Assassination Classroom

Der Mond zu 70% zerstört und ist fortan nur noch als Sichelmond zu sehen, du bist unfassbar schlecht in der Schule und kommst in eine extra Klasse, welche als Abschreckungsbeispiel für die ganze Schule dient und über die sich jeder lustig macht. Dein Lehrer ist ein Tentakelmonster, das sich mit Mach 20 bewegen kann und deine Aufgabe ist es zu töten, da er innerhalb eines Jahres die Erde zerstören möchte. Das ist die grobe Zusammenfassung von Assassination Classroom. Klingt herrlich bescheurt und die ersten Folgen war ich mir noch nicht sicher, was ich da eigentlich gerade schaue, allerdings wollte ich wissen wie es weiter geht.

Heute Morgen habe ich dann die letzte Folge gesehen und auch wenn es albern klingt, nach dem letzten Bild habe ich kurz applaudiert. Assassination Classroom ist ein Anime der seinesgleichen sucht und sich mit seiner Story zumindest nicht anhören muss, dass man hier nur irgendwas von anderen Geschichten kopiert hat, um es umzuwandeln. Das ganze ist in zwei Staffeln aufgeteilt, welche sich untereinander auch nochmal etwas aufspalten und jeweils zu teilweise drastischen Veränderungen des Stils führen, sich aber dennoch durchweg treu bleibt.

Der Aufbau

Die Charaktere sind die Vollversager einer sehr beliebten Schule, welche in ein abseitsstehendes altes Schulgebäude verfrachtet werden, welcher auf der Spitze eines Berges hinter der Schule steht – die E-Klasse. Bis auf einer, sind alle Schüler aus der Klasse wirklich unfassbar schlecht in der Schule, der übrige ist einfach nur sehr aufmüpfig, aber sehr intelligent. Jeder hat seine Stärken, aber keiner weiß so richtig, was diese sind.

Koro-Sensei ist das oben erwähnte Tentakelmonster, welches von der Regierung vernichtet werden soll. Allerdings stellt dieser die Bedingung, dass er ein Jahr lang die E-Klasse unterrichten möchte. Gründe nennt er nicht, wird ihm das allerdings nicht erlaubt, zerstört er die Erde sofort und nicht erst zum Abschlusstag der Schüler. Die Schüler, welche im deutschen Schulsystem in der 9. bis 10. Klasse wären, haben zusätzlich die Aufgabe der Regierung, Koro-Sensei zu töten und dieser gibt das Einverständnis, dass diese das versuchen dürfen.

Klingt herrlich absurd und das ist es auch, da sich Koro-Sensei wie erwähnt mit Mach 20 bewegt, also der 20-fachen Schallgeschwindigkeit (also ein gutes Stück über 20.000 km/h). Die Waffen sind aus einem speziellen Material, welches ausschließlich Koro-Sensei verletzen kann und für Menschen eher wie Gummi wirkt. Durch die enorme Geschwindigkeit von Koro-Sensei ist es natürlich nicht mal eben möglich ihn zu erschießen, da auch seine Reflexe unfassbar schnell sind.

Die Charaktere

Mit der Zeit baut sich eine gewisse Freundschaft zwischen den Schülern und Koro-Sensei auf…

Neben den 26 Schülern, welche zu Beginn in der E-Klasse sind, gibt es auch noch einen offiziellen Klassenlehrer und Ansprechpartner, welcher allerdings vom Verteidigungsministerium gestellt wird, um die ganze Aktion zu überwachen – Tadaomi Karasuma. Dieser wirkt zu Beginn extrem kalt, aber wenn man so viel Zeit mit Kindern verbringt, baut man wohl zwangsläufig eine Verbindung zu diesen auf. Wie üblich sind einige Charaktere mehr ausgearbeitet als andere, die vermeintlichen Nebencharaktere werden in den 47 Folgen von Assassination Classroom allerdings beeindruckend genau dargestellt.

Als angesprochener Musterschüler, der allerdings sehr aufmüpfig ist, fällt direkt Karma Akabane auf, der sich immer mal wieder in den Mittelpunkt drängt. Unscheinbar aber durchaus immer wieder im Mittelpunkt der Kamera ist auch Nagisa Shiota, welcher durch seine enorm gute Beobachtungsgabe auffällt, welche später im Anime noch genauer erklärt wird. Die beiden sind alte Freunde und Rivalen, die immer wieder alleine oder zusammen im Mittelpunkt stehen.

Dann gibt es da eben noch den eigentlich Hauptcharakter: Koro-Sensei. Das gelbe Tentakelmonster, welches ein überraschend starkes Interesse daran hat, die Schüler zu unterrichten. Das nicht nur im Töten sondern auch eben in der Schule. Ihm liegt es sehr am Herzen die einzelnen Stärken der Schüler zu finden und zu fördern, dabei aber auch die Schwächen auszumerzen. Dabei stellt sich heraus, dass er ein unvergleichlich guter Lehrer ist, was später noch für Probleme sorgt.

Die Storyentwicklung

Schaut man die ersten paar Folgen und geht dann direkt zum Ende, wird man den Anime kaum wiedererkennen. Ist er zu Beginn einfach sehr witzig und total absurd, wird er zum Schluss so tiefgängig, dass Assassination Classroom für mich von einem einfachen guten Anime direkt in die Top 3 meiner Alltime-Favorites gesprungen ist. Die Storyentwicklung ist nicht zu schnell und nicht zu langsam, sondern in meinen Augen genau richtig. Nachdem jeder Charakter ausreichend und eingehend vorgestellt wurde, gibt es einen kleinen Twist, der das Ganze in eine ernstere und schnellere Richtung drückt.

Nachdem man jeden Charakter augenscheinlich gut kennengelernt hat, wird ab hier der Hintergrund vieler Charaktere teils extrem genau beleuchtet und man versteht bestimmte Beweggründe auf einmal, die vorher nur wenig Sinn ergaben. Auch wird geklärt, warum Koro-Sensei die Erde vernichten möchte und wie das mit dem Mond genau passiert ist. Im letzten Drittel wird der Anime überraschend emotional und wer sich nicht in der Lage sieht Empathie für fiktive Charaktere zu empfinden, wird an der Stelle vermutlich etwas genervt sein. Für mich hat es allerdings direkt einen Nerv getroffen und nachdem ich das weiterschauen auf Wochen und Monate verteilt habe, schaute ich zum Schluss direkt 3-4 Folgen pro Tag.

Das Ende

Keine Sorge, ich spoiler an der Stelle nicht, was am Ende passiert. Ich möchte aber anmerken, dass für mich eine Serie, ein Film, ein Spiel oder generell eine Geschichte für mich mit dem Ende steht und fällt. Ist das Ende schlecht, zerstört das für mich extrem viel. So war es für mich zum Beispiel bei La La Land oder How I met your Mother, wobei letzteres für mich gerettet wurde, weil ich online das alternative Ende schauen kann, was eben exakt so ist, wie es sein sollte.

Für mich hat Assassination Classroom auch genau das geschafft. In den letzten Folgen spalten sich mehrere mögliche Enden ab und der Anime schafft es hervorragend bei all diesen möglichen Abspaltungen ein gutes Ende parat zu haben. Genau das schafft Assassination Classroom dann auch und das Ende ist einfach so perfekt, wie ich es mir gewünscht hatte. Auch der Epilog, welcher in der letzten Folge kommt, schafft es dieses Gefühl aufrecht zu erhalten und nachdem ich für mich entschieden habe, dass das Ende zu 100% perfekt umgesetzt wurde, hat man nochmal eine Schippe drauf gelegt.

Dadurch, dass das Ende so gut war, habe ich gerade noch nicht mal diese obligatorische Leere nach einem guten Anime, sondern bin einfach nur zufrieden.

Das Drumherum

Was neben der Story auffällt ist auch alles was irgendwie sonst so mit dem Anime zusammen hängt. Die Bildregie und die generelle Qualität des Animes ist auf einem Level, welches man sich 2015, als der Anime von Assassination Classroom erschien, auch nur erwarten konnte (Leider aber selbst 2018 noch nicht Standard ist). Auch fällt der Einsatz von Musik auf. Nicht nur im Intro und Outro fängt die Musik die Stimmung der jeweiligen Staffel gut ein, sondern auch im Anime selbst wird die Musik immer genau da eingesetzt, wo ich sie erwarten würde.

Es ist nicht dieses typische klischeehafte »War ja klar, dass solche Musik an dieser Stelle läuft« sondern eher ein »Ich erwarte, dass jetzt Musik X einsetzt« und nur wenige Augenblicke später passiert genau das und macht die Szene damit einfach perfekt. Das hat mich nicht nur einmal dazu gebracht, feuchte Augen zu haben, ob nun aus Freude oder weil mich die Hintergrundstory eines Charakters mitgenommen hat. Für mich war der Einsatz der Musik auf jeden Fall vollkommen On Point.

Fazit

Ich habe noch nie einen Anime reviewt, also hab ich nicht wirklich eine Ahnung, was ich hier schreiben soll. Eigentlich wollte ich auch nur eine Kurze Anime-Empfehlung aussprechen und daraus wurden jetzt 1.200 Wörter. Wie dem auch sei für mich hat Assassination Classroom definitiv einen Nerv getroffen und landet sehr weit oben in meinen Top 10 irgendwo in den Top 3, wo ich noch nicht ganz weiß, ob ich es vor oder hinter Death Note platziere.

Assassination Classroom hat auf jeden Fall noch deutlich mehr zu bieten, als ich hier anreißen kann, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. In meinen Augen lohnt es sich auf jeden Fall für alle, die auf eine packende Story stehen und keine Lust auf Endlos-Animes haben, denn diese Serie ist komplett in sich abgeschlossen, ohne offene Fragen zu lassen, welche in einer Fortsetzung nochmal aufgegriffen werden könnten. Wer dort ein Abo hat, kann sich alle Folgen von Assassination Classroom auf Netflix anschauen.

Zum Schluss ein Trailer. Leider in Deutsch, da ich das Original auf japanisch nicht finde und wie ich feststellen muss, ist die deutsche Synchronisation es in dem Fall einfach nicht wert, es auch nur zu versuchen. Die Sprecher klingen so gelangweilt, dass es weh tut und die Stimmen sind leider komplett unpassend besetzt. Ich kann jedem Interessierten nur ans Herz legen, das Ganze auf japanisch mit deutschen Untertiteln zu schauen. Das gilt leider für die meisten Animes, da man hier in Deutschland nur sehr selten wirklich talentierte Sprecher nimmt. Es gibt Ausnahmen, aber wenn der Anime nicht kommerziell extrem gut auszuschlachten ist, wird meist wenig Wert auf eine authentische Synchronisation gelegt. *seufz*

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