Google will E-Mail-Adressen revolutionieren

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Google setzt sich ja regelmäßig in den Kopf das Internet ein wenig besser zu machen. Gut so, schließlich wären wir sonst heute nicht da, wo wir sind. Google hat vieles richtig gemacht, aber auch vieles falsch. Und dazu gehört in meinen Augen auch die neueste Idee aus dem Hause Google. Denn sie wollen mal eben ein absolutes Chaos in die Welt der E-Mails bringen, indem sie die Zeichenbeschränkung aufheben.

Gmail Logo mit asiatischen Zeichen

Um etwas klarer zu werden, Google unterstützt jetzt bei Gmail auch nicht lateinische Zeichen. Kurz vorweg, das komplette Internet basiert an sich auf lateinischen Buchstaben. Dazu gehören lediglich A bis Z. Dazu kommen Zahlen, Unterstriche, Bindestriche und Punkte. Neben dem @-Zeichen versteht sich. Dazu kamen vor einigen Jahren die Umlautdomains, die wir heutzutage nach wie vor selten antreffen. Klar, denn auch knapp ein Jahrzehnt später, werden sie immer noch nicht überall unterstützt. Zu allem Überfluss veränderte sich 2008 die Norm zur Umwandlung, was zu vielen Inkompatibilitäten führte, die bis heute andauern.

Das gleiche will Google jetzt auch in E-Mail-Adressen, nur sehr viel weitreichender. Wie man an der E-Mail-Adresse oben im Bild sieht, nutzt Google hier asiatische Schriftzeichen. Wer sich ein bisschen auskennt, dem wird auffallen, dass hier zu allem Überfluss zwei Alphabete vermischt werden. Das Zeichen 武 vor dem @ ist ein Kanji für den Namen Takeshi. Danach folgt dann Katakana (メール.グーグル) welches in dem Fall dann nicht wie erwartet gmail.com heißt sondern E-Mail.Google bzw. Mail.google. Hier baut Google offenbar bereits auf seine neue Domain-Endung.

internationalized_email_address[2]

Warum das problematisch ist, möchte ich an der Stelle erklären. Wie oben erwähnt funktionieren selbst nach knapp einem Jahrzehnt noch nicht einmal Umlaut-Domains so, wie man sich das damals vorgestellt hat. Die meisten Mail-Clients können damit zudem rein gar nichts anfangen. Doch diese sind nicht unbedingt das größte Problem, sondern das Internet selbst könnte hier der Feind sein. Letztendlich muss jede Website, welche E-Mail-Adressen in Formularen validiert, angepasst werden.

Die meisten Skripte überprüfen in erster Linie ob eine E-Mail-Adresse alphanummerisch ist, was bisher vollkommen ausgereicht hat. Ungültige Zeichen wurden einfach ausgesondert. Nun müsste man umgekehrt handeln und alle ungültigen Zeichen filtern, welche das sind, ist zum jetzigen Zeitpunkt erstmal unklar. Es wird sicherlich nicht lange dauern, bis einige passende Klassen vorhanden sind, die E-Mail-Adressen richtig validieren können, aber wenn ich bedenke, dass es bis heute noch Formulare gibt, die .info-Mailadressen zurückweisen, kann man sich vorstellen, wie gut das läuft.

Ich verstehe den Gedanken von Google dahinter, das Internet globaler machen zu wollen, aber ist das tatsächlich der richtige Weg? Wie tippe ich eine japanische E-Mail-Adresse ein? Was mache ich, wenn ich jemandem schreiben will, aber kein Mail-Programm japanisch unterstützt? Oder etwas realistischer, wenn wir mal in Richtung Umlaute schauen. Wie soll zum Beispiel ein Engländer an kätzchen@gmail.com schreiben? Soll er den Buchstaben googlen und per Copy/Paste einfügen?

Wie dem auch sei, ich bin gespannt, wie sich das entwickelt. Google bittet auf jeden Fall alle, auf diesen Zug aufzuspringen, um das Internet globaler (und in meinen Augen unzugänglicher) zu machen. Vielleicht übersehe ich aber auch was und das wird das nächste große Ding.

via mobiFlip

Ein Kommentar

  1. Nun ja, ich finde, diese Unzugänglichkeit für uns ist ein akzeptabler Preis für einen Zugewinn an Usability für andere Nutzer, in erster Linie im arabischen Raum und in Asien. Wieso soll denn unser Alphabet das „richtige“ sein? Nur, weil das Internet in der Schweiz und den USA maßgeblich entwickelt wurde? Wären Japaner die Erfinder, wir wären dankbar für die jetzige Einführung lateinischer Buchstaben durch NTT Docomo oder Naver. ;-)

    Für Nutzer im asiatischen Raum gibt es längst etablierte Methoden, um Kanji und Ähnliches zu schreiben. Es wird Zeit, dass sich die Hersteller von Software- und Eingabegeräteherstellern Gedanken machen, wie man eine schnelle Methode für die Eingabe auch anderer international unüblicher Zeichen etablieren kann. Google sich in diesem Fall zum Glück bereit erklärt, das Henne-Ei-Problem zu lösen. Jetzt muss der Rest nur noch nachziehen.

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