Gaming Classics: Unreal

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Ende 1998 fütterte ich meinen damaligen Rechner — Pentium III 450Mhz mit 32MB, oder waren es schon 64MB?! RAM — mit dem besten Shooter seiner Zeit, dessen Multiplayer-Nachfolger meine Jugend entschieden prägen sollte. „Unreal“ hieß das gute Stück Software und es schlug mich von der ersten Minute an in seinen Bann. Ich musste den Titel trotz guter Hardware zwar ohne die damals noch recht neue 3D-Beschleunigung spielen (die Engine unterstützte in Ihrer Urfassung noch kein Direct3D, nur 3dfx und diverse andere Standards, die es mittlerweile nicht mehr gibt), dennoch gehört die Welt, die Epic Games damals auf meinen kleinen Röhrenmonitor zauberte, heute noch zu den atmosphärischsten Umgebungen, die ich je virtuell betreten durfte.

Der Burgherr hat geladen.

Der Burgherr hat geladen.

Wie so oft strandet man auf einem fremden Planeten. Diesmal in einem abgestürzten Gefangenentransporter. Überall herrscht Chaos. Überall Schreie, Leichen, und zerstörte Gänge. Als Gefangener 849 schlägt man sich durch das von Explosionen erschütterte Raumschiff. Was war das? Schreie hinter der Tür! Langsam gleitet das schwere Hindernis nach oben. Ein blutiges Massaker fand hier statt. Man erkennt gerade noch, wie eine seltsame, reptilienartige Kreatur grunzend im Nebel verschwindet. Irgendwas ist hier! Trotzdem schafft man es unbeschadet aus den Trümmern und betritt eine fremde, schöne Welt. Vögel kreisen am Himmel, kleine Tiere grasen, am Horizont schießt ein Wasserfall aus dem Fels, nur um sich selbstmörderisch in eine ewige Tiefe zu stürzen. Willkommen auf Na Pali.

Die brandneue Unreal-Engine bot eine nie dagewesene Detailfülle und Special-Effects. Lichter blendeten einen, Böden spiegelten perfekt die komplette Umgebung und prasselnde Feuer warfen warmes, flackerndes Licht auf die Wände. Wasser wirkte nass, Lava wirkte heiß und brodelnd. Die Engine schaffte es spielend, alte verfallene Tempel und Arenen, ganze Burgen, aber auch hochtechnisierte Raumschiffe glaubwürdig auf den Bildschirm zu bringen. Eingebettet wurde dies in wunderschöne Landschaften. Beeindruckend waren auch die Größenverhältnisse. Man konnte ganz weit in der Ferne einen kleinen Turm sehen. Bis man jedoch dort war, konnte man von ruhigen, verträumten Klängen begleitet minutenlang laufen und sich die Umgebung ansehen. Man kam an Bauernhöfen vorbei, konnte kleine Fliegen über Seen surren sehen, nur um am Ende von der monumentalen Größe des soeben noch fernen und klein wirkenden Turms erschlagen zu werden. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich einfach nur mit offenem Mund Screenshots von der Landschaft gemacht habe.

Unreal bestach damals nicht nur durch die revolutionäre Grafik, auch dramaturgisch hatte das Spiel einiges zu bieten. Beispielsweise konnte man ungestört einen Minenschacht passieren und an dessen Ende die Energiezufuhr abschneiden. Die Musik verstummte. Die Lampen schalteten sich nacheinander ab. *klack* *klack* *klack*… Dunkelheit. Etwas grunzte. Mit einem Donnerschlag setzt die Musik gleichzeitig mit dem Licht wieder ein und man sieht sich einem Skaarj gegenüber, reptilienähnliche, humanoide Kämpfer mit zentimeterlangen Klauen. Die Gegner-KI gehörte mit zum Besten auf dem Markt. Wer einmal seinen Raketenwerfer mit drei Raketen vorgeladen hatte, nur um dann ungläubig zu sehen, wie alle drei Sprengkörper am mit einem Hechtsprung ausweichenden Gegner vorbeigeflogen sind, weiß, was ich meine.

Das monumentale Leveldesign und die atmosphärischen Landschaften wissen heute noch zu begeistern. Unreal läuft problemlos auf einem aktuellen Windows 7 Rechner, sofern der aktuellste Patch (227f) installiert ist. Alternativ kauft man das Spiel bei gog.com. Wer einen der technisch besten und atmosphärischsten Shooter aus den späten 90ern spielen möchte, sollte sich Unreal nicht entgehen lassen.

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