Xbox Series X nach einem Jahr — Wie sie Gaming für mich veränderte

Ich hab mal gehört reißerische Überschriften helfen, dass drauf geklickt wird. Hilft das? Wie dem auch sei, es ist zumindest kein Clickbait, da die Xbox Series X in der Tat verändert hat wie ich spiele und dass es definitiv an dieser Konsole liegt sehe ich daran, dass die PS5 in dem Zusammenhang nicht denselben Effekt für mich hat. Aber dazu später mehr.

Fangen wir doch erstmal an, wie ich den Umstieg von der Xbox One X auf die Xbox Series X erlebt habe. Eigentlich war es recht simpel. Die Vorfreude war groß, die Verpackung ein Erlebnis, das Design eine Augenweide. Dann hab ich sie angeschlossen, eingerichtet und… Joa, ist halt ne Xbox ne? Ich muss zugeben, der erste Eindruck war eingeschaltet hochgradig unterwältigend.

Alles wie vorher, nur schneller

Die Überschrift fasst es eigentlich ganz gut zusammen. Es hat sich schlichtweg auf den ersten Blick nichts im Vergleich zur Xbox One X geändert. Das Dashboard? Dasselbe. Der Store? Derselbe. Die Spiele-Bibliothek? Fast identisch. Moment fast? Was ist anders? Jetzt wird es spannend. Naja geht so. An den Spielen, welche für die Series X optimiert sind, ist ein Badge dran, der genau das anzeigt. Zu Release waren das nicht wirklich viele.

Ok, dann starten wir mal ein Spiel und schauen, was sich geändert hat.

Was waren nochmal Ladezeiten?

Microsoft warb vor dem Release der Xbox Series X mit »Virtually no loading times«. Frei übersetzt heißt das: Nahezu keine Ladezeiten. Geil, endlich nicht mehr 1-2 Minuten auf Tipps schauen, die einem eh schon vorher im Tutorial gezeigt wurden! Was sind Ladezeiten? Erinnert sich noch jemand? Ja ich, als ich gestern Red Dead Redemption 2 gestartet habe und zwei Minuten warten musste, bis ich starten konnte. Oder als ich vorgestern in Forza Horizon 5 ein Rennen gestartet habe und es jedes Mal ein paar Sekunden schwarz wird, bis das Rennen geladen wird.

Man könnte jetzt meinen, das Ganze ist eine Ente. Stimmt aber nicht so ganz. Schaut man sich den Vergleich an, dann braucht Red Dead Redemption auf der Xbox One X vier Minuten und bei Forza gibt es so viel mehr Ladezeiten. Also nicht nur längere, sondern da wo es bei der Xbox Series X keine gibt, sind bei der One X einfach welche. Und das zieht sich weiter durch andere Spiele.

Aber machen wir uns nichts vor, dieses Spiel hat Sony gewonnen. Sechs Sekunden vom Homescreen zum ersten Sprung in Spider-Man Miles Morales? Das schafft kein Xbox-Spiel. Da sieht man auf der Series X immer noch den Splash-Screen.

Dennoch: Immer wenn ich mit Personen zusammen spiele, die noch auf der Xbox One X|S unterwegs sind, fällt es deutlich auf, wie viel schneller alles bei mir geladen ist. Oder auch, wenn ich mal die Switch in die Hand nehme und… Holy, was sind das für Ladezeiten!? Nunja. Es sind auf jeden Fall noch welche da, aber das sind auch alles Spiele, die noch auf der früheren Konsolengeneration laufen und somit mit Ladezeiten im Konzept entwickelt wurden. Mal sehen, was die Zeit bringt.

Xbox Series X

Updates über Updates – Das Erlebnis wird abgerundet

Heute sieht das mit dem Dashboard geringfügig anders aus. Man sieht an diversen Stellen Anpassungen, welche es auf der früheren Generation nicht gibt. Da kommt die neueste Errungenschaft: Die stärkste Konsole der Welt hat endlich ein 4K-Dashboard. Ja ernsthaft, das war bis vor Kurzem in 1080p. Kein Dealbreaker, aber gerade wenn man von der PS5 auf die Series X wechselte, fiel es schon deutlich auf.

Aber auch das Menü, welches anzeigt, welche Spiele sich gerade in Quick Resume befinden ist super nützlich und schafft deutlich mehr Vertrauen in das Feature, als ich zu Beginn hatte. Hier und da kamen ein paar kleinere Updates dazu, aber ein großes Redesign, wie es früher gefühlt jedes Jahr kam, bleibt aus. Man verfeinert lieber was man hat, sieht dadurch aber eben auch einfach weiterhin etwas altbacken aus. Ein Next-Gen Feeling wie bei der PS5 kommt definitiv nicht auf.

Ansonsten gibt es noch dynamische Hintergründe, wovon es immer mehr werden, aber auch hier irgendwie in einem Schneckentempo. Da würde ich mir wünschen, dass die Spiele selbst dynamische Hintergründe mitliefern können. Aber wer weiß, was da noch alles geplant ist.

Quick Resume ist ein Segen

Nun kommen wir zu dem, wovon ich im Titel spreche. Quick Resume ist das Feature auf das ich mich am meisten gefreut habe und es erfüllt fast alle Wünsche, die ich hatte. Ich hatte damals ausführlich beschrieben, was Quick Resume ist. Aber ich möchte euch kurz abholen, ihr wisst ja wie ausführlich meine Beiträge immer sind. Sachen die andere in vier Sätzen erklären, nehme ich komplett auseinander.

Spätestens seit der Xbox One und PS4 kennen wir es, dass wir die Konsole in den Standby schicken und wenn wir sie wieder einschalten, ist das letzte Spiel noch da. Das ist allerdings nicht Quick Resume. Aber die grundlegende Basis davon. Quick Resume entfernt zwei Einschränkungen aus dieser Funktion.

Erstens ist der Strom egal. Man muss die Konsole nicht in den Standby schicken, sondern kann sie auch komplett ausschalten. Da die Konsole vom Kaltstart aus unter 10 Sekunden zum starten braucht, ist das sogar eine gängige Einstellung geworden. Selbst ein Neustart leert die Quick Resume-Liste nicht.

Zweitens ist man nicht auf das letzte Spiel beschränkt. Microsoft selbst gibt an, dass 6 Series X Spiele darin gespeichert werden können. Wenn man die 16GB RAM nimmt, welche die Konsole zur Verfügung hat, dann sind das 96GB Speicher für Quick Resume. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass da gut und gerne auch mal 10-14 Spiele reinpassen, je nachdem was es für Spiele sind.

Aber eine Runde Back 4 Blood gestern mit ein paar Freunden war kein Problem, obwohl ich bei Red Dead Redemption gerade nicht speichern konnte. Nach 6 Stunden waren wir durch, ich hab die Konsole ausgeschaltet und dann später am Abend noch gemütlich exakt an der Stelle weiter gemacht, an der ich aufgehört habe.

Das führt auch dazu, dass ich häufiger neue Spiele ausprobiere, obwohl ich gerade ein großes Spiel offen habe. Zusammen mit den deutlich geringeren Ladezeiten ist das Wissen, dass das Spiel auf mich wartet und nach 6-10 Sekunden direkt wieder an der Stelle fortsetzt, an der ich es hinterlassen habe, schafft eine Freiheit, die ich von dem Feature nicht erwartet habe. Besonders da auch ein Stromausfall dem Ganzen nichts entgegenzusetzen hat.

Und genau das hat meine Art zu spielen geändert. Ich habe deutlich weniger Bedenken auch mal was nebenbei zu spielen. Ich springe spontan in Multiplayer-Sessions mit Freunden, weil es einfach egal ist, wo ich mich gerade im Singleplayer-Spiel befinde. Ich werde exakt an dieser Stelle wieder rauskommen.

Limitierungen von Quick Resume auf der Xbox Series X

Quick Resume ist allerdings leider auch nicht perfekt. Was schon aus logischen Gründen nicht geht: Multiplayer-Sessions in Quick Resume zwischenspeichern. Das sind Live-Spiele, das kann nicht funktionieren, wird aber gerne als Kritikpunkt gesehen. Wenn ich mitten in einer Runde Rocket League meine ein Level Slay the Spire zu spielen, kann ich nicht erwarten, dass ich danach an genau der Stelle wieder rein komme. Was sollen die anderen in der Zeit machen?

Und dann ist da noch ein Feature, bei dem ich gehofft habe, dass es dabei ist und noch immer hoffe, dass es nachgeliefert wird. Quick Resume pro Account. Nehmen wir Slay the Spire als Beispiel. Ich spiele eine Runde und höre mittendrin auf. Meine Frau spielt dieses Spiel aber auch. Startet sie nun das Spiel kommt die Meldung, dass ich eine Quick Resume-Session offen habe. Sie kann diese nun für mich beenden oder sie spielt etwas anderes. Aber leider kann sie nicht eine eigene Session starten, ohne meine zu beenden.

Bei dem Spiel kein Problem, da es nach jedem Level speichert und schnell wieder gestartet ist, aber bei anderen Spielen kann das durchaus nervig werden.

Was bleibt übrig von Buzzword-Bingo?

Es gab im Vorfeld ja noch ein paar Begriffe, die Microsoft durch die Gegend geworfen hat, welche das Gaming revolutionieren wollen. Gegen wir mal in der Reihenfolge durch, in der sie aktuell genutzt werden

Ray Tracing

Joa. Als jemand der die Artefakte von Screen Space Reflections und die Limitierungen von Cube Maps aktiv wahrnimmt und davon genervt ist, war ich darauf natürlich am meisten gespannt. Doch wie sieht es an der Front aus? Recht dünn. Die Ray Tracing Leistung der Konsole ist deutlich geringer, als zuerst angenommen wurde und somit ist das Angebot überschaubar und eigentlich immer mit einem großen ABER begleitet.

The Medium unterstützt Ray Tracing. ABER nur in bestimmten Räumen und nur auf der Series X. Die Series S geht leer aus. Control Ultimate Edition unterstützt Ray Tracing. ABER die Performance ist… spannend? Es sind 30fps, aber es fühlt sich nicht ansatzweise so an. Ich habe es dennoch so gespielt und es war cool, aber es fehlte halt auch viel im Vergleich zum PC und war halt eher schwammig.

Aber jetzt kam Forza Horizon 5 raus. Das wurde groß mit Ray Tracing angekündigt! ABER. Nur im Quality Mode, der auf 30fps beschränkt ist (Fühlt sich dennoch verdammt gut an) und auch dann nur in der Garage. Bei der Fahrt ist Ray Tracing deaktiviert, wodurch man davon halt auch einfach nicht viel hat. Und selbst mit Mods am PC betrifft es eh nur das eigene Auto. Und selbst das nur eingeschränkt.

Variable Rate Shading

Ich möchte an der Stelle nicht nochmal aufwärmen was das ist. In einem früheren Beitrag habe ich bereits VRS erklärt. Kurz: Bestimmte Bereiche werden schlechter gerendert, was man aber eben nicht mitbekommt, weil dort eh keine Details erwartet werden. Spart halt Leistung, kriegt man im Idealfall als Spieler:in aber nicht mit. Aktuell nutzen das Gears Tactics und Forza Horizon 5. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Super unspannend für uns, aber für die Entwickler:innen natürlich super, weil sie etwas Leistung sparen können. Aber lohnt eben auch nur auf den neuen Konsolen und die PS5 unterstützt es eben auch noch nicht, daher wird es nirgends wirklich genutzt.

Die Velocity Architektur

War halt zusammen mit der NVMe/SSD der Series X angekündigt. Ist ein Zusammenschluss aus neuen APIs, der neuen Hardware und allem möglichen, was irgendwie mit Speicher zu tun hat. Ich schrieb damals über die Velocity Architektur. Es gibt ein paar neue Möglichkeiten, die man hat. Aber die nutzen eben auch nur auf der Series X|S und weder die Xbox One, noch die PS5 haben etwas davon. Allerdings das kürzlich veröffentlichte Windows 11. Also vielleicht sehen wir in ein paar Jahren etwas davon.

Der Controller langweilt mich

Beim Controller war ich ja bereits von Anfang an etwas genervt, dass Microsoft sich nichts traut. Er ist etwas kleiner, hat etwas mehr Grip und eine Screenshot-Taste, die bereits bei der Xbox One hätte dabei sein müssen. Und das war es dann auch schon. Vorteil? Man kann den Series-Controller an der Xbox One nutzen und den One Controller an der Series X. Bei der PlayStation kann man den PS4-Controller an der PS5 nur für PS4-Spiele nutzen und der PS5-Controller funktioniert an der PS4 gar nicht. Dafür hat der eben viele viele andere Dinge, die ich so sehr bei der Series X vermisse.

Ich bin auch nach wie vor der Meinung, dass der Series-Controller unhandlicher ist, weil die Griffe geringfügig kürzer sind. Dadurch greifen meine kleinen Finger ins Leere und die ersten Wochen hatte ich regelmäßig Schmerzen in den Händen, wenn ich lange gezockt habe. Aber damit stehe ich zum Glück weitestgehend alleine da. Im Endeffekt ist es der beste Controller der letzten Konsolengeneration, der einfach den Sprung zur aktuellen Generation gemacht hat. Allerdings ist Sony eben mit dem Dual Sense Controller einfach mit Voll Karacho dran vorbeigezogen. Der Series Controller ist gut – Aber eben langweilig.

Xbox Series Controller in weiß

Der Vergleich mit der PS5

Ich schränke mich ungerne ein, daher habe ich im Normalfall alle Plattformen da. Bei der PS5 habe ich aus optischen Gründen eine Weile mit mir gehadert, aber dass ich ein gutes Versteck gefunden habe, schrieb ich ja bereits in meinem Beitrag über Konsolen ohne Laufwerk. Die PS5 wirkt vom ersten Moment einfach wie eine neue Generation. Mit allen Vor- und Nachteilen. Das Dashboard sieht super fancy aus, alles ist nur für die PS5 entwickelt und dadurch viel schneller als das altbackene Xbox-Dashboard. Dafür fehlen aber halt Funktionen, die bei der PS4 dabei waren, da eben von null neu angefangen wurde.

Der Controller mit seinen Adaptiven Triggern und dem verbesserten Vibrationsmotor ist nicht nur Spielerei sondern verändert so sehr das Spielen, wenn es denn unterstützt wird, dass ich mir nach wie vor wünsche, dass Microsoft hier nochmal nachlegt. Eine Umfrage gab es seitens dem Xbox-Team hierzu bereits.

Aber das war es dann auch schon. Die Xbox ist weiterhin meine Hauptplattform. Und einer der großen Punkte ist tatsächlich Quick Resume. Denn die PS5 hat nichts vergleichbares. Starte ich jetzt ein Spiel, wird das Spiel meiner Frau beendet, ohne dass ich es mitbekomme. Das führt dazu, dass ich die Konsole komplett ignoriere, bis sie das Spiel komplett beendet hat, damit nicht versehentlich Fortschritt verloren geht.

Fazit zur Xbox Series X nach einem Jahr

Ich bin generell zufrieden. Nicht gehyped. Nicht überwältigt. Sondern zufrieden. Alles was die Xbox One gemacht hat, kann die Series X besser. Ausnahmslos. Ladezeiten sind kürzer, die Grafik ist besser, man kan mehr Spiele im Speicher halten und das Dashboard ist schärfer. Wer sich mit dem Thema nicht auseinander setzt, würde vermutlich die ersten paar Stunden kaum merken, dass eine andere Konsole da steht, wenn man sie einfach austauschen würde. Bei der Series S noch weniger. Stellt man dann aber wieder die Xbox One hin, fällt der Unterschied extrem auf.

Ich würde sie jederzeit wieder kaufen, kann sie uneingeschränkt empfehlen, wenn man mit der Xbox One zufrieden ist, aber es eilt auch einfach nicht. Die Konsole ist eh nur schwer zu kriegen und man muss sich hier auch einfach keinen Stress machen. Wenn man sie zum Weihnachtsgeschäft kriegt, cool. Wenn nicht, auch egal. Die Xbox One spielt noch ein bisschen all das ab, was die Series X auch kann. Nur eben langsamer und nicht so hübsch. Aber was man nicht hatte, kann man nicht vermissen. Ich weiß allerdings, ich würde die Xbox Series X sehr vermissen, wenn sie nicht mehr bei mir wäre.

Ein Kommentar

  1. Geschwindigkeit, ja das wäre was :D Danke für deinen guten Text! Ich sitze noch auf der One X und die Ladezeiten nerven manchmal doch schon sehr. Sogar das Dashboard scheint mit der Zeit immer träger zu werden, bis man es mal refreshed. Seit dem jüngsten Update vergeht jetzt etwa 1min nach dem Anmelden, bis ich eine App überhaupt starten kann. Davor springt mir neuerdings ein freundliches „App wird vorbereitet“ ins Gesicht. Ich hoffe, Microsoft kriegt das zügig wieder in den Griff und lässt die alte Generation noch nicht hängen. Ladezeiten, ich würde sie nicht vermissen. Ansonsten komme ich noch ganz gut mit der One X aus, auch wenn – selbstverständlich – die Series X die weitaus tollere und flüssigere Option wäre. Vielleicht ist sie ja irgendwann mal „entspannt“ lieferbar, dass sich nicht alle um ein paar Exemplare prügeln, oder die Preise der Reseller eine bodenlose Frechheit darstellen.
    Danke für deinen Text, in dem du mich zwar ein wenig beruhigst und gelassen bleiben lässt, mir aber dennoch gut aufzeigst, was mir an der One X so fehlt ;)

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Dein Name und deine E-Mail-Adresse sind optional. Möchtest du anonym kommentieren, lass die beiden Felder einfach frei.