Und plötzlich war Opera gut…

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Als Webentwickler ist für mich ein Browser nicht nur das Anzeigegerät für Websites. Es ist mein Hauptwerkzeug, um in diesem ominösen Internet Dinge zu bewegen. Okay, ich arbeite in einem Code-Editor (Sublime Text 3 um genau zu sein), aber ohne den Browser brächte mir auch dieser nichts. Wichtig ist also nicht nur, dass er funktioniert, sondern das er gut funktioniert und verdammt zuverlässig ist. Jahrelang war für mich die erste Wahl der Internet Explorer 11, doch seit Wochen scheint Microsoft diesen gezielt immer schlechter werden zu lassen – dies trieb mich zur Konkurrenz.

Opera

Die personalisierbare Startseite ist definitiv ein großer Pluspunkt von Opera…

Gerade als Webentwickler wird man immer wieder schief angeschaut, wenn man den Browser aus dem Hause Microsoft nutzt. »Aber Marco! WEBKIT! Das ist das Ding! Du MUSST Chrome nutzen, sonst verlierst du den Anschluss!« Jop, so wurde mir das mehrfach an den Kopf geknallt. Dennoch hab ich den Anschluss nicht verloren, liegt aber auch daran, dass ich mich regelmäßig informiere. Klar, die CSS-Eigenschaft blur ist an mir vorbeigegangen, weil der IE11 sie nicht kannte. Aber Hand aufs Herz, die ist erstens nicht das wichtigste und ohne Prefixe wird die auch nur von unter 16% aller genutzten Browser unterstützt (Quelle: caniuse.com)

Aber zurück zum Thema. Als Webentwickler habe ich jeden gängigen Browser auf Windows installiert. Chrome, Firefox, Opera, den IE11, Edge und sogar Vivaldi. Ich habe jeden dieser Browser regelmäßig offen und nutzte bis vor Kurzem halt den Internet Explorer 11 als Hauptbrowser. Allerdings scheint es so, als würde Microsoft versuchen ihn gezielt schlechter zu machen. Mit jedem Systemupdate wurde der IE11 immer instabiler und einzelne Tabs stürzten immer wieder ab. Es kann natürlich auch einfach sein, dass Webentwickler diesen Browser nicht mehr unterstützen wollen.

Jetzt gibt es zwei naheliegende Optionen. Ich nehme den meist genutzten Browser der Welt – Google Chrome, oder aber ich nutze den Nachfolger – Microsoft Edge. Chrome kommt für mich aus mehreren Gründen nicht infrage, allen voran: Google. Und Edge ist in meinen Augen nach wie vor ein schlechter Scherz von Microsoft, den sie vergessen haben wieder aus Windows zu entfernen. Eine Weile schaute ich mir Vivaldi an, welcher von den früheren Opera-Machern entwickelt wurde. Doch auch dieser Browser steckt noch in den Kinderschuhen. Firefox ist für mich mit großem Abstand der schlechteste aktuelle Browser, was Bedienung und Performance angeht und Opera ist auch nicht mehr, was es einmal war.

Nein, Opera ist anders. Auf einmal ist er… gut. Früher hatte ich immer ein besonderes Augenmerk auf Opera, weil er für mich das beste Gesamtpaket hatte, aber irgendwie wollte er mir nie so recht gefallen. Spätestens mit den Wechsel auf Webkit (und dann Blink) wurde er aber immer schlechter. Features wurden ausgebaut und sinnloser Kram kam hinzu. Doch jetzt merkt man den Vorteil davon, dass Opera mit Blink als Rendering-Engine setzt. Sie müssen keine eigene Engine mehr entwickeln, Presto ist tot. Also können sie sich voll und ganz auf den Browser an sich konzentrieren. Das merkt man deutlich und seit ein oder zwei Versionen kann man Opera durchaus als gut bezeichnen.

Angefangen von der Möglichkeit unter Windows 10 eine zur Akzentfarbe passende Titelleiste zu haben, bis hin zum liebevoll gestalteten Interface, habe ich mich ein bisschen in Opera verliebt. Man merkt, dass Opera auf Chromium basiert (woher auch die Blink-Engine kommt), man merkt aber auch, dass die Opera-Team deutlich mehr daraus macht, als das Google Chrome-Team. Der Browser ist schnell, hübsch und wirkt sehr aufgeräumt. Dazu kommen nette Features wie das personalisierbare Speed Dial, was erlaubt die »Neuer Tab«-Seite mit Seiten zu belegen, die man häufig nutzt, oder auch aktuelle News auf eben dieser Seite. Diese lassen sich thematisch natürlich personalisieren – leider bisher nur nach Themen, einzelne Quellen sind (noch) nicht filterbar. Immerhin war BILD.de bei mir noch nie dabei. Pluspunkt dafür! 👍

Dazu kommt, dass die hervorragende Synchronisierung zwischen mehreren Instanzen von Opera. Kennt man von Chrome, denn dort kommt die gleiche Engine zum Einsatz, nur dass man eben hier keinen Google-Account benötigt, sondern einen Opera-Account. Wer also das Feature mag, aber Google die Daten nicht geben möchte, findet hier einen weiteren Pluspunkt. Lesezeichen, Passwörter, Tabs und Co werden über mehrere Rechner, Tablets und Co synchronisiert und hierbei dauert es nur Sekundenbruchteile, bis es auf der anderen Seite ankommt. Wie gesagt, für Chrome-Nutzer nichts Neues, aber wenn man Jahrelang den Internet Explorer genutzt hat, dann ist es erfrischend zu sehen, wie schnell und gut das funktionieren kann. Und dann ist da noch der integrierte AdBlocker

Integrierter AdBlocker als Killerfeature?

Eigentlich mag ich AdBlocker nicht, allerdings bin ich auch durchaus der Meinung, dass man als Seitenbetreiber nicht versuchen sollte seinen Hauptanteil mit Werbung zu verdienen. Es gibt mehr als genug Wege, die den Nutzer nicht nerven und dennoch Geld abwerfen. Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Werbung, die Werbeindustrie und sehr viele Seitenbetreiber haben es die letzten Jahre so dermaßen übertrieben, dass ich nicht mehr mit gutem Gewissen sagen kann, dass ich gegen Adblocker bin. Allein schon aus Sicherheitsgründen nutze ich auf Arbeit einen AdBlocker ohne Whitelist. Zuhause ist das was Anderes, da habe ich ihn aus Sicherheitsgründen aktiviert, aber für quasi jede Seite deaktiviert, die ich regelmäßig nutze, einfach der Fairness halber.

Opera AdBlocker Statistiken

Diese kleine Statistik erreicht man über einen Klick auf das blaue Schild-Icon. Manche Websites übertreiben es wirklich…

Der Unterschied beim AdBlocker in Opera ist einfach: Er ist gut. Und schnell. Und gut… Einstellungen auf, Haken gesetzt und der AdBlocker ist aktiviert. Ein kleines blaues Schildsymbol, rechts in der Adressleiste, weist darauf hin, dass etwas geblockt wurde und wie viel. Bei YouTube – welches mit seinen nicht überspringbaren Clips vor den Videos – übertreibt es in meinen Augen mit Werbung mittlerweile ziemlich. Insbesondere, wenn das Video dann auch noch zig fach von Werbung unterbrochen wird, weil irgendetwas in dem Video angeblich so klingt wie ein Lied, wodurch das Video »geflaggt« wird und dann seitens Google massig Werbung rein geblasen wird. Aber das ist ein anderes Thema.

Apropops Videos übrigens, das Video-Popout-Feature ist auch großartig. Hier kann man ein YouTube-Video (oder auch andere Anbieter) einfach aus der Seite herauslösen und irgendwo platzieren. So kann man z.B. auf anderen Seiten surfen und zeitgleich das Video im Blickfeld haben. Größe und Position lassen sich frei festlegen und das Video-Overlay legt sich über jede Anwendung.

Für mich ist die Einfachheit des Werbeblockers das, was ihn so besonders macht. Ich weiß, dass keine Mafia ähnliche Firma dahinter sitzt, wie bei AdBlock Plus, die außerdem sehr viel Werbung gegen Bezahlung durchlassen. Auch habe ich in Sachen Geschwindigkeit keinen Nachteil, wie bei AddOns, die man erst nachträglich in den Browser packen muss. [Anzumerken ist, dass Opera auch hervorragend mit den AddOns von Google Chrome interagieren kann. Man kann also auch seinen bevorzugten AdBlocker (oder jede andere Erweiterung) nutzen, wenn man das möchte.] Ganz im Gegenteil, da der Inhalt nicht beim Laden der Seite blockiert wird, sondern davor, ist das surfen mit aktiviertem AdBlocker bei Opera tatsächlich extrem schnell. Wie schnell kann man sich sogar anschauen, denn Opera bietet einen integrierten Vergleich an, mit welchem man Ladezeit und Darstellung beider Versionen vergleichen an. Hier mal ein paar Extrembeispiele:

Klar, mit der Zeit, welche unten angezeigt ist wird dargestellt, wie lange die Seite bis 100% benötigt. Nutzbar ist sie meist bereits deutlich vorher, springt aber gegebenenfalls durch das Nachladen von Werbung hin und her. Interessant wäre für mich an der Stelle noch, wenn Opera hier anzeigen würde, wie viel Daten die Versionen jeweils verbrauchen, ich kann mir gut vorstellen, dass man hier auch staunen dürfte. Ich habe nach wie vor Vorbehalte gegen AdBlocker, aber alleine Aufgrund der Tatsache, dass mittlerweile auch viel Malware über Werbung ausgespielt wird, ist es nicht verkehrt, die automatisierten Werbenetzwerke auszusperren. Wir haben hier im Blog eh keine Werbung, also ist es mir persönlich egal, wer hier einen AdBlocker nutzt. Das muss aber jeder für sich entscheiden.

Kommen wir zum Schluss

Opera hat viel zu bieten, was ich beim Internet Explorer mittlerweile vermisse. Vor Allem Geschwindigkeit und Stabilität, die beim IE früher immer deutlich über dem war, was ich bei anderen Browsern erleben musste. Aber auch die Funktionen sind einfach mal so weit vor dem, was in dem mittlerweile fast 3 Jahre alten Browser von Microsoft steckt. Hier hat sich Microsoft in meinen Augen mit Edge keinen Gefallen getan. Der Internet Explorer 12 wäre ein deutlich sinnvollerer Schritt gewesen.

Ich nutze Opera jetzt seit einiger Zeit als Hauptbrowser. Ja er hat seine Ecken und Kanten. Ja er ist ebenso von der Perfektion entfernt, wie alle anderen Browser – aber aktuell ist er zumindest für mich deutlich näher dran, als Chrome, Firefox, Internet Explorer oder Edge… oder Vivaldi. Ich bin mehr als positiv überrascht, dass Opera wieder zu einem Browser geworden ist, den man vorzeigen kann und vor Allem, den man nutzen kann. Seit Monaten probiere ich immer wieder rum, welchen Browser ich jetzt nutze und endlich bin ich angekommen. Find ich gut, hier bleibe ich vorerst.

12 Kommentare Lust was dazu zu sagen? Dann ab in die Kommentare damit!

  1. Wenn Du mir verrätst, wie ich die Google-Suchleiste auf der Startseite loswerde bin ich umgestiegen. Hab Opera schon lange als stabilen Zweitbrowser benutzt und fand ihn eigentlich immer ganz gut, aber war noch aus Loyalität bei Edge geblieben (das schnelle Starten zum mal was nachschlagen war mich auch wichtig).
    Die farbige Titelleiste hat mich aber jetzt überzeugt! :D

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        • kiwiKaiser

          Mein Fehler, ich wusste nicht, dass die Option nur angezeigt wird, wenn man die erweiterten Einstellungen aktiviert. Hierzu einfach in die Einstellungen gehen, links auf Browser klicken und dann ganz unten »Erweiterte Einstellungen zeigen« auswählen. Dann taucht der Punkt dort auf.

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          • Danke. Das hab ich beim Einstellungen durchsuchen nicht gefunden, bzw. gecheckt, dass das damit zusammenhängt. :)
            Was mich an Opera noch stört, ist dass man nicht am ganz oberen Bildschirmrand die Tabs wechseln kann.
            Edit: das kann auch in den Einstellungen aktivieren :D

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            • kiwiKaiser

              Das hatte mich zuerst auch gestört, aber vom IE her hab ich einen Workflow, in dem ich das Fenster oben greife und dann an den Rand oder auf einen anderen Monitor schiebe. Nach der Umstellung griff ich dann aus Versehen immer den Tab :D

              Ich verstehe aber ehrlich gesagt nicht, warum Opera einige Einstellungen hinter dieser Erweitert-Funktion versteckt. Ich sehe einfach keinen Grund dafür.

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  2. Nic Scharlau

    Ich nutze seit einiger Zeit auch wieder Opera, da mich Edge in letzter Zeit wieder des Öfteren enttäuscht. Wie du schon sagst, ist der Browser momentan immer noch unausgereift, aber für meine einfachen Bedürfnisse reichte er dennoch vollkommen aus – nur leider frisst er mir seit dem letzten Windows 10-Update die Performance weg und fährt sich auch gern einfach mal wieder fest. Seitdem nutze ich parallel dazu eben wieder Opera. Ist aber auch egal, ich will was eigentlich ganz anderes anmerken (dass ich gern mal ausschweife, sollte dir ja mittlerweile bekannt sein :D) – und zwar die riesige Auswahl an Extensions. Eigentlich habe ich nie welche genutzt, auch wenn ich damals hauptsächlich mit Chrome unterwegs war, aber mit Opera macht es irgendwie echt Spaß – denn im „Opera Store“ findet man eine Extension, die Opera mit dem Chrome Web Store kompatibel macht, sodass man auch sämtliche Chrome-Extensions (inklusive den tollen Springer-Blocker von Ramses, *hust* :D) nutzen kann, und da sind echt einige dabei, die mir wirklich gefallen.

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    • kiwiKaiser

      Weißt du was witzig ist? Schau mal auf den aktuellsten Beitrag. Schrieb ich bereits heute Morgen, wollte es nur erst später veröffentlichen. Da du das jetzt aber ansprichst, kann ich den auch jetzt raushauen xD

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  3. Ich nutze mobil Opera schon seit ca. 2 Jahren, seit etwa ½ Jahr den Opera mini beta.
    Es mag andere gute Browser geben, aber mir gefällt das Gesamtpaket einfach sehr gut.
    Außerdem liebe ich diese STUFENLOSE Zoomfunktion nur mit dem Daumen (die es bis jetzt leider nicht in den mini geschafft hat), die bis jetzt glaube ich kein anderer mobiler Browser vorweisen kann.

    Anscheinend plattformübergreifend begeisternd :-D
    Mmh, warum hab ich den eigentlich nicht auf den Rechner?? Ich teste mal, danke für den Denkanstoß ^^

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    • kiwiKaiser

      Mangels Notebook für mich nicht sonderlich wichtig, aber durchaus ein extrem sinnvolles Feature. Ich feiere persönlich in letzter Zeit sehr das Pop-Out Video. Minecraft Let’s Play von Gronkh schauen und dabei Minecraft zocken, ohne den zweiten Monitor nutzen zu müssen? Kein Problem :D Oder einfach eingebundene Videos etwas größer darstellen, ohne es zu maximieren oder auf die entsprechende Hauptseite wechseln zu müssen.

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