Werden Spiele für die Xbox Series X von der Xbox One zurückgehalten?

Es gibt für die neue Konsolengeneration ja zwei komplett unterschiedliche Ansätze von Sony und Microsoft. Sony möchte den traditionellen Weg gehen und bringt eine vermeintlich optimierte Maschine raus, für welche die Sony-eigenen Studios exklusiv entwickeln. Für die Vorgängerversion sind nun also keine Spiele mehr in Entwicklung. Microsoft hingegen möchte den inklusiven Ansatz gehen und veröffentlicht die ersten 12 Monate für die Series X und die Xbox One. Das bedeutet es werden zwei unterschiedliche Architekturen unterstützt. Kann das ein Nachteil sein?

Screenshot aus dem Halo Infinite-Trailer

Halo Infinite wird sowohl auf der Xbox One, als auch auf der Xbox Series X laufen

Es gibt derzeit zwei Meinungen zu dem Thema. Die einen sind sich klar der Ansatz von Sony ist der einzig Richtige, denn Konsolengenerationen müssen ein harter Schnitt sein. Die Anderen feiern Microsofts Ansatz, weil man so nicht ausgeschlossen wird, nur weil man sich (gerade in der aktuellen Situation) vielleicht gerade keine neue Konsole leisten kann. Wer eine Xbox zuhause hat, kann das neue Halo Infinite Ende des Jahres auch spielen. Egal ob es eine Xbox One, Xbox One X oder Xbox Series X ist, das Spiel läuft auf der gesamte Xbox-Familie seit 2013.

Dieser Ansatz ist extrem verbraucherfreundlich, allerdings auch taktisch sehr klug. Man hat eine Basis von gut 50 Millionen Xbox One Konsolen in der Gegend da draußen und diese können dann alle die neuen Spiele spielen. Die Series X werden sich zu Release aber nur wenige kaufen. Hier kann Microsoft also natürlich deutlich mehr Umsatz machen. Allerdings wird mit infolge dessen auch definitiv deutlich weniger Konsolen der nächsten Generation verkaufen. Doch zu welchem Preis?

Sind Spiele der Xbox Series X technisch schlechter als die der PlayStation 5?

Wenn man Phil Spencer (Head of Xbox) fragt, dann definitiv nicht. In einem Interview auf gamesindustry.biz hält er dagegen und bezeichnet es als Meme. Wenn man mich fragt, kommt ein klares und unmissverständliches Jein zum Einsatz. Doch warum? Direkt vorweg, ich unterstütze den Ansatz von Microsoft voll und Ganz. Warum erkläre ich etwas weiter unten.

Was definitiv der Fall sein wird: Die Spiele aus dem Hause der Xbox Game Studios werden nicht die volle Leistung der Xbox Series X nutzen können, solange sie auch für die Xbox One entwickeln. Das Beispiel hatte ich hier mehrfach im Blog bereits aufgeführt, wenn man sich die Entwicklung der neuen Tomb Raider Trilogie ansieht. Hier merkt man deutlich den Unterschied in Shadow of the Tomb Raider, bei welchen eben nicht mehr die letzte Generation unterstützt wird. Und das wird auch bei den Spielen der Xbox Game Studios im ersten Jahr der Xbox Series X so sein.

Das heißt nicht, dass die Spiele nicht in grafisch beeindruckender visueller Qualität daherkommen werden. Das steht in meinen Augen außer Frage. Aber einige Techniken wie die SSD werden bei diesen Spielen eben nur ein netter Boost sein und kein neues Feature. Man hat im Games Showcase von Sony etwas gesehen, was sich als „Theme“ durch viele Spiele gezogen hat. Nicht Ray Tracing, nicht 4K, nicht 120fps. Es waren sich verändernde Welten oder sehr schnelle Wechsel zwischen zwei komplett unterschiedlichen Welten. Das ist etwas, das in der Größenordnung auf der aktuellen Konsolengeneration technisch nicht machbar ist. Dazu reichen weder der RAM noch die Festplatte aus.

Diese Gameplay-Elemente kann Microsoft nicht nutzen, wenn sie auch für die Xbox One entwickeln. Das geht erst dann, wenn dieser Support wegfällt, so wie es Sony macht. Das neue Ratchet & Clank ist technisch nicht auf der PS4 möglich. Nicht ohne elementare Gameplay-Mechaniken komplett zu verändern oder zu entfernen und somit hat Sony an dieser Stelle die Nase vorn. Auch Variable Rate Shading und Ray Tracing kann nicht exklusiv eingesetzt werden. Es kann nur als Bonus auf das bestehende Spiel aufgesetzt werden.

Und ja, das beeinflusst definitiv die Art wie die Spiele entwickelt werden und wie sie später aussehen und wie sie entwickelt werden. Da kann Phil Spencer noch so sehr sagen, dass das keinen Unterschied macht, das stimmt nicht. Technisch besser sind die Spiele der Xbox Series X in meinen Augen dann aber dennoch potentiell besser. Sie laufen auf so vielen unterschiedlichen Plattformen (der PC, mit seinen unendlichen Hardwaremöglichkeiten, kommt noch dazu) und sehen eben dennoch gut aus. Das ist technisch durchaus anzumerken. Sie können eben nur neue Techniken nicht uneingeschränkt oder exklusiv nutzen.

Aber…?

Was wenn Phil Spencer zumindest in der Hinsicht Recht hat, dass es bei den aktuellen Spielen keinen Unterschied macht? Diese sind seit Jahren geplant und in Entwicklung. Die volle Power der Series X können so oder so noch gar nicht ausnutzen, da die Hardware erst seit kurzem final ist. Klar man kannte die Zielspezifikationen, aber es ist immer noch was Anderes, wenn die fertige Hardware da ist. Wenn also alle Spiele von Anfang an so geplant waren, dass sie gar keine neuen Gameplay-Elemente benötigen, dann wird hier auch nichts zurückgehalten. Es war lediglich eine Entscheidung von Microsoft so zu entwickeln und zu planen.

In einem Jahr ist die Hardware verbreiteter, bekannter und optimierter. Es ergibt durchaus Sinn, wenn Ende nächsten Jahres die ersten eigenen Series X exklusiven Titel von Microsoft kommen, denn dann hat man bereits Zeit mit der Hardware verbracht und kann Spiele rausbringen, die nicht nur die neue Hardware nutzen, sondern dafür optimiert sind. Solange können die Xbox Game Studios Erfahrungen mit der neuen Hardware sammeln. Das bedeutet definitiv, dass Sony hier ein Jahr Vorsprung hat, aber es muss nicht immer so sein, dass der Erste auch der Beste ist. Das wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Drittstudios sind nicht betroffen

Was auch sehr oft außen vor gelassen wird: Studios, welche nicht zu den Xbox Game Studios gehören, haben diese „Einschränkung“ nicht. Spiele wie The Medium oder Scorn werden exklusiv für die Xbox Series X erscheinen und nutzen die neue Hardware in einer Form, in der die Xbox One es nie könnte. Dieser Weltenwechsel von The Medium ist in dieser Form nur durch den RAM und die SSD möglich.

Andere Entwickler können komplett frei entscheiden, ob sie noch für die Xbox One entwickeln werden und somit die Masse an Konsolennutzern mitnehmen oder ob sie die Vision für ihr Spiel nur mit der neuen Hardware umsetzen können. Dann wird es eben nur auf der Xbox Series X oder PlayStation 5 erscheinen. Eine Phase in der die Spiele für beide Generationen erscheinen, gab es schon immer. Neu ist nur, dass ein Konsolenhersteller entscheidet, selbst keine Titel exklusiv für diese neue Plattform zu entwickeln sondern die vorherige auch noch mit unterstützt.

Warum ich Microsoft Ansatz unterstütze

Ich hatte es schon gesagt, der Ansatz von Microsoft ist extrem verbraucherfreundlich. Wer eine Konsole kauft, möchte diese viele Jahre lang nutzen und gerade die Xbox One X kam erst vor drei Jahren raus. Wer vor drei Jahren 500€ gezahlt hat, möchte vielleicht nicht schon wieder 500€ ausgeben, sondern noch ein Jahr warten. Ich sehe nicht ganz, warum es Menschen gibt, die diesen Ansatz als nicht unterstützenswert sehen, wie es leider aus der Reihe der Sony Fanboys (also denen, die ihre Konsole über alles stellen), derzeit sehr oft kommt.

Ich werde mir die Series X zum Release kaufen. Einfach weil ich ein Technik-Enthusiast bin, der gerne immer das Neueste hat. Die PlayStation 5 werde ich mir sicherlich auch irgendwann zulegen, so wie ich es auch mit der PS4 gemacht habe. Da diese aber seit einem Jahr hier unangerührt rumsteht, sehe ich keinen Grund direkt zum Release beide Konsolen zu kaufen, auch wenn ich auf der PS5 vielleicht im ersten Jahr die moderneren Titel spielen kann. Diese Titel sind auch in 3-4 Jahren noch gut, also kann ich warten bis es für mich einen Grund gibt, es im Sony-Universum nochmal zu versuchen.

Dazu kommt eben die Sache mit der Erfahrung der Entwickler. Sonys Entwickler müssen jetzt etwas rausbringen, was die Hardware ausnutzt. Das sorgt eben dafür, dass etwas entwickelt wird, was die SSD nutzt. Etwas das Ray Tracing nutzt und vielleicht etwas, was Spatial Audio (Lässt sich mit Dolby Atmos vergleichen) unterstützt. Aber nichts, was irgendwas davon ausreizt. Das wird erst in 1-2 Jahren möglich sein, wenn sich das Mindset der Entwickler an die neuen Möglichkeiten angepasst hat.

Fazit

Kurz gesagt: Phil Spencer hat in meinen Augen Unrecht mit seiner Aussage, dass es keinen Unterschied macht. Recht hat er aber sicherlich für die aktuell entwickelten Spiele, die einfach eh nichts von der neuen Technik nutzen würden. Sony hat hier die Nase vorn und wird definitiv vor den Xbox Game Studios für neue Erfahrungen sorgen. Ob es die besseren sind, sehen wir dann in ein paar Jahren. Fakt ist: Sonys Ansatz sorgt für schnelleren Fortschritt, Microsofts Ansatz ist verbraucherfreundlicher und zumindest in der Hinsicht fortschrittlicher.

3 Kommentare

  1. Wieder ein interessanter und aufschlussreicher Beitrag. 👍

    Allerdings bin ich auch für Microsoft seinen Ansatz.

    Ich finde es großartig, dass sich die Spielwelten technisch, immer weiter entwickelt. Aber wenn das so weitergeht, mit den vielen verschiedenen Konsolen, braucht man bald ein eigenes Zimmer, um diese dort mit Spielen aufzustellen.

    Schließlich hängt man doch an seine „alten“ Spiele und wenn die dann nicht mehr kompatibel auf neue Konsolen sind, muss man sich auch wieder neue Spiele kaufen. Daher finde ich die Variante von Microsoft auch verbraucherfreundlicher.

    Aber letztendlich können die Spieler und Gamer, nichts daran ändern, die Technik schreiten immer weiter voran und die Entwickler, (er)finden immer wieder was Neues, um einem das Geld aus der Tasche zu ziehen. Nur so bleibt die Marktwirtschaft am Laufen.

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  2. Danke für die Einschätzung der Situation.
    Im Moment scheint sowieso einiges bei Microsoft im Umbruch zu sein. Bewertungen im Store sind auf Mobilgeräten seit Wochen nicht mehr vorhanden, der digitale Kauf von 12 monatigem Xbox Live soll (bald?) fehlen, jetzt gab es noch Gerüchte, dass Multiplayer generell kostenlos werden soll. Schau’n wir mal, was so passiert.
    Ich bin gespannt.
    Da ich wirklich nicht viel spiele, kann ich aus von dir oben genannten Gründen aber auch locker noch warten, bis die Entwickler die Kniffe der neuen Architekturen beherrschen.
    Stoppt Microsoft aus diesem Grund (nur eine Vermutung, denn ich bin vermutlich nicht der Einzige) auch die Produktion der One X (und produziert die ältere One S weiter, hä?), damit Endverbraucher eher auf den Series X Zug aufspringen?
    Klar, die beiden Xe kann man so gesehen nicht vergleichen, dennoch könnte ich mir vorstellen, dass Microsoft einen größeren Abstand zwischen den Konsolen anstrebt (One S -> Series X) und der Zwischenschritt (One X) ihnen jetzt eher ein Dorn im Auge ist.
    Aber ja, ich finde daher natürlich klasse, dass es Microsoft so leichter für jetzige Xbox One Besitzer macht und man die Spiele dann später kostenlos upgraden kann, wenn man die neue Konsole besitzt. Ob ich die gleichen Spiele dann aber nochmals in hübscher spielen möchte, mag ich aus heutiger Sicht für den Großteil meiner Spiele eher nicht so blumig sehen. Sicher gibt es 2, 3 Perlen, die ich immer wieder spielen könnte, aber solange sich dann spielerisch nicht viel ändert (kann ja auch manchmal gut sein) muss ich nur der Grafik wegen… naja, aber na mal sehen :)

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    • Ja man merkt, dass sich im Hintergrund gerade viel bewegt. Die neue Game Pass App ist ja auch so ein Baustein. Sie verfolgt die neue Designsprache, die Microsoft mit einer Beta-App für Windows 10 bereits gezeigt hat und die in einigen geleakten Videos auftauchte.

      Das 12-monatige Abo kann man bereits jetzt nicht mehr bei Microsoft erwerben. Ich denke aber, dass wir vor August dazu nichts näheres hören werden. Das Event morgen soll sich ja zu 100% auf Spiele „beschränken“.

      Meine Vermutung: Wie andere denke ich, dass Multiplayer kostenlos werden könnte. Warum? Microsoft verfolgt schon lange eine Multiplayer-Strategie. Sea of Thieves, State of Decay, Forza Horizon 4, Minecraft Dungeons, Crackdown 3, Bleeding Edge und bald auch Grounded. Das sind alles Spiele, die darauf ausgelegt sind mit anderen zusammen gespielt zu werden. Spiele wie Sea of Thieves und Bleeding Edge kann man ohne Xbox Gold Live noch nicht mal spielen, obwohl sie im Game Pass sind. Außer natürlich man spielt am PC. Hier kostet Multiplayer nichts. Und das ergibt wenig Sinn. Das weiß auch Microsoft.

      Das hat alles solange funktioniert, wie man Spiele kaufen musste. Da die mit Gold sowieso oft günstiger waren und man zudem monatlich gute Spiele gratis bekam, hat das wenige Leute gestört. Nun haben 10 Millionen Abonnenten den Game Pass. Dazu haben sie dann noch das Gold Abo (Oder Ultimate). Das ist für viele etwas zu viel, nicht zwingend finanziell, aber rein psychisch sind zwei Abos für eine Plattform nicht sonderlich angenehm.

      Ich sehe es also als wahrscheinlich an, dass das Abo zum Release der Series X verschwindet und damit auch die kostenlosen Spiele, die man monatlich dazu bekommt. Die waren die letzten Monate eh fragwürdig. Und das Geld würde ich als Kunde lieber in den Game Pass fließen sehen.

      Das stoppen der One X fand ich ehrlich gesagt skurril. Aus Sicht der Preisstaffelung ergibt es schon irgendwo Sinn, aber das war es auch schon. An Microsofts Stelle würde ich lieber mehr One X als One S da draußen sehen wollen. Dann hätte man sagen können, das erste Jahr wird noch die One S unterstützt, das zweite noch die One X und dann geht es komplett auf die neue Generation. Aber es vermeidet sicherlich auch etwas Verwirrung, wenn nur noch eine Xbox [NAME] X verfügbar ist ^^

      Je länger ich darüber nachdenke, desto eher stehe ich hinter der Entscheidung von Microsoft. Besonders da Phil Spencer in einem Interview kürzlich sagte, dass das ihre Strategie ist, sie aber keinen ihrer Entwickler dazu zwingen. Wenn ein Entwickler-Studio aus dem Hause Microsoft also etwas exklusiv nur für die neue Generation herausbringen möchte, dürfen sie das (nun). Dann können sie selbst entscheiden, ob sie sich zurückhalten müssen oder sich frei ausleben können.

      Und Spiele erneut spielen, weil sie auf neuen Generationen besser aussehen, ist durchaus etwas das ich mit der One X bereits gemacht habe. Xbox 360 Titel laufen nicht nur besser, einige werden auch deutlich besser dargestellt. Statt 720p kommt dann halt natives 4K zum Einsatz und das macht teils einen enormen Unterschied. Besonders auf 65 Zoll 😅

      Und für die Series X hat man hier ja auch schon einiges angekündigt, mit dem ältere Titel automatisch besser aussehen sollen, auch wenn die Entwickler nichts anpassen. Man darf gespannt sein.

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