Die Sache mit den Lootboxen

Lootboxen sind umstrittener Zusatzinhalt in Spielen, welchen man sich kaufen soll, kann oder darf, nachdem man das Hauptspiel bereits voll bezahlt hat. Oder auch nicht, denn sie kommen auch in kostenlosen Spielen vor. Egal ob in kostenlosen oder kostenpflichtigen Spielen, sie haben immer eines gemeinsam: Sie sind umstritten. Und das durchaus zurecht, denn es gibt einige Fragen, denen sich diese Boxen stellen müssen, wenn sie schon per Zufallsprinzip funktionieren.

Ein recht neues Thema sind Lootboxen in Singleplayer-Spielen. Ein sehr aktuellen Beispiel ist hier das Spiel Mittelerde: Schatten des Krieges welches Lootboxen bietet, welche am eigentlichen Sinn dieser vorbeigehen. Denn im Normalfall findet man in diesen nicht großartig andere Dinge als Kostüme, grafische Effekte oder auch Sprüche für die Charaktere. Overwatch ist hier ein sehr beliebtes Beispiel, welches selbst 60€ kostet, durch Lootboxen aber jeden Monat Unmengen an Umsatz macht, ohne dass jemand meckert.

Warum? Weil Blizzard es einfach richtig macht, genauso wie unzählige andere Entwickler, welche nach der ersten Skepsis bezüglicher solcher Mechaniken, nie einen Anlass zum Zweifel an diesem Konzept gegeben haben. Irgendwelche zwielichtigen Mobilegames lassen wir an der Stelle einfach mal außen vor, das ist ein ganz anderer Kosmos, den ich nur ungern mit herkömmlichen Games vermische. Nun kommen aber diesen Monat zwei Spiele auf den Markt, die das Ganze komplett aufrütteln und somit des gesamte Konzept der Lootboxen in Frage stellen.

Sind Lootboxen böse?

Wenn ich eines die letzten Tage und Wochen regelmäßig gelesen habe dann, dass Lootboxen im Allgemeinen unfassbar bösartig und gierig sind. Entwickler ziehen uns ja so schon alles Geld aus der Tasche und wer mit so einem Mist daher kommt, hat den Spieler schon lange aus dem Blick verloren und achtet nur noch auf Zahlen. Und wisst ihr was? Zumindest der letzte Punkt ist gar nicht mal so abwegig. Denn die Preise, die wir für einen so genannten Vollpreistitel zahlen, haben sich die letzten Jahre nicht großartig verändert. Was sich aber gewaltig verändert hat, sind die Kosten für Spiele.

Und irgendwie müssen die Entwickler das Geld wieder rein kriegen. Manche Firmen machen das eben besser (Blizzard) als andere (EA). Das Unschöne an der Stelle ist allerdings (wie fast immer), dass eben nur die schlechten Beispiele herausgepickt werden. Die unzähligen Spiele, die ihren finanziellen Erfolg komplett auf Lootboxen oder ähnlichen Konzepten aufbauen, werden einfach ignoriert. Denn Lootboxen sind böse und die Entwickler sind alle habgierig.

Dass es immer schwarze Schafe gibt, ist kein Geheimnis. Wenn irgendwas mehr Geld verspricht und funktioniert, wird es immer Menschen geben, die versuchen das so sehr auszureizen, bis es nicht mehr geht. Das hatten wir bei AddOns (Die Sims), das hatten wir bei DLCs (Dead or Alive) und das haben wir jetzt bei Lootboxen. Viele von euch werden das auch jeden Tag aufs Neue bei der Werbung auf Websites sehen. Die Leute kriegen den Hals nicht voll und wollen mehr. Wenn die Verkaufszahlen (oder Besucherzahlen) nicht drastisch sinken, dann wird es in Kauf genommen.

Also nein, Lootboxen sind nicht böse. Nicht auch nur im Ansatz.

Ich mag Lootboxen

Ich persönlich finde Lootboxen klasse. Also das Konzept an sich, nicht ausnahmslos jede Implementierung. Denn die bei Mittelerde: Schatten des Krieges, bei der man offenbar das richtige Ende nur erreicht, wenn man noch zusätzlich Geld ausgibt, (Disclaimer: Ich berufe mich hier auf verschiedene Aussagen auf Blogs, Twitter und Co. Ich selbst interessiere mich zu wenig für das Spiel, um diesen Umstand hieb und stichfest überprüfen zu wollen. Sollte das auf das Spiel nicht zutreffen, dann nehmt dies als Beispiel, was passieren könnte.) ist regelrecht absurd und gehört abgestraft. Elementare Spielinhalte hinter einer so genannten Paywall zu verstecken, ist einfach nicht in Ordnung. Insbesondere wenn es sich um ein Singleplayer-Game handelt. Dasselbe gilt für Star Wars Battlefront II, welches wohl wichtige Waffen in Lootboxen versteckt und somit Vorteile für Spieler schafft, die diese kaufen. Ein No-Go für Lootboxen.

Das Konzept, wie ich es bei Mittelerde: Schatten des Krieges bisher verstanden habe, dass Lootboxen nichts anderes sind als Cheats, um schneller voran zu kommen, finde ich allerdings nicht verwerflich. Schon der erste Teil hatte als elementaren Spielbestandteil ewiglanges Grinden und suchen. Das ist etwas, was viele an dem Spiel mögen, ich persönlich finde es auch nett. Wenn jemand das nicht mag und lieber schneller voran kommen möchte, obwohl das Spiel es nicht so vorsieht, warum nicht? Früher gab es dafür Cheats, heute muss man eben Geld dafür ausgeben, sich selbst zu betrügen. Nichts für mich, aber ich verstehe das durchaus. Wenn es allerdings das Spiel quasi unspielbar macht, geht das schlichtweg zu weit.

Wenn ich 60€ für ein Spiel ausgebe, dann ist es für mich ok, nochmal 1-2€ dafür auszugeben, irgendwelche sinnlosen Zusätze zu bekommen. Bei Overwatch bringen einem die verschiedenen Skins nicht einen einzigen Vorteil, aber sie machen Spaß. Leute sammeln diese gerne und man kriegt ab und an auch mal gratis Lootboxen. Also warum nicht? Warum ist das Konzept von Lootboxen auf einmal generell Mist, nur weil 1-2 Entwickler es zufällig zeitgleich übertreiben? Warum wird alles in Frage gestellt, was jahrelang funktioniert, ohne irgendwen zu stören, nur weil genau das passiert, was auch bei AddOns, DLCs und vielen anderen Bereichen unseres Lebens passiert ist?

Viele Menschen sind so. Sie sind habgierig. Das heißt aber nicht, dass jeder der etwas einsetzt, um sein Spiel oder seine Inhalte irgendwie zu refinanzieren, auch böse und habgierig sind. Diese ganze Diskussion, in der es offenbar nur noch schwarz und weiß gibt (Entweder du liebst Lootboxen oder du hasst sie, dazwischen gibt es nichts), ist regelrecht absurd. Ich mag Lootboxen, kann sie aber dennoch kritisieren. Andere Leute mögen sie nicht, finden sie aber eventuell in Overwatch gut umgesetzt. So what? So ist das Leben.

Ruhig bleiben, wie immer

Am Ende gilt dasselbe wie immer, wenn eine Einzelperson über die Stränge schlägt. Ruhig bleiben und sachlich kritisieren. Es bringt nichts, sich gegenseitig anzugehen, nur weil man nicht zu 100% einer Meinung ist. Es gibt immer irgendwo eine Mitte, in der man diskutieren kann. Ich erlebe das in letzter Zeit oft auf Twitter, dass Leute meinen Standpunkt zu Lootboxen kennen und dennoch jedes Mal getriggert werden, wenn ich das Thema anspreche und in der knappen Zeichenanzahl auf Twitter nicht jede Eventualität in einem einzelnen Tweet abdecken kann. Das ist auch der Grund für diesen Beitrag, hier habe ich Platz, hier habe ich Zeit, hier habe ich eine Kommentarfunktion, in der man in aller Ausführlichkeit darüber diskutieren kann, wenn man möchte.

Es bringt nichts sich lautstark aufzuregen, es bringt nichts sich gegenseitig anzugehen. Wir sind alle Gamer. Egal welche Plattform (*hust* außer mobile *hust*), egal welches Spiel, egal welche Ansichten wir über bestimmte Elemente in Spielen vertreten. Wir können miteinander reden, wir können den Publishern sagen, was wir von ihren Entscheidungen halten. Aber andere Leute dafür regelrecht anzufahren oder immer wieder drauf hinzuweisen, dass ihre Ansichten falsch sind, führt zu absolut gar nichts.

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