Durchgespielt: Biomutant

Die Menschheit ist längst ausgestorben und hat einen radioaktiv verseuchten Planeten hinterlassen. Das Leben findet seinen Weg und somit haben sich Lebewesen entwickelt, welche unter diesen Umständen überleben konnten. Darunter auch intelligentes Leben und an der Stelle setzt man als Spieler:in von Biomutant an.

Biomutant Cover-Bild

Biomutant ist ein Rollenspiel/Action-Adventure, welches vor einigen Jahren aus dem Nichts auf einmal vorgestellt wurde, viel Hype erzeugt hat und als es dann endlich raus kam von Kritiken überhäuft wurde. Die Enttäuschung war auch bei mir groß, da ich mich sehr drauf gefreut habe. Es sah gut und originell aus, und ist kein 100+ Stunden Brecher, den man nie irgendwo zwischen schieben kann. Stattdessen sollte man in 10-15 Stunden durch sein, bei Bedarf aber gerne auch noch etwas mehr Zeit drin verbringen.

Der letzte Punkt hat von Anfang an funktioniert und das Erlebnis ist nach 10-15 Stunden durchaus bereits vorbei. Das ist für mich nichts Schlechtes. Im Gegenteil. Als die Xbox Series X erschien kaufte ich mir Assassin’s Creed Valhalla und machte nach 100 Spielstunden eine Pause. Erst diese Woche habe ich es wieder ausgegraben, um endlich mal zum Ende zu kommen. Das ging bei Biomutant deutlich angenehmer, welches ich im Rahmen der Free Play Days dieses Wochenende durchgedrückt bekam.

Die Startschwierigkeiten sind Vergangenheit

Wie eingangs erwähnt, hatte Biomutant keinen guten Start. Die Reviews überschlugen sich mit Enttäuschung und Kritik und zusammen mit dem vergleichsweise hohen Preis von 59,99€ war das einfach kein gutes Gesamtbild. Daher hab ich es auch aus dem Fokus verloren und mir einen Preis-Reminder auf 20€ gesetzt. Spielen wollte ich es dennoch, aber eben nicht für 60€.

Nun hatte ich halt die Möglichkeit es gratis zu spielen und… naja. Ich sehe nichts von den bemängelten Punkten. Das übliche Problem mit Reviews großer Magazine und Blogs, welche direkt nach Release erscheinen und dann nie wieder drauf zurückblicken. Denn seit Release gab es so einige Updates und wenn man mal von den strukturellen Problemen absieht, welche angemerkt wurden, in meinen Augen aber eher die persönliche Präferenz der Person wiederspiegeln, die es reviewed haben, dann sind die meisten Kritikpunkte einfach weg.

Ein Wasservehikel vor einem Tor
Man muss nicht immer zu Fuß unterwegs sein…

Bisschen viel auf einmal

Ein Kritikpunkt ist aber auch für mich sehr deutlich. Das Spiel versucht zu viel auf einmal. Es gibt so unfassbar viele Systeme, die vermeintlich ineinandergreifen, dass es unübersichtlich wird. Gerade zu Beginn bekommt man alle paar Minuten ein neues Tutorial, welches ein neues System erklärt, wie man seine Waffen, Kampftechniken, Ausrüstung was was nicht alles verbessern kann. Das hat mich zu Beginn etwas überfordert und führte am Ende dazu, dass ich immer wieder Loot bekam, bei dem ich keine Ahnung mehr hatte, was ich damit machen sollte.

Aber das Positive ist immerhin, dass es teilweise auch einfach egal ist. Wenn man nicht auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad spielt, dann muss man nicht alles perfekt optimieren, sondern kann einige (oder sogar die meisten) der Systeme komplett ignorieren. So habe ich es dann im Endeffekt auch gemacht, nachdem ich auch nach 10 Minuten suchen keine Ahnung mehr hatte, was ich mit diesen ganzen Effekt-Aufsätzen machen sollte.

Das Ende zieht sich

Der zweite Kritikpunkt den ich noch verstehen kann ist, dass das Ende sich etwas zieht. Hier muss ich aber ganz klar sagen, dass ich durch die Free Play Days in derselben Position war, wie die Personen, welche die Spiele für Magazine und Co reviewen. Ich hatte im Endeffekt zwei Tage Zeit das Spiel durchzuspielen und als ich dann Sonntag nachmittag fertig werden wollte, kam das Ende natürlich sehr komprimiert. Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich das ganz anders eingeteilt und den Punkt nicht als so negativ angesehen.

Dass die vier Bosse allerdings alle nach dem gleichen Vorbereitungsschema laufen, hätte man etwas besser lösen können.

Einer der vier Bosskämpfe in Biomutant
Die Bosskämpfe sind abwechslungsreich, der Weg dahin leider nicht…

Biomutant ist ein gutes Spiel

Hier hört die negative Kritik für mich aber auch auf und beides hat das Gesamtbild für mich nicht getrübt. Wie gesagt, die Systeme konnte ich einfach ignorieren und wenn man nicht alle vier Bosse direkt hintereinander macht, dann passt die Art der Umsetzung schon.

Alles andere war gut. Nicht nur okay oder so, sondern gut. Es hat mir wirklich gut gefallen und ich finde es etwas schade, dass ich es an einem Wochenende durchgeritten habe. Es hat viele charmante Seiten, viele tolle Ecken, für die ich mir im Ersteindruck gerne mehr Zeit genommen hätte. Aber mein Vorsatz war nunmal, es an einem Wochenende durchzuspielen.

Das Kampfsystem war toll, wenngleich ein bisschen Auto-Aim hier bei den Fernkampfwaffen nicht verkehrt gewesen wäre. Das Dialogsystem war… interessant. Denn abseits der beiden Figuren, die das Gewissen darstellen, gab es exakt einen Synchronsprecher – Der Erzähler. Alles wurde aus seiner Sicht erzählt, auch wenn man mit anderen Charakteren gesprochen hat. Das war ganz nett und erweckte das Gefühl, dass man sich in einer bereits erzählten Geschichte befindet.

Dass der Erzähler bei unterschiedlichen Situationen seinen Senf dazu gegeben hat, in dem er einen Glückskeksspruch rausgehauen hat, hatte auch irgendwie etwas charmantes. Wenngleich ich einige Male die Augen rollen musste. Aber nie im Negativen, es war genau die richtige Menge an Albernheit, um weder nervig zu sein, noch zu wenig.

Ansonsten wirft das Spiel immer wieder kleine moralische Schmankerl ein, die in Summe den Eindruck erwecken, als würde sich das Spiel vor allem an ein jüngeres Publikum richten. Das ist keineswegs negativ gemeint, denn Spiele die so wohl für Erwachsene als auch für Kinder funktionieren, sind selten ernst.

Biomutant hat hier aber den Spagat zwischen Ernst und positiv albern geschafft, sodass ich es nicht nur selbst genossen habe, sondern auch bedenkenlos meinen Kindern zum spielen geben würde, wenn ich denn welche hätte. Es gibt keine übertriebe Gewaltdarstellung, keine moralischen Grauzonen und keinen sinnlosen Fanservice. Irgendwie erfrischend.

Der Baum des Lebens. Das Zentrum von Biomutant
Biomutant ist vor allem eins: Bildstark.

Kann ich Biomutant empfehlen?

Ich mag es nicht Spiele mit einer Wertung von 0 bis 100 zu bewerten. Sowas ist immer hochgradig subjektiv und gibt einfach keinen echten Eindruck eines Spiels. Was ich aber mag sind Kaufempfehlungen und diese kann ich bei Biomutant definitiv treffen. Ich persönlich würde allerdings keine 60€ dafür bezahlen, sondern habe im Rahmen der Free Play Days auf der Xbox für knapp 40€ zugegriffen. Das ist aber auch die Obergrenze, die ich für diese Empfehlung festlegen würde. Wenn man es irgendwo für 30-40€ findet, kann man in meinen Augen zuschlagen.

Man kann auf jeden Fall auch noch mehr als die 14 Stunden reinstecken, die ich dafür brauchte. Mit einem „New Game+“-Modus kann man die Spielzeit noch zusätzlich etwas erhöhen. Das werde ich definitiv auch nochmal nachholen, wenn ich meine offenen Spiele etwas dezimiert habe.

Biomutant gibt es übrigens für PC, Xbox und PlayStation und ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Beitrages für die beiden Konsolen auch noch im Angebot. Wer das Ganze noch kurz in Bewegung sehen möchte, hier der Release-Trailer:

Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für deine Art, wie du Biomutant hier vorstellst! :) Mir gefällt sehr, dass du auf so viele Dinge eingehst, die irgendwo „zwischen den Prozentpunkten“ irgendeiner Wertung liegen. Und ohne zu spoilern. Biomutant hatte beim ersten Erblicken sofort mein Interesse geweckt, in erster Linie wegen der hochwertigen, knallbunten Optik und den tierischen Charakteren. Dein Text und deine Empfehlung sind für mich so sehr aussagekräftiger als eine „objektive“ Testbewertung. Danke schön dafür ♥

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