Kein Twitch für die Wii U – Nintendo stellt auf stur

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Was wären wir ohne das Internet? Ja, vermutlich um ein Vielfaches produktiver bei Arbeiten, die dieses nicht erfordern und hätten wohl auch wesentlich mehr Zeit für sinnvolle Dinge, doch es bereichert unser Leben durchaus. Abgesehen davon, würde ich diese Zeilen hier wahrscheinlich mit einer Handpresse auf einer selbst gedruckten Zeitung bringen müssen, statt sie euch hier weltweit kostenlos verfügbar zu machen. Letztendlich gestalten wir uns das Internet, wie wir es wollen. Nintendo versteht das leider nur nicht. Twitch für die Wii U

Worauf ich hinaus will und wer dieser gruselige Typ dort neben dem Twitch-Logo ist? Das ist Reginald Fils-Aime. Er ist US-amerikanischer Präsident und Chief Operating Officer von Nintendo of America. Klingt wichtig? Ist es an sich auch. Auf jeden Fall scheint er irgendwo hinter dem Mond zu wohnen, oder zumindest nicht viel Freude daran zu haben, wenn andere das machen, was sie gerne tun würden. Denn er versucht sich auf ziemlich skurrile Weise zu rechtfertigen, warum es kein Twitch für die Wii U geben wird.

Damals, als ich noch jung war, schaute ich meinem großen Bruder dabei zu, wie er Tomb Raider spielte. Ich selbst war einfach nicht gut genug in dem Spiel, wollte aber die Story mitbekommen. Ebenso fand ich es einfach spannend mitzufiebern und jemandem dabei zuzusehen, wie er die Probleme angehen könnte, die ich vielleicht ganz anders gelöst hätte.

Und heute? Da schaue ich Fremden zu. Gronkh, Sarazar, SgtRumpel und wie sie nicht alle heißen. Auf ihren YouTube-Kanälen schaue ich mir das komplette Gameplay an. ICH habe Spaß daran. Und angesichts der Tatsache, dass Gronkh mittlerweile der YouTuber mit den meisten Abonnenten in Deutschland ist denke ich, dass es ein paar weiteren Millionen alleine hier auch so geht.

Twitch für die Wii U will niemand

What we’ve got to think through is, so what’s fun about that? From a consumer standpoint, what’s fun about it? — Reginald Fils-Aime

Ebenso spannend finde ich es, Menschen live dabei zuzusehen, wie sie irgendwas spielen. Hier bietet sich Twitch an. Ich hab vor geraumer Zeit schon mal über Twitch geschrieben, als Google es kaufen wollte. Twitch ist ein Streaming-Netzwerk bei dem Spieler das was sie gerade spielen, live ins Internet stellen. Ich kann also jemandem, der in den USA gerade Portal zwei spielt, dabei zusehen wie er an einem Rätsel versagt, welches mir auch damals Kopfzerbrechen bereitete.

Wie dem auch sei, zurück zum Thema. Denn Reginald Fils-Aime ist der Meinung, dass dem nicht so ist. Er ist der Meinung, dass Twitch-Streaming so überflüssig ist, dass man es einfach weglassen könnte. Niemand hätte Spaß daran zu streamen und erst recht hätte niemand Spaß daran, sich das Ganze auch noch anzusehen. Niemand hätte Spaß an Twitch für die Wii U. Und das ist schlichtweg Humbug. Klar es gibt viele Leute, die sich nicht vorstellen können, dass es Spaß macht, jemandem dabei zuzusehen, wie er spielt. Aber es gibt auch Leute, die keinen Spaß daran haben, wie andere Fußball spielen und lieber selbst spielen würden. Dennoch drehen zur WM gerade fast alle durch.

Ein Teil des Gameplays reicht aus

Reginald Fils-Aime ist der Meinung, dass es nur Sinn ergibt, Teile des Gameplays zu teilen. Die besten Szenen. Doch gerade das finde ich witzlos. Ich will keinen Superhelden, der alles auf Anhieb schafft. Ich will keine Highlights. Das ist so, als würde man sagen, man schneide 90 Minuten eines Fußballspiels auf 3 Fouls und die Tore zusammen und schaut sich das in 5 Minuten an.

Es gibt sicherlich einige, die das machen würden, aber 90 Minuten lang mitfiebern, jeden Zug sehen, jeden Foul, jeden Pass, jede verpasste Torchance, das ist das was die Menschen dazu bewegt, sich das anzusehen. Nicht das Ergebnis, nicht die besten Szenen. Ich bin jetzt kein Fußball-Fan, aber ein Fan von Spielen. Ich schaue gerne dabei zu, wenn andere spielen. Wenn andere etwas erschaffen, etwas lösen, etwas bekämpfen oder eben auch einfach versagen. Nicht aus Schadenfreude, eher um mitzufiebern, dass sie es beim nächsten Mal schaffen. Ich schlage die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie etwas offensichtliches nicht sehen oder zum zehnten Mal versagen. Aber es macht Spaß. Gerade das. Das gesamte Gameplay zu sehen.

You can make some choices as to what parts are going to be shared. We think that makes it interesting, that’s different than watching Joe Blow’s 30 minute stream, which may or may not have something that’s all that interesting. — Reginald Fils-Aime

Als Beispiel nimmt Fils-Aime Mario Kart 8. Meiner Meinung nach das schlechteste Beispiel, was er hier wählen konnte. Denn ich fände es um ein Vielfaches spannender einem kompletten Rennen zuzusehen, als ein paar Highlights aus diesem. Formel 1 schaut man ja auch im ganzen und nicht nur die Highlights. Die kann man sich danach immer noch ansehen, wenn man will.

Wenn es nach Nintendo geht, bleibt es dabei, dass man nur Ausschnitte teilen darf. An sich ist es durchaus schön, dass man überhaupt eine Möglichkeit hat, einen Teil des Gameplays zu teilen, aber warum diese Beschränkung? Es würde doch nicht stören, wenn es da wäre. Wer Twitch für die Wii U nicht nutzen will, macht es eben nicht. So geht es mir auch bei Minecraft, dort ist Twitch auch integriert und da ich es derzeit nicht benötige, ignoriere ich es. Die Xbox One und die PS4 haben ebenso Twitch integriert, doch die Wii U bleibt ohne.

Mögliche echte Gründe?

Meiner Meinung nach, sind die wirklichen Gründe, warum es kein Twitch-Streaming auf der Wii U geben soll, woanders versteckt. Eine Möglichkeit wäre schon mal, dass die Wii U es technisch einfach nicht schafft. Die Xbox 360 und die PS3 können meines Wissens nach auch kein Twitch und die Wii U ist nicht unbedingt für ihre Leistungsreserven bekannt. Vielleicht würde die eh schon schwache Hardware einfach aufgeben, wenn man nebenbei noch einen Stream aufnehmen müsste, wer weiß?

Die andere Vermutung meinerseits bezieht sich schlichtweg auf Angst. Wenn man sich ansieht, dass Nintendo bereits gegen Let’s Player vorgegangen ist, welche Nintendo-Spiele spielten und damit unter Umständen durch Werbung Geld verdienten, kann man davon ausgehen, dass Nintendo schlichtweg Angst vor Gewinneinbußen hat. Die Meinung, dass man sich ein Spiel nicht kaufen würde, weil man es ja auch einfach anschauen könnte, ist oft vertreten.

Sicherlich ist das auch manchmal der Fall, oftmals schaut man aber auch einfach ein Let’s Play, weil man vergleichen will. Oder einfach, weil man sich das Spiel nicht leisten kann, weil die Hardware nicht ausreicht oder nicht vorhanden ist. Weil man sich vorher über das Spiel informieren will. Oder eben einfach zur bloßen Unterhaltung. Es gibt viele Gründe. Ich habe mir auf jeden Fall schon wesentlich häufiger Spiele durch Let’s Plays gekauft, als dass ich mich dadurch dagegen entschied. Entweder ich wollte die Spiele eh nicht selbst spielen (Meist bei Shootern & Adventures der Fall) oder es waren Exklusivtitel für die PS3 (The Last of Us & Behind Two Souls).

Nach beiden Exklusivtiteln war übrigens der Wunsch die Spiele zu kaufen, extrem groß. Hätte ich eine PS3 gehabt (oder überhaupt den Wunsch, eine zu besitzen) oder wären die Games auf dem PC oder der Xbox 360 vorhanden gewesen, hätte ich sie mir durch das Let’s Play gekauft. Nintendo hat meiner Meinung nach einfach die Kunden nicht verstanden. Wir wollen die Wahl haben. Wir wollen die Möglichkeiten haben. Wir wollen Freiheiten haben. Man vertröstet uns mit unvollständigen Werkzeugen, die einfach nicht das sind, was die Gamer wollen. Man gibt uns etwas, was uns ruhig stellen soll und hofft drauf, dass wir die Klappe halten. Und das finde ich schade.

Ich mag Nintendo. Sehr sogar. Und ich liebe die Wii U. Von den 3 aktuellen Konsolen (PS4, Xbox One & Wii U) wäre sie definitiv die, die ich jetzt kaufen würde, wenn ich sie nicht schon hätte. Und ich finde sie gerade für den lokalen Multiplayer definitiv am besten geeignet. Aber das was Nintendo sich immer wieder auf Kosten der Kunden erlaubt, nervt einfach gewaltig. Irgendjemand da oben sollte einfach mal anfangen, den Markt zu analysieren. Die Nutzer kennen zu lernen. Uns zu verstehen.

via verge Bild Wikipedia

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