser jetzt schon aufgibt. Ich tippe mal das er auf dem skizzierten Weg, den Apple und Google mit ihren mit dem Web konkurrierenden Plattformen nehmen werden, irgendwann auch wieder Raum zur Versöhnung ist. Jedenfalls hoffe ich das, das und das der Autor nicht den Fehler begeht, auf andere Plattformen auszuweichen und noch viel schlimmere Erfahrungen zu machen. Ich bin jedenfalls aus nächster Nähe Zeuge nicht nur einer Parallelentwicklung geworden, und daher froh nie selbst eine Zeile etwa in XCode geschrieben zu haben. Das was ich dabei darüber zu Hören bekam erinnert in das finsterste Mittelalter; mit Wegelagerei, Hexenverbrennung und unverständlichen, immer neuer Interpretation verschiedener juristischer und technischer Codes, die man bei Plattform-Paten als Bibel betrachtet.

    *Keine Verschwörungstheorie ist, das die NSA Exploits – auch in iOS – nutzt; sicher angenommen werden kann, das man sich um den Wert der Plattform iOS beiderseits bemüht, auf der einen Seite, um sie zum Ausspähen derer Nutzer auf aller Welt verfügbar zu halten, auf der anderen Seite
    ²Jede einmal installierte App muss, wenn es neue OS-/App-Versionen gibt, so lang bereitgehalten werden, bis die Nutzerzahl nicht mehr als kritischen Masse gilt.
    ³Wortkreation, Sammelbegriff wie HTML5

    Auf diesen Kommentar antworten
    0
  3. Es geht noch schlimmer: Hast du dir mal überlegt, mit einer kostenpflichtigen App Geld zu verdienen? Tja – die Premium-Apps lassen sich direkt von MS-Servern herunterladen, die Links werden auf Warez-Seiten verlinkt.

    Unter diesen Vorraussetzungen kann man ja gar keinem Entwickler, der eine App nicht bloß als Hobby entwickelt, die W10M-Plattform empfehlen.

    Ich habe mir auch ein Lumia 540 geholt, weil ich vom Konzept begeistert war. Es wird wohl, abgesehen vom Win 10-Laptop für die Uni, mein letztes Gerät mit MS-Software sein: Win Phone 7 wurde fallen gelassen, 8 wurde fallen gelassen, 10 wird gerade fallen gelassen, Windows 10-Laptops machen immer öfter Probleme bei der Linux-Installation.

    Windows 10 mache ich noch mit, da mein Laptop für die Uni es halt vorinstalliert hat und es im Wirtschaftsstudium leider – oder Mac – verlangt wird (FOSS ist außerhalb der technischen Fakultäten ein Fremdwort). Dann war es das.

    Wobei ich sagen muss, dass die Bugs für mich eigentlich nicht unbedingt den Erfolg von Win 10 verhindern: Unter Android bin ich seit 1.5 dabei, und es war eigentlich bis min. 2.3, eher 4.x eine Usability-Katastrophe. Seitdem wurde es besser, dafür wird das Betriebssystem seit 5.x immer abhängiger von den Google-Apps (Okay, das stört die Wenigsten). Für Viele üben ja Custom ROMs den Reiz des Systems aus, jedoch bekomme ich seit XP (!) mit nLite, vLite usw. ein stabileres Custom-Windows hin, als die meisten ROMs abgesehen von Cyanogenmod.

    Google hat es halt erfolgreich geschafft, sein System als produktivere und freiere Alternative hinzustellen. Das macht MS nun nur nach. Ebenso war Google mit den Nexus-Geräten der Vorreiter in Sachen eigener Geräte-Park, nicht MS. Ich bin mir sicher, wenn MS nur in einer Sache (Marketing, Geräte, Freiheit etc.) der Vorreiter gewesen wäre, hätten sie mächtig Hype generieren können. Aber so…
    Für den Versuch auch noch die in Europa beliebte Nokia-Marke zu zerstören, war nicht gerade intelligent. Da fing es ja schon an, jedes neue Gerät war anfangs allenfalls ein zusammengekauftes MS-Nokia, aber kein genialer Durchbruch der genialen MS-Designer…Apple bekommt so ein Image bei jedem Kleinteil hin.

    Auf diesen Kommentar antworten
    0
    • Ah, was mir auch noch einfällt: Hast du es mal geschafft, Visual Studio (aus Dreamspark) und die ganzen Win 10 (Mobile)-Developertools zu löschen? Über 80GB verteilt auf dutzende Programme, von denen jedes zweite Tool entweder gar keinen Uninstaller hat (bei Auswahl in den Systemeinstellungen passiert nichts), oder dieser stürzt schlicht ab.

      Verglichen damit Codeblocks + Android-Dev-Tools: Drei (Codeblocks, ADB, Android SDK) Installer, von denen zwei auch noch als portable Varianten verfügbar sind. Die Deinstallation geht problemlos, der Speicherverbrauch inkl. Android-Emulator sollte <10GB sein, also selbst auf einem 200€-Laptop mit eMMC kein Problem.
      Da fällt es einem ja immer schwerer, MS die Treue zu halten, ohne ein totaler fanboy zu sein…

      Auf diesen Kommentar antworten
      0
    • Das Problem mit den kostenpflichtigen Apps existiert aber auch unter Android, zwar sind dort keine direkten Downloads möglich, aber die „Cracker-Community“ ist dort sehr aktiv – wobei es in den meisten Fällen aber sogar schon reicht, einfach an die .apk heranzukommen. Subjektiv betrachtet finde ich die Situation der illegal installierten Apps deshalb unter Android (noch) schlimmer als unter Windows 10 Mobile.

      Ansonsten stimme ich dir zu. Microsoft hat bisher jedes mobile Betriebssystem fallengelassen – bei Windows 10 Mobile sind sie zwar noch so halbwegs dabei, aber alle Vorgängerversionen, selbst Windows Phone 8.1, stehen inzwischen auf dem Abstellgleis. Und das, obwohl die Mehrheit der Nutzer immer noch mit 8.1 unterwegs ist. Das wird dann interessant, wenn irgendwann eine Sicherheitslücke bekannt wird, welche unter 8.1 und davor einfach nicht geschlossen wird. Wenn ich mich recht entsinne, gab es so ein Szenario schon unter WP7, aber sicher bin ich mir da gerade nicht.

      Schlimm ist eben auch, dass Microsoft seit Monaten zu der Zukunft der mobilen Plattform schweigt und man deswegen als User gar nicht weiß, woran man nun eigentlich ist. Der Martin von Dr. Windows hat das neulich besser zum Ausdruck gebracht, als ich es könnte: http://www.drwindows.de/content/10889-windows-10-mobile-microsoft-gib-welt-zeichen.html

      Und was Visual Studio angeht – genau so sieht’s aus. Um VS komplett zu entfernen, gibt’s nur einen Weg: Windows neu installieren. Ansonsten wird man es nie vollständig los. (Hinzu kommt, dass bei mir nicht einmal die reguläre Deinstallation klappte)

      Auf diesen Kommentar antworten
      0

Weitere Kommentare sind auf diesem Blog nicht mehr möglich.