Ein paar Wochen als Android-Nutzer mit dem Nokia Lumia 920 (Test)

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Moment was? Marco mit einem Lumia? Was ist mit seinem Nexus? Warum kein Android? Und eine Woche im Windows Phone Ökosystem gefangen? Wie hält er das aus?
Wer mir auf den einschlägigen Netzwerken folgt, der hat vielleicht mitbekommen, dass ich nach dem Überfall von Nokia ein Lumia 920 geliehen bekommen habe. Knorke? Aber sowas von. Seit Dienstag dem 30.04. bin ich nun im Windows Phone Universum unterwegs und ich mag dazu mal ein bisschen was tippseln.

Nokia Lumia 920 Test

Hinweis: Das Lumia 7920 hat mittlerweile einen Nachfolger, welchen ich hier auch bereits getestet habe. Zum Lumia 930 Test

So, wie kam es überhaupt dazu? Ihr erinnert euch sicherlich an meinen kleinen Rant bezüglich des Größenwahns von Smartphones oder? Nicht? Dann mal kurz lesen. Auf jeden Fall schrieb mich ein gewisser Herr Lampe dann an, ob ich nicht Lust hätte ein Nokia Lumia 720 zu testen. Ich sagte natürlich zu, da ich Windows Phone schon sehr lange testen wollte, um zu schauen ob es als Zweitgerät taugt. Durch den Verlust meines Nexus 4 und den Umstand dass das 720 noch nicht vorrätig war, bekam ich dann ersatzweise das Lumia 920.

Jetzt sagen sicherlich einige »Wishu du alter Glückspilz!«, kann ich auch verstehen aber ein bisschen was Vorweg. Es war Glück im Unglück, denn der Verlust des Nexus 4 war sicherlich nicht angenehm. Zudem darf ich das Lumia 920 natürlich nicht behalten, es ist ein bereits gebrauchtes Testgerät und geht auch wieder zurück zu Nokia. Außerdem hatte das erste einen defekten Akku mit 30% Akkuverbrauch in einer Stunde. Auch im Standby ^^

Erster Eindruck und so

Wie dem auch sei, ich wollte was zum Gerät sagen. Das Auspacken kennt man ja. Neues Gerät, neue Freude. Ausgepackt, angeschaut was sonst so drin ist und zuerst geärgert, dass es rot war. Der Ärger legte sich schnell und das rot gefiel mir extrem gut. Dass mir die Haptik gefällt wusste ich bereits vorher, da ich es mal in meinem Lieblings-Pub mal bei einem Freund begrabbeln durfte. Form, Größe und Gewicht sind in meinen Augen nahezu perfekt. Abgesehen mal davon, dass das Gerät einfach absolut sexy ist.
Das zweite Gerät mit intaktem Akku ist übrigens weiß und sieht ein bisschen so aus, als hätte es ein paar Kratztest bei den vorherigen Besitzern mitmachen müssen, ist sonst aber einwandfrei.

Dann starten wir das Ding mal

Der erste Start. Ich war aufgeregt. Das letzte Mal, dass ich ein Windows Phone in der Hand hatte und eingerichtet habe, war Dezember 2010. Alles also ein bisschen her. Da das Gerät bereits eingerichtet war, setzte ich es noch fix zurück. Die Einrichtung ging dann schnell von der Hand, allerdings war es leider nicht – wie z.B. bei Android – möglich die Einrichtung per WLAN zu machen. Daher nochmal aus, SIM-Karte rein und los geht es.

Die Einrichtung ging schnell von der Hand, da ich bereits ein Microsoft-Konto hatte. Dann wurde ich auch schon von ein paar Kacheln begrüßt. Alles neu, alles etwas ungewohnt aber ich wusste genau was ich machen musste. Das was ich an Windows Phone immer gelobt habe ist, dass es sehr intuitiv ist und das wurde mir bestätigt. Ohne Vorkenntnisse schaffte ich es innerhalb kürzester Zeit alles zu finden, was ich brauchte, um es provisorisch einzurichten.

Das Gerät selbst

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Zur Haptik und Co sagte ich ja bereits etwas. Nun zu den Sachen, die wirklich interessieren. Das Display, welches mit 720×1280 Pixeln auflöst und eine Diagonale von 4,5 Zoll hat ist super. Es gibt wirklich so rein gar nichts von meiner Seite aus zu meckern. Es ist knackig, die Farben sind super und das schwarz ist für ein Nicht-AMOLED-Display klasse. Im direkten Vergleich mit dem Nexus 4 (siehe Bilder unten) wirkt es dunkler, im Alltag war es allerdings in jeder Situation besser ablesbar als jedes andere Gerät, was ich zuvor hatte.
Der Touchscreen reagiert stehts zügig und ohne Aussetzer.

Die beiden Lautsprecher am unteren Ende bieten für ein Smartphone einen recht guten Klang. Zudem sind sie überraschend laut, wenn ich da vorher an das Nexus 4 denke. Gefällt mir, da ich sehr gerne mal das Telefon überhöre, wenn es klingelt. Dafür ist die Vibration für meinen Geschmack einfach zu schwach, aber das bemängelte ich bisher bei fast jedem Gerät und ist eine persönliche Vorliebe – ungünstige Formulierung in dem Zusammenhang oder?

Oben findet man den Klinkenanschluss für Kopfhörer und Ähnlichem und den SIM-Karten-Einschub. Unten zwei Schrauben, zwei Lautsprecher und die Micro-USB Ladebuchse und rechts Lautstärkewippe, Power-Button und ein Kamera-Button. Links findet sich nichts.

Über die Kamera brauche ich wohl weniger was sagen. Sie ist klasse. Beim Nexus 4 hätte ich mir sowas gewünscht. Der dedizierte Kamera-Button startet die Kamera auch aus dem Standby heraus sehr schnell und ermöglicht dadurch auch mal schnelle Schnappschüsse, die dank der guten Kamera echt schön werden. Hier mal ein paar Beispielbilder, die Bilder sind alle unbearbeitet. Lediglich die Auflösung habe ich verringert:

Die Software

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Dieses Schwert ist sehr zweischneidig. Das Konzept von Windows Phone gefällt mir persönlich schon seit Windows Phone 7. Damals fehlte aber einfach noch zu viel. Und jetzt? Das System ist klasse. In der ganzen Zeit hatte ich nicht einen einzigen Ruckler, was aber anzumerken ist: Ich hatte zwei mal einen Neustart, nachdem ich die Kamera startete.

Windows Phone gefällt mir sehr gut. Der Homescreen mit den Kacheln ist für mich weit angenehmer, als es der Android-Homescreen ist – leider gibt es für Android nur schlechten Ersatz in Form von Launchern. Durch die Live-Kacheln ist der Wunsch nach einem zentralen Benachrichtigungscenter nur minimal. Zudem kann man die wichtigsten 5 Apps direkt auf dem Lockscreen anzeigen lassen. Plus einer mit erweiterten Informationen.

Kleines nettes Feature, was gerade die letzten Tage unfassbar wichtig ist, ist eine Art Kontrastregelung des Displays. Das Display an sich ist gut ablesbar, auch in der Sonne. Wenn die Sonne allerdings direkt rauf scheint, verändert sich der Kontrast der Elemente, sodass es noch besser lesbar ist. Je nach Intensität der Sonneneinstrahlung, wird auch am Kontrast geschraubt. Absolut geniales Feature.

Das System läuft an sich sehr rund. Nichts hakt, nichts ruckelt und Apps öffnen meist sehr schnell. Allerdings kommen wir hier zu dem, was mich teilweise nervt, teilweise aber auch in den Wahnsinn treibt. Neben den ganzen klasse umgesetzten Apps gibt es leider auch einige schwarze Schafe – die ich allerdings brauche.

Die Apps

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Eines muss man Windows Phone lassen. Durch die Designrichtlinien, gibt es wenige Apps die nicht gut aussehen und noch weniger, die scheußlich aussehen. Die meisten sind recht hübsch. In der Zeit, in der ich das Lumia 920 nun habe, hab es sogar einen Schub an Apps, die einfach grandios aussehen. Die neue Foursquare App (oben im Bild im Vergleich zur Android-Version) sieht zum Beispiel einfach klasse aus und lässt sich super bedienen.

Auch die Skype-App ist klasse, wenngleich mir hier die vom PC bekannte Verbindung mit Facebook fehlt. Diese hat man sehr rudimentär dafür in der SMS-App. Facebook war bisher eine Sache, die Beta zeigt allerdings wo es hingeht. Eine App, die der iOS- oder Android-App in nichts nachsteht. Aber dann gibt es da auch noch zwei für mich sehr wichtige Apps. Twitter und WhatsApp.

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Die offizielle Twitter-App für Windows Phone finde ich persönlich sehr klasse. Nutze sie auch unter Android. Auf Windows Phone ist sie fast identisch, allerdings ein akkufressendes Monster. Sobald man die Push-Benachrichtigungen aktiviert, geht der Akku merklich schneller in die Knie, was wirklich schade ist – leider hat die Twitter-App für Windows Phone nur die Möglichkeit Push-Benachrichtigungen zu empfangen oder eben keine. Ein Intervall ist nicht möglich.

Der Horror ist allerdings (noch) WhatsApp. Angeblich kursiert seit Anfang April eine Beta-Version, die alle Fehler beheben soll, aber bisher lebt man mit diesem Notbedarf, der selbst die erste Version für Android in den Schatten stellt. Um Benachrichtigungen zu bekommen, simuliert WhatsApp im Hintergrund einen Musik-Stream (Welcher auch gut Akku zieht), da Windows Phone 7 wohl anders keine Push-Benachrichtigungen bekam. Windows Phone 8 kann das aber und es ist schon eine ganze Weile draußen.

Gerne kriegt man aber auch mal keine Benachrichtigung. Oder die App startet nicht, wenn man eine Nachricht über eine Toast-Benachrichtigung aufrufen will. Wenn man WhatsApp im Vordergrund hat und das Display aus macht, werden alle Benachrichtigungen deaktiviert und AAH! Die App sieht schrecklich aus, kann kaum was und ist eine absolute Notlösung. Hier ist man mit Hike besser beholfen, diese App ist wirklich top – nutzt bei mir nur leider kaum jemand.

Wer weder auf Twitter, noch auf WhatsApp angewiesen ist, wird allerdings nur wenige Apps finden, die einem schon mal die Haare grau werden lassen. Gerade die Nokia-Apps sind klasse, schnell und tun genau das, was man von ihnen erwartet, ohne zögern ohne Fehler.
In erster Linie, müssen also App-Entwickler sich bewusst werden, dass Windows Phone ein wichtiges System ist.

Ein großes Manko für mich ist leider auch noch, dass gute Multi-Messenger quasi nicht existent sind. Talk.to wäre das was ich brauche. Google Talk und Facebook Messenger in einer App. Leider brauchen die Benachrichtigungen gerne mal 2 Stunden, was für mich nicht tragbar ist. Ich brauche die Benachrichtigung auch dann sofort, wenn mein Telefon eine Stunde nicht angefasst wurde. Das schafft nur Skype, die SMS-App und in den meisten Fällen auch WhatsApp. Andere Messenger leider bisher nicht.

Und im Vergleich zu Android?

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Ich nutze Android seit April 2009. Damals das HTC Magic. Danach HTC Desire, Samsung Galaxy Nexus und zum Schluss das Nexus 4. Daneben noch das Nexus 7, welches ich auch jetzt noch verwende. Aber ganz ehrlich? Man kann die beiden nicht wirklich vergleichen. Beide sind auf ihren jeweiligen Gebieten top. Ihr werdet kein Smartphone finden, was so gut mit Google-Diensten zusammenarbeitet wie Android-Smartphones.

Ihr werdet aber außer Windows Phone kein System finden, welches so gut mit Microsoft-Diensten umgehen kann. An der Stelle, sollte man also erst einmal schauen, in welchem Lager man sich wohler fühlt. Letztendlich kann man auch als Google-Fan Windows Phone nutzen und umgekehrt. Es wird eben nur nicht so perfekt. Ich persönlich kann mir bisher kein Entweder-Oder erlauben. Android hat unfassbar viele Vorzüge, Windows Phone aber ebenso.

Wer gerne alles mögliche machen will, der sollte sich Android ansehen. Wer noch nie ein Smartphone hatte, der wird mit sehr sehr großer Sicherheit bei Windows Phone seinen Platz finden. Allerdings ist hier dringend zu den Lumia-Geräten von Nokia zu raten, sonst verpasst man einfach was.

Bei Windows Phone fehlt mir von Android die Benachrichtigungsleiste inkl. der Schnelleinstellungen. Die klasse Google-Apps, der Facebook Messenger & Google Talk. Die Möglichkeit Aktionen mit Apps zu verknüpfen (z.B. ein Klick auf einen YouTube-Link öffnet das Video in YouTube). Ebenso fehlt die Vielfalt, Dinge wie die Chatheads vom Facebook-Messenger sind bei Windows Phone undenkbar.
Und vor Allem die Ernsthaftigkeit der Entwickler. Wenn man die Apps außen vor lässt, in denen Nokia und Microsoft ihre Finger im Spiel haben, dann sind viele halt einfach nur dafür da, um präsent zu sein. Allerdings entsteht hier gerade ein Wandel – wie damals bei Android.

Bei Android fehlt mir von Windows Phone das Gefühl, dass alles zusammen passt. Android ist teilweise willkürlich zusammen gesetzt, Apps halten sich nicht an die Richtlinien und es ruckelt hier und da teilweise doch recht häufig. Ebenso die Toast-Benachrichtigungen, welche bei Windows Phone oben erscheinen. Einmal drauf tippen und ich gelange hin. Bei Android muss ich erst die Benachrichtigungsleiste herunterziehen – allerdings sind sie dort dann auch drin, bis ich sie entferne. Mir fehlt der Homescreen, das Bedienkonzept und die Konzentration auf das Wesentliche, nämlich die App, die man offen hat.

Das sind nur ein paar Punkte. Es sind viele Kleinigkeiten, die mich sowohl an Windows Phone, als auch an Android begeistern. Ebenso sind es aber auch viele Kleinigkeiten, die mich an beiden stören. Allerdings sehe ich Windows Phone in einer besseren Position, das zu ändern als Android.

Fazit

Ich liebe das Lumia 920. Ganz ehrlich, wenn nicht die oben erwähnten Punkte auftreten, gibt es kein Smartphone, mit dem ich je zufriedener war. Es fühlt sich super an, das Gewicht ist genau richtig und die Software ist fantastisch.
Allerdings ist Windows Phone noch nicht das, was ich für den Alltag brauche. Ich bin ein Power-User, der sein Smartphone 3-4 Stunden am Tag intensiv nutzt, hier zeigt Windows Phone noch seine Schwächen – wobei der Akku etwas länger hält, aber der Unterschied ist dank WhatsApp und Twitter noch zu vernachlässigen. Wenn WhatsApp das in den Griff kriegt, dann wird Windows Phone wohl zu meinem Hauptsystem.

Ich werde mich weder gegen Android entscheiden, noch gegen Windows Phone. Denn beides sind grandiose Systeme. Ich habe meinen alten Plan wieder aufgenommen und als Hauptgerät ein neues Nexus 4 genommen und als Zweitgerät  teste ich derzeit das Lumia 720, welches mich momentan vor allem durch Akku und Design begeistert.

Die meisten der Kritikpunkte, könnten in nächster Zeit schnell behoben werden, weil hier weder Nokia noch Mircosoft die Schuld tragen. Ich bin gespannt, was mit dem System noch passiert und ich werde es definitiv sehr scharf im Auge behalten.
Das Ergebnis ist auf jeden Fall so, wie ich es erwartet habe.

An der Stelle nochmal ein herzlichen Dank an Nokia und insbesondere an Ben Lampe, der mir den Test ermöglichte und somit einen lang gehegten Wunsch erfüllt hat.

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Zum Schluss noch ein paar Vergleichsbilder mit dem Nexus 4:

3 Kommentare Lust was dazu zu sagen? Dann ab in die Kommentare damit!

  1. Interessante Eindrücke. Ich hatte nur mal kurz Windows 7 in der Hand, in den wenigen Minuten kann man ja nicht wirklich feststellen obs einem taugt, da denkt man eher ans Gegenteil.

    Bei dem Bild mit den kürzlich genutzten Programmen musste ich gleich an PalmOS denken, da schaut das ähnlich aus, man kann aber dort die einzelnen Programme durch einen Wisch nach oben schließen. Bei WM 8 ist das wohl nicht mehr vorgesehen, wie ich anderswo hörte.

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