Xbox Series X erklärt: Was bringt HDMI 2.1?

Die Xbox Series X kommt mit HDMI 2.1 daher und was gibt es schöneres, als einen Standard dessen Nummer erhöht wird? Und das auch noch nach einem vollkommen zufälligen Muster. Wie dem auch sei HDMI 2.1 hat tatsächlich gerade für Gamer ein paar Funktionen, die durchaus praktisch sind und auf die man sich freuen kann.

Xbox Gaming

Einige dieser Features gibt es bereits bei HDMI 2.0 in etwas einfacherer Form oder für geringere Auflösungen. Andere Features sind komplett neu und bringen einem etwas mehr Bequemlichkeit oder tatsächlich bessere Bild- und sogar Audioqualität. Abkürzungen wie ALLM und VRR sind gerade im Zusammenhang mit der Xbox Series X im Umlauf und ich möchte kurz aufgreifen, was das Ganze bedeutet.

ALLM – Auto Low Latency Mode

Hier handelt es sich um ein reines Komfort-Feature, welches schnell erklärt ist. Aktuelle Fernseher zeigen nicht einfach nur das Bild an, sondern rechnen es schön. Hier ein verbesserter Verlauf, da schärfere Schrift etc. Und das alles kostet Zeit, was in der Regel kein Problem ist, da der Fernseher hier einfach etwas rechnet und Bild & Ton etwas später rausgibt, als es ohne diese Verbesserungen nötig wäre. Das merken wir nicht, da alles synchron läuft und einfach nur besser aussieht.

Bei Spielen ist das aber unter Umständen unpraktisch. Es handelt sich zwar hier nur um ein paar Millisekunden, aber die können durchaus relevant sein, wenn man einen Sprung schaffen muss oder ein sich bewegendes Ziel treffen möchte. Dafür haben aktuelle Fernseher einen so genannten Gaming-Modus, der die Berechnungen deaktiviert und dadurch deutlich schneller reagiert. Nachteil? Man muss das manuell einstellen. Jedes. Verdammte. Mal. Und danach muss man es natürlich zurückstellen.

Der Auto Low Latency Mode übernimmt das. Ein HDMI 2.1-Gerät kann ein Signal an den Fernseher senden, dass es jetzt um zeitkritische Inhalte geht und dieser schaltet dann automatisch auf den Gaming-Modus und man kann direkt loslegen. Die Xbox Series X sendet dieses Signal z.B. wenn man in ein Spiel wechselt. Schaut man dann aber etwas auf Netflix, gibt es das Signal, dass es zurück auf den anderen Modus wechseln kann, der das Bild verbessert. Praktisch!

VRR – Variable Refresh Rate

Hier versuche ich mal nicht zu technisch zu werden, aber ein bisschen muss ich ausholen. Bilder auf einem Monitor oder Fernseher haben keine unbegrenzte Bildanzahl. Es wird einfach sehr oft ein neues Bild gezeigt und wir interpretieren das als Bewegung. Im Film klappt das bei 24 Bildern in der Sekunde. Bei Videospielen hat man hier allerdings die Untergrenze von 30 Bildern (oder auch Frames) pro Sekunde. Sonst haben wir wieder das Problem mit der Reaktionszeit.

Das bedeutet, dass es alle 33,33 Millisekunden ein neues Bild gibt. Für viele Fälle reicht das aus für eine flüssige Darstellung, gerade bei Kamerafahrten sieht man hier allerdings ein ruckeln. Deswegen wird immer wieder von „60fps Gaming“ geredet. Also einer Bildwiederholungsrate von 60 Bildern die Sekunde. Nun gibt es hier aber ein Problem, denn manchmal reicht die Leistung nicht aus, um die 60 Bilder konstant rechtzeitig zu berechnen, denn hier hat die Grafikkarte nur noch 16,67 Millisekunden Zeit.

Hier gibt es nun sehr viel technischen Kram, den ich gerne überspringen würde, um es einfach zu halten. Deswegen werden folgende Formulierungen auch technisch sehr vereinfacht sein, wenn auch vielleicht nicht wissenschaftlich akkurat. Aber es geht hier ja ums Verständnis. Abhandlungen über das Thema kann man überall finden :D

Sagen wir einfach das Display stell sich auf die 60 Bilder in der Sekunde ein und aktualisiert auch so oft. Dann kann es zu einer Diskrepanz in der Zeit kommen zwischen dem von der Konsole berechneten Bild und dem vom Display dargestellten Bild. Die Konsole ist noch nicht fertig, der Fernseher gibt es aber dennoch aus. So kann es vorkommen, dass der obere Bereich des Bildes neue Informationen Darstellt, der untere aber noch das letzte Bild bzw. den letzten Frame. Das nennt man Tearing – zu deutsch „zerreißend“, weil das Bild quasi zerrissen dargestellt wird. Die Alternative ist übrigens einen Frame/ein Bild einfach doppelt anzuzeigen, was dann ruckelnd wahrgenommen wird.

Was VRR nun ermöglich ist folgendes: Die Konsole kann dem Display mitteilen, dass sie gerade nur die Möglichkeit hat zum Beispiel 50 Bilder in der Sekunde rauszuschicken, statt 60. Ein Display, welches VRR unterstützt reagiert darauf und aktualisiert dann eben in dieser Bildwiederholungsrate. Keine doppelten Frames mehr, kein ruckeln mehr. Klasse!

4K@120fps – Mehr Bilder pro Sekunde bei höheren Aufösungen

Da 60 Bilder die Sekunde für einige Anwendungsfälle oder Nutzer aber nicht ausreichen, gibt es natürlich noch mehr. Microsoft wirbt damit, dass die Xbox Series X in der Theorie 120fps bei einer Auflösung von 4K (3840 × 2160 Pixel) leisten kann. Und das ist eben nur mit HDMI 2.1 möglich. HDMI 2.0 ist hier auf 60fps beschränkt und kann die 120fps nur bis zur maximalen Auflösung von 2560 × 1440 übertragen. Das kann die Xbox One X übrigens heute bereits, es unterstützt halt nur kaum ein Spiel.

Als kleinen Zusatz zu den Variable Refresh Rates ist hier übrigens anzumerken, dass HDMI 2.0 bereits indirekt mit VRR umgehen konnte, aber hier auf den Bereich von 40 bis 60fps beschränkt war. HDMI 2.1 kann das Ganze mit 40 bis 120fps. In der Theorie kann HDMI 2.1 übrigens auch 8K (7680 × 4320 Pixel), hier ist man aber wieder auf 60fps beschränkt. Und wenn wir mal realistisch sind, unter 100 Zoll bringt der Kram halt auch wieder nichts.

Dynamic HDR – Bessere Farben zum richtigen Zeitpunkt

HDR kennt man ja bereits von aktuellen Fernsehern. Es gibt mehr Farben, alles ist deutlich kontrastreicher und generell ist HDR die Bildverbesserung, welche generell als wertvoller als 4K angesehen wird. Auch wenn man sich hier streiten kann. HDR heißt übrigens High Dynamic Range, was zu Deutsch Hoher Dynamikbereich bedeutet. Und ja, das bedeutet, das Dynamic HDR im Endeffekt „Dynamic High Dynamic Range“ bedeutet. Ach du wundervolle Technik. 😁

Zusammen mit 4K kann HDR auf jeden Fall seine Stärken ausspielen. Ein Problem gibt es allerdings. Die Informationen, wie der Dynamikbereich dargestellt wird, gibt es bei HDR genau einmal. Das bedeutet zwar bereits eine deutliche Bildverbesserung, aber dunkle Szenen sind nicht so dunkel wie sie sein könnten und helle Szenen nicht so hell, weil es eben einen Kompromiss geben muss, damit beides super aussieht.

Dynamic HDR greift das Thema auf und gibt dem Videomaterial die Möglichkeit bei jedem Frame mitzuschicken, wie der Dynamikbereich denn am besten wäre. Das Videomaterial muss das Ganze natürlich unterstützen.Und hier sind Spiele natürlich prädestiniert für, denn hier kann sich in Sekundenbruchteilen die gesamte Beleuchtung komplett unkontrolliert ändern.

Ansonsten gibt es mit eARC noch besseren Sound, mit meinen schlechten Ohren hab ich davon aber weniger und die Sound-Hardware muss man auch erstmal haben. Aber es ist gut zu wissen, dass es da ist. Ob die Xbox Series X Soundausgabe unterstützt, die von eARC profitieren würde, weiß man zudem noch nicht.

HDMI 2.1 ist übrigens recht neu und in den meisten Fernseher noch nicht vorhanden. Mit der LG OLED C9-Reihe hat man her aber vier HDMI-Ports, welche die Funktionen vollständig unterstützen. Kostet auch ein bisschen was, aber man hat eine Weile seine Ruhe. Im April kommt von LG übrigens die CX-Reihe (Das X steht wie üblich für 10), welche in diesem Bereich allerdings keine Nennenswerten Vorteile bringt.

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