Dauerwerbesendung

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Werbung im Internet. Werbeblocker.

Da nun eine große deutsche „Zeitung“ den Zugriff auf ihre Webseite nur noch ohne Werbeblocker (oder nach Bezahlung von Betrag x) zulässt, kocht die Thematik in den Techforen wieder einmal hoch. Die Schreiberlinge lassen sich in drei Gruppen einteilen:

  • Werbung ist doof!
  • Von mir aus, wenn sie nicht nerven, tracken, whatever würde.
  • Werbung muss sein! (Meistens von Leuten, die selbst eine werbefinanzierte Webpräsenz betreiben
wild_de

(Man muss ja nicht unnötig Werbung für diesen Laden machen…)

 

Ich sehe mich selbst irgendwo zwischen „Werbung ist doof!“ und „Von mir aus, wenn…“ pendeln. Eher mit Tendenz zu ersterem. Aber fangen wir doch einmal von vorne an. Ich bin seit ’98/’99 im WWW unterwegs. Ich war somit definitiv keiner der ersten, aber war vor der großen Welle ab ca. 2000 dabei. (Wer damals auch schon im Netz unterwegs war, darf die folgenden Absätze gerne überspringen, der kennt das nämlich!) Damals gab es keine Werbeblocker. Damals gab es auch die Werbung nicht in diesem Ausmaß. Eine Webseite hatte meist irgendwo im Header ein Banner. Ungefähr so:

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Meistens jedoch ungefähr 3x so breit. Ein animiertes gif. Hat keinen gestört. Irgendwann waren es zwei Banner. Dann drei. Sie wurden größer. Ging irgendwie auch noch. Dann jedoch kam der Punkt, an dem die Werbeindustrie damals schon eine Grenze überschritten hat: Popups. Man öffnete eine Webseite und gleichzeitig poppte ein weiteres, kleines Fenster auf, das reine Werbung enthielt. Und noch eins. Versucht man, es zu schließen, poppte noch eins auf! Ich rede hier von Zeiten, in denen die wenigsten Browser schon Tabs hatten. Jeder Tab war ein Fenster in der Taskleiste, somit öffneten diese Popups immer wieder neue Fenster. Dies führte dazu, dass es mit Browser-Updates die neue Option „Popups erlauben“ an/aus gab, die man heute noch findet. Quasi das erste zur Wehr setzen. „Oh, wenn unsere Fenster sich nicht mehr öffnen, müssen wir andere Wege suchen, den User dazu zu zwingen!“ Und sie haben Wege gefunden. Die Popups öffneten sich nicht mehr in einem Fenster, sondern direkt über dem Content. Mit Firefox kam der erste Browser, der sich neben dem IE in der breiten Masse durchsetzte und Addons ermöglichte. Und somit auch Werbeblocker.

Ich nenne das Notwehr. Denn, was haben wir heute? Webseiten, deren kompletter Hintergrund in mit grellem Magenta oder Rot entgegenschreien, man solle doch wechseln oder dass man doch nicht blöd sei! Und wehe, man will mit einem Klick auf diesen „nicht Content“ den Fokus vom Fenster wieder herstellen. Dann klickt man auf diese riesige Werbung. Aber halt, die bekommen man sowieso erst zu sehen, wenn man die Werbung weggeklickt hat, die sich beim Laden der Seite über den Content legt. Zuvor öffnet sich jedoch noch ein anderer Tab, da der 1. Klick auf das vermeitliche X die Werbung nicht schließt, sondern die nächste Werbung auslöst. Endlich. Man ist auf der Seite. Muss jedoch erst runterscrollen, da die Hälfte des Headers mit Werbebannern vollgestopft sind. Ah, ein Video, mal reinschauen. Erst 30 Sekunden Werbung gucken. Für ein 20 Sekunden Video. Die Werbung startet übrigens noch einmal, falls man das Video von SD auf HD stellt. Aber nur, wenn man den epileptischen Anfall überlebt hat, der durch das wilde Blinken der eben erwähnten Banner zustande kam. Der Tab, der sich im Hintergrund geöffnet hat brüllt übrigens direkt mit einem anderen Werbevideo los.  Schnell schließen. Nachdem man keinen Bock mehr auf das Video hat, liest man eben den Artikel dazu. Blöd, dass diverse Worte als grüner Link erscheinen, bei dessen Mouseover sich ein kleines Popup öffnet. Fährt die Maus beispielsweise über den Begriff „Monitor“, öffnet sich ein Popup mit Infos über Monitore und wo man diese kaufen kann. *seufz*

Ja, in diesem Beispiel habe ich alles zusammengefasst, was einem ohne Werbeblocker so passieren kann. Das ist natürlich das Extrembeispiel, aber viele Webseiten benutzen mehr als eine der oben genannten Methoden. Und das ist schon zu viel. Weitere Nachteile sind das wesentlich längere Laden der Webseiten und der Datenverbrauch. Meistens wird die Werbung vor dem eigentlichen Content geladen. Blöd ist, dass die Werbung ja oft länger braucht. Hierdurch entstehen unnötige Werbezeiten. Gerade Flashwerbung, die unverständlicherweise noch immer eingesetzt wird, ist nicht wirklich ressourcenschonend und kann einen schwachen Rechner zusätzlich noch ausbremsen.

Und dann haben wir ja noch das Tracking. Überall. Etwas auf Google suchen und danach Amazon besuchen. Wie oft wurde mir genau das angepriesen, was ich zuvor gesucht hatte? Die Werbenetzwerke wissen, wer, wann, wo war und welche Interessen er hat. Ja, Netzwerke. Die Werbung kommt nicht vom Seitenbetreiber und liegt auch nicht dort. Die Werbung kommt über Dritte. Toll ist dann auch, wenn eben diese Server mit hübscher Malware infiziert werden, die dann über ggf hunderte oder tausende von Seiten diese Malware durch Werbung an jeden Besucher ausliefert. Wie man sieht, ist Werbung auch sehr gefährlich. Darüber hinaus bezweifle ich, dass Werbung für Damenstöckelschuhe oder Windeln auf einer IT-Seite die Zielgruppe anspricht.

Laut meinem Empfinden waren Werbeblocker also nur eine Notwehrmaßnahme, weil die Werbetreibenden es übertrieben haben. Und der Schutz vor Tracking und diversen Schädlingen ist da noch inklusive. Aber was macht die Werbeindustrie gegen sowas? Noch mehr Werbung! Es wäre also ganz einfach. Die Werbung wieder auf einen Stand von 2000 zurückfahren. Ein bis zwei Banner. Nicht im Content, nicht mich anbrüllend, im Idealfall selbst gehostet. Wie, das rechnet sich nicht? Sorry, dann überdenkt euer Geschäftskonzept. Wenn ich irgendwas unternehme und kann es nicht finanzieren, gehe ich auch unter. Das interessiert keine Sau. Aber weil ja eine Firma dahintersteht, die denkt, sie habe ein gottgegebenes Recht auf Umsatz und Gewinn, da wird geschrien. Ist klar.

Wo geht die Reise also hin? Aktuell sieht es so aus, dass man zukünftig für jedes Portal, dass man nutzen möchte, einzeln bezahlen muss. Das dies dem Grundgedanken des Internets komplett widerspricht, sollte klar sein. Ich bleibe somit dabei: Die einzige Möglichkeit, die ich sehe ist, dass die Webseiten ihre Werbeflut zurückschrauben. Dann klappt’s auch wieder ohne AdBlocker.

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Headbangt ganz gerne mal und verbringt zu viel Zeit mit diversen Videospielen und Serien. Macht irgendwas mit IT. Whovian. Mag Windows auf dem Desktop und Mobil.

2 Kommentare

  1. Geiler Beitrag und trifft den Nagel auf den Kopf. Ich nutze (noch) keinen Adblocker, schließe aber Seiten (bzw. besuche diese Seiten nicht mehr) die es mit Werbung übertreiben (z.B. Chip).

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  2. Danke für den tollen Beitrag. Du hast das wirklich auf den Punkt gebracht. Mir ist es auch etliche Male so ergangen. Ich dachte, was ist denn nun los, will Nachrichten lesen oder einen wichtigen Beitrag, plötzlich öffnet sich ein riesiger Werbebanner, scrolle ich runter, um den Text zu lesen, geht der Werbebanner mit, fahre ich mit meinem Mauszeiger über ein verlinktes Wort, zack, öffnet sich wieder eine Seite, die mich aber gar nicht interessiert. Ich hatte dann nur noch mit wegklicken zu tun, letztendlich habe ich dann die Seite verärgert geschlossen. Jetzt, wenn mir sowas passiert, schließe ich die Seite gleich.
    Google+ und alles was mit Google zu tun hat, sowie auch Google Chrome, habe ich gestern gelöscht. Surfe nur noch mit dem IE 11.

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