Streetview in Europa

Dieser Beitrag wurde vor mehr als 8 Jahren veröffentlicht. Daher kann es sein, dass sein Inhalt oder ein Teil davon nicht mehr aktuell ist.

Deutschland wird ja gerne als digitales Entwicklungsland bezeichnet, warum das so ist, beweist sich eigentlich täglich. Es gibt immer noch Haushalte ohne Internet, immer noch Haushalte, mit kaum zumutbarem Internet. Die Kanzlerin bezeichnet das Internet, in dem ich seit 13 Jahren unterwegs bin, als Neuland für die Menschen. Und Neuerungen werden kritisch beäugt. Besonders wenn sie von Google sind.

Google Maps Icon

Einige erinnern sich sicherlich noch an den Trubel rund um StreetView. Ein Dienst, mit dem es mir möglich ist, von Zuhause aus durch die Straßen der Welt zu fahren. Ich feiere dieses Werkzeug extrem und schaue mir gerne mal Orte an, wo ich hin will. Blöd nur, dass ich meist irgendwo in Deutschland rumkurve und das Land bisher noch nie verlassen habe (Wenn man den Polenmarkt mal außen vorlässt, aber das ist ja quasi Deutschland). Warum blöd? Weil Deutschland eben paranoid ist, bei allem was neu ist.

Als die Autos von Google durch Deutschland fuhren interessierte das in erster Linie niemanden, außer die Technerds, welche sich freuten. Bis eben die Techmedien darauf aufmerksam wurden und eine Panik verursachten, die Ihresgleichen sucht. Von Überwachung war die Rede. Einige verstanden StreetView so falsch, wie es damals bereits bei Google Maps der Fall war, als alle dachten die Aluhutfraktion dachte, das wären Live-Aufnahmen. Ebenso wurde es bei StreetView vermittelt. Dass das Quatsch ist, weiß mittlerweile jeder.

In Deutschland kam dann die Massenverpixelung. Es gab ein Formular in dem man beantragen konnte, dass man sein Haus verpixelt haben möchte. Das Resultat? StreetView wurde in Deutschland zu einer Lachnummer. Hier mal ein Beispiel der Verpixelung bei einem 2 stöckigen Gebäude bei mir um die Ecke:

Verpixelung auf StreetView

Die Verpixelung ist absolut übertrieben (Deswegen regte ich mich bereits 2010 auf). Gaußscher Weichzeichner drüber und fertig. Nichts ist mehr erkennbar. Dieser Teil von StreetView ist somit unbenutzbar. Diese Verpixelung musste übrigens nicht der Vermieter einreichen. Es reicht vollkommen aus, dass ein einziger Mieter das macht und alles wird verpixelt. Die anderen haben kein Mitspracherecht. Und nach der Regelung im Deutschen ist die Verpixelung irreversibel. Es gibt also keine Möglichkeit seine Meinung zu ändern und den Bereich wieder freizuschalten.

Was Google machte war nur konsequent, sie gingen. Google kündigte an, künftig keine Fotos mehr für StreetView in Deutschland zu machen. Die Medien sahen das als riesigen Erfolg – als Sieg. Letztendlich war dies eine absolute Niederlage und warum sieht man in dem Bild, welches ich ganz oben eingebunden habe. Fast ganz Europa (Ausgenommen Ost- und Südosteuropa) hat eine komplette Abdeckung von StreetView. Deutschland bleibt mit einigen Punkten außen vor und selbst dort ist ein großer Teil verpixelt.

Ich weiß das Thema ist an sich nicht neu, aber als ich den Tweet zum Thema Streetview von @scy sah, kam der Ärger wieder hoch.
Ob Google nochmal nach Deutschland kommt, um neue Aufnahmen zu machen, weiß keiner. Ich hoffe ehrlich gesagt, dass sie es tun und dass die Verpixelungsrate dann nicht ganz so hoch ist. Dass Deutschland vielleicht irgendwann im Technikzeitalter angekommen ist, doch ich schätze, das wird noch eine ganze Weile dauern.

5 Kommentare

  1. Der Screenshot geistert ja schon lange rum und scheinbar macht sich keiner die Mühe das mal genauer zu prüfen.
    Google schönt in dieser Zoomstufe unsere Nachbarn, denn wenn man sich mal die Schweiz, Tschechien oder Österreich genauer ansieht, dann sieht man, dass da gar nicht soviel Material vorhanden ist. Zürich ist gut erfasst, in Luzern nur wenige wichtige Straßen und die ländlicheren Gebiete drumrum gar nicht.

    • Den Screenshot habe ich beim schreiben des Beitrages erstellt, also kann er nicht allzu lange rumgeistern. Aber selbst wenn es etwas geschönt ist, was genau ändert das an dem Beitrag?

      • Ok, ich korrigiere, der Inhalt des Screenshots oder ein ähnlicher Screenshot.

        Am Beitrag ändert es natürlich nichts, aber es wird immer behauptet, dass es in anderen Ländern eine komplette Streetview-Abdeckung gibt und das stimmt eben nicht.
        Soweit ich mich erinner, gab es auch in anderen Ländern die Möglichkeit für die Bürger, das Veröffentlichen der Bilder zu verhindern. Nur wurden sie scheinbar besser oder anders informiert, so dass es eben nicht diese Auswüchse wie in Deutschland gab.
        Und in diesem Zusammenhang finde ich es schon merkwürdig, dass Google vermutlich mit Absicht die Karte so aussehen lässt.

        Und ja, ich finds auch unsinnig, dass sich bei uns alle so angestellt haben, aber ‚der Deutsche‘ ist nun mal Nörgler und grundsätzlich gegen alles.

  2. Das ist eine absolute Sauerei, wenn man die Möglichkeit nicht anbietet, die Meinung nachträglich zu ändern. Auch die Verpixelung von Gesichtern und Kennzeichen ist fraglich, weil diese auch viele andere Sachen irrtümlich verpixeln. Wenn die gesamte Öffentlichkeit doch nichtöffentlich ist, dann will ich als Nächstes nichtmetallisches Metall sehen. Vielen Dank.