Ein Liebesbrief an Breath of the Wild

Es ist jetzt bereits ein paar Monate her, dass ich den neuesten Teil von The Legend of Zelda gespielt habe. Breath of the Wild ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes und das zeigt sich nicht nur daran, dass es mir auch noch so lange nachdem ich es durchgespielt habe, jeden Tag im Kopf rumspukt. Breath of the Wild ist ein Neuanfang, der die gesamte Zelda-Formel gehörig durchschüttelt und begeistert somit nicht zur zurecht langjährige Zelda-Fans, sondern auch diejenigen die damit noch nie etwas anfangen konnten.

Breath of the Wild - Ende

4½ Monate nachdem ich das Spiel nun durchgespielt habe, möchte ich dann doch endlich mal ein bisschen was über Breath of the Wild schreiben. Manche mögen meinen, es sei zu spät, aber da ich mir seit mindestens 4½ Monaten vornehme darüber zu schreiben und es mir ständig im Kopf rumgeistert, möchte ich das endlich mal erledigen und euch daran teilhaben lassen, wie mich Breath of the Wild damals verzaubert hat.

Verzaubert wie vor fast 20 Jahren

Ich habe schon sehr früh mit Videospielen angefangen. Seitdem ich denken kann, haben wir Technik zuhause gehabt die einem das Spielen ermöglicht. C64, Sega Master System und Mega Drive, der Super Nintendo (welcher ja als Mini-Variante neu aufgelegt wird) und natürlich später auch die N64. Eine Konsole, welche für viele Menschen der Einstieg in das 3D-Gaming war. Welten, welche man vorher nicht erkunden konnte, wurden einem spontan offenbart. Und auch meine bereits damaligen Lieblingsspielereihe hat dort einen neuen Ableger gefunden: The Legend of Zelda, mit Ocarina of Time. Es wäre gelogen zu sagen, dass es mich stundenlang gefesselt hat. Denn es waren Tage, Wochen und Monate. Ich musste alles erkunden, alles war so groß, alles war so frei. So etwas hatte ich noch nie erlebt.

Breath of the Wild

Die unglaublich schöne Welt von Breath of the Wild hat mich sofort verzaubert.

Ähnlich ging es mir dann am 03. März dieses Jahres. In den letzten Jahren hatte ich natürlich viele Open World Titel gespielt. Kurz davor hatte ich erst Skyrim das erste Mal dank der Special Edition beendet. Aber das was mir Breath of the Wild bot, wird mir wohl wieder 20 Jahre so in Erinnerung und im Herzen bleiben. Eine Freiheit, wie ich sie in einem Spiel noch nie erlebt habe. Und dieses Mal auch ein so extrem gutes Storytelling (was nicht heißen soll, dass es in den Vorgängern schlecht war), dass ich das erste Mal wirklich eine emotionale Bindung zu Zelda hatte. Ich wollte sie wirklich retten. Ich wollte ihr helfen. Sie tat mir leid.

Und dann kamen die Ablenkungen

Ich wollte… Aber alles war möglich. Man kann überall hochklettern – man kann überall hin. Im Gegensatz zu allen anderen Open World Games, gab es keinen Berg, auf den man nicht konnte. Die Welt ist riesig – die Entwickler selbst sagen, dass Hyrule in Breath of the Wild die Größe von Kyoto hat – und man kann jeden einzelnen Fleck erkunden. Die einzige Grenze, welcher man sich innerhalb des Quadrates ausgesetzt sieht, ist die fehlende Phantasie wo man als nächstes hin soll. Dank der 120 Schreine und der 900 Krog-Samen hat man auch überall in der Welt etwas zu entdecken, auch wenn es teilweise nur Kleinigkeiten sind.

Breath of the Wild - Kochen

Die Darstellung des Kochens in Breath of the Wild amüsiert mich jedes Mal aufs Neue…

Nur Kleinigkeiten… Könnte man so sehen, ja. Aber gerade diese Kleinigkeiten machen Breath of the Wild so groß. Diese Kleinigkeiten fesseln einen an diese unglaublich große, liebevoll gestaltete Welt, welche so viele Anspielungen an andere Teile der Zelda-Reihe hat, dass mir das ein oder andere Mal die Tränen kamen. Zeitgleich musste ich ständig lachen, grinsen, schmunzeln oder mich wundern. Diese Welt hat einfach alles, was ich mir je von einem Open World Game gewünscht habe, denn immer wenn ich mich fragte ob etwas möglich sei, wurde die Frage nach kurzem ausprobieren mit einem Ja beantwortet.

Wo man in anderen Spielen Grenzen hat, wird man in Breath of the Wild dazu ermutigt es einfach zu probieren. Oft kam ich auf bestimmte Lösungen nicht sofort, weil man es gewohnt war, dass sowas in anderen Spielen nie gehen würde. Nach vielen Stunden geht es einem aber ins Blut über, dass eigentlich fast alles geht. Etwas was mir in anderen Open World Games künftig schmerzlich fehlen wird.

Die fesselnde Story… ohne Fesseln

Neben der offenen beeindruckenden Welt, die einem immer wieder eindrucksvoll beweist wie groß sie eigentlich ist, gibt es natürlich noch die Story. Bereits eine Stunde nach dem Start bekommt man die Hauptquest – Besiege Ganon. Ziemlich direkt ins Gesicht. Ab da ist es einem vollkommen selbst überlassen, wie man das anstellt. In der Theorie kann man direkt zu ihm gehen und ihn fertig machen, das haben einige Speedrunner eindrucksvoll bewiesen, doch das wäre Verschwendung. Doch ab hier wird man nicht mehr an die Hand genommen, nur ab und an mal in eine Richtung geschubst.

Breath of the Wild - Zelda

Erinnerungen von vor 100 Jahren bringen einem Zelda immer näher…

Bevor man das Ziel erreicht, welches man gerade ansteuert, vergehen oft Stunden. Es gibt auf dem Weg so viel zu sehen, so viel zu tun. Und das Beste ist: Man darf das auch. Auch wenn die Story mich extrem fesselt – so generisch und austauschbar sie auch ist – ist man komplett frei darin, wann man sie macht. Man wird immer mal wieder daran erinnert, dass man ja eigentlich noch die Welt retten muss, aber nichts und niemand zwingt einen dazu. Niemand sagt einem, wann man was zu tun hat und das setzt dem unglaublichen Freiheitsgefühl der gesamten Welt, nochmal eine gehörige Portion Freiheit oben drauf.

Die Storystränge der vier Recken sind teilweise so schön gemacht, dass ich das ein oder andere Mal Tränen in den Augen hatte. Aber vor Allem haben sie eines geschafft: Mir die Welt und die Leute darin näher gebracht. Man baut schnell eine emotionale Bindung zu den Recken auf – selbst du Revali, wenn man mit dem Teil durch ist. Ein bisschen kurz kommen hier nur die Nachfahren dieser Recken, ehrlich gesagt erinnere ich mich hier nicht einmal an die Namen. Außer Sidon, der ist großartig und einer meiner absoluten Lieblingscharaktere im ganzen Spiel.

Das erste Mal Link

Ich spiele bei Zelda tatsächlich schon immer Link. Für mich war der Charakter immer Link und der Name nicht nur ein Platzhalter, welcher erst offiziell wurde, als der Charakter in Super Smash Bros. integriert wurde. Ich habe nie einen Zelda-Teil gespielt, in den ich den Protagonisten nicht Link nannte und nun hieß er von Anfang an so. Man konnte den Namen nicht ändern und ironischerweise hatte ich dadurch eine deutlich stärkere Bindung zu ihm, als in jedem Teil zuvor. Ich spielte nicht mehr einen Charakter, in den ich mich hineinversetzen sollte, der ich selbst sein sollte. Ich spielte die Geschichte von Link – zum ersten Mal.

Breath of the Wild - Link

Das erste Mal Link und dennoch so personalisierbar wie noch nie…

Was andere gerne kritisieren, hat für mich die Immersion des gesamten Spiels deutlich verstärkt. Vielleicht weil ich Link seit Jahrzehnten als meinen persönlichen Held aus der Videospielszene ansehe. Vielleicht aber auch einfach, weil ich lieber anderen helfe als mir selbst und es in Breath of the Wild erstmals deutlich wird, dass man nicht sich selbst steuert, sondern Link. Das half mir vermutlich auch, diese emotionale Bindung zu Zelda aufzubauen, sie retten zu wollen. Nicht für mich, sondern für Link. Einer ihrer Recken, der einfach so viel mehr für sie war, als einfach nur ein Leibwächter.

Und somit war der finale Kampf für mich der emotionalste, den ich je in meinem Leben in einem Videospiel hatte. Zu sehen, wie die vier befreiten Recken Link am Ende helfen hat mich dazu gebracht gegen Ganon unter Tränen zu kämpfen. (Und diesen Absatz in Erinnerung an den Kampf mit feuchten Augen zu schreiben.) Ich war gerührt, wie die vier Link halfen und somit den Kampf um ein Vielfaches leichter machten – wobei mein einziger echter Kritikpunkt an Breath of the Wild ist, dass Ganon viel zu leicht zu besiegen war. Die letzte Szene, als ich Zelda dann endlich gerettet habe, gab mir den Rest. Ich hab es endlich geschafft, nachdem sie 100 Jahre auf mich gewartet hat (und nochmal 120 zusätzliche Spielstunden, nachdem Link endlich aufgewacht ist) Zelda zu befreien und Hyrule zu retten. Und ich hatte das Spiel beendet.

Es fehlt mir

Nachdem ich das Ende verarbeitet habe und die Freudentränen endlich trockneten, realisierte ich eines. Das Spiel war vorbei und verdammt, es fehlt mir so unfassbar. Auch nach 4½ Monaten denke ich noch fast täglich daran, wie unglaublich gut das Spiel war. Und wie sehr es mir fehlt… Nochmal anfangen wäre nicht dasselbe. Das erste DLC würde es nicht rausreißen. Ich würde nie wieder das Gefühl haben, wie beim ersten Mal. Eigentlich dämlich, etwas zu vermissen, was man jederzeit wieder starten kann. Aber ich erwarte von niemandem, dass er das versteht.

Breath of the Wild ist für mich nicht nur der beste Zelda-Teil aller Zeiten und löst damit nach fast 20 Jahren Ocarina of Time ab, es ist für mich mit sehr großem Abstand das beste Spiel aller Zeiten. Und vermutlich wird das auch noch sehr viele Jahre so bleiben. Meine emotionale Bindung zu der Zelda-Reihe und diese unglaublich vielen Details, die in dieses Spiel gesteckt wurden, werden es nachfolgenden Titeln einfach unglaublich schwer machen. Insbesondere Open World Games, in welchen künftig einfach so viel für mich fehlen wird.

Breath of the Wild - Game over

Game Over…

3 Kommentare Lust was dazu zu sagen? Dann ab in die Kommentare damit!

  1. Doch doch, ich versteh das.
    Das eine Mal die unberührte Story spielen, mit allen Wendungen und Überraschungen, allen Oooh’s und Aaah’s, allen Freuden und Entsetzen ist wirklich nicht reproduzierbar.

    Vielen Dank für diesen sehr persönlichen Artikel.
    Obwohl ich das Spiel nie gespielt habe, kann ich dennoch mit dir fühlen.

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  2. Schöner Artikel.
    Mir ging es bei Metal Gear Solid so.
    Der Vergleich hinkt vieleicht etwas weil anderes Genre, weniger Umfang etc.
    Aber beim lesen musste ich an dieses
    Spiel denken und alles was danach kam
    musste sich daran messen lassen…;-)

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    • Der Vergleich hinkt in meinen Augen absolut nicht, das was oben im Beitrag angesprochen wurde, kann man bestimmt auf viele Spiele & auch andere Genres übertragen. Am leichtesten aber vermutlich, wenn es eine tiefere Story hat, die berührt & gut inszeniert ist.

      Und MGS (1) gehört damit für mich auf jeden Fall auch in den Topf.
      Wie auch zB FFVII, Xenogears, Enslaved, Mass Effect 1&2, Alien vs Predator 2, oder auch Zone of the Enders (1) & Beyond Good ans Evil. Alles, was mich so richtig mitgerissen hat und mich am Bildschirm kleben und mitfiebern ließ.
      Die Liste ist erweiterbar ;-)

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