Kickstarter: Was ist eigentlich mit Amabrush?

Ich schreibe hier ja in unregelmäßigen Abständen über einzelne Kickstarter-Kampagnen, welche mich begeistern und welche ich teilweise auch unterstütze. Was ich bisher allerdings nicht gemacht habe, ist darüber zu schreiben was daraus jetzt nun geworden ist. Da über das Wochenende jetzt unfassbar viele Zugriffe auf meinen alten Amabrush-Beitrag erfolgten, wollte ich einfach mal damit anfangen die bisher beschriebenen Kickstarter-Kampagnen aufzugreifen. Also: Was ist eigentlich mit Amabrush?

Um nochmal kurz anzureißen, was Amabrush eigentlich ist: Amabrush ist eine neue Art der Zahnbürste, mit der man in 10 Sekunden saubere Zähne bekommen soll und dennoch jeden einzelnen Zahn deutlich länger und gründlicher putzt, als mit herkömmlichen Methoden. Das Ganze funktioniert über ein Mundstück, welches man sich komplett in den Mund schiebt und ein Handstück an der Rückseite, welches dieses und somit ein paar hundert Silikonbürsten vibrieren lässt. Keine Ahnung ob es funktioniert, aber die Zeitersparnis war es mir wert, das Ganze mal zu unterstützen. Wer mehr darüber wissen möchte, kann sich den alten Beitrag über Amabrush von Juli 2017 mal anschauen.

Was war der Plan von Amabrush?

Als erstes ist die Frage, ob das Ziel von Amabrush erreicht wurde. Man hat versucht in 30 Tagen 50.000€ zusammen zu bekommen um Amabrush realisieren zu können. Ich schätze man kann sagen, dass dieses Ziel leicht übertroffen wurden, denn im Endeffekt kamen mal eben 3.198.516€ zusammen, also fast 64 mal so viel, wie ursprünglich geplant. Da das gesamte Team nicht auch nur im Ansatz damit gerechnet hat, gab es auch keine Stretch Goals (das sind Ziele die man sich auf Kickstarter setzt für den Fall, dass mehr als die geplante Summe eingenommen wird) und den recht realistischen Plan, das Ganze bis Dezember auf den Markt zu bringen. Letzteres hat nicht geklappt.

In der Zeit der Finanzierungsrunde wurden mal eben vier Stretch Goals improvisiert. Das erste davon war Bluetooth – Denn alles ist besser mit Bluetooth. Dazu eben Apps für iOS und Android (Nein kein Windows Mobile, das ist tot), um ein paar Einstellungen vornehmen zu können. Das zweite Stretch Goal war dann deutlich interessanter: Nachfüllbare Zahncremekapseln. Als Drittes gab es optionales Zubehör, wie einen Zungenreiniger, ein Reiseetui und eine modulare Ladestation. Zu guter Letzt gab es dann erneut eine technische Verbesserung (USB-C statt microUSB-B) und noch ein UV-Sterilizer-Lid namens „The Lid“. Wer’s braucht.

Welche Ziele wurden erreicht?

Wie oben bereits gesagt, wurde das Finanzierungsziel dezent überschritten und das ist bei Kickstarter immer ein kleines Problem. Natürlich bringt es neue Möglichkeiten, aber eben auch neue Aufgaben auf den Plan und somit wurde das ursprüngliche Ziel von Dezember definitiv verfehlt. Das ist bei Kickstarter nichts ungewöhnliches, dennoch ist es natürlich ärgerlich. Schließlich habe ich so in den letzten zwei Monaten 14.880 Sekunden (Etwas über 4 Stunden), statt nur 1.240 Sekunden (Etwas über 20 Minuten) mit Zähneputzen verbracht. Zeit die ich mit wichtigeren Dingen verbringen hätte können.

Aber Spaß bei Seite, im Endeffekt hat man jedes selbst gesetzte Ziel verfehlt, welches man verfehlen konnte, außer dem Finanzierungsziel. Selbst das immer wieder runtergebetete Ziel, die Backer (Also diejenigen, die Amabrush finanziert haben) auf dem Laufenden zu halten. Zuerst ging das noch ganz gut, als dann aber die Probleme losgingen, wurde es auch mit der Kommunikation etwas dünner.

Was ist mit Amabrush passiert?

Vorweg: Laut den Leuten hinter Amabrush geht es nach wie vor voran. Es ist nicht eingestellt worden und man macht sich auch (noch) nicht mit dem Geld aus dem Staub. Dass dies eine Möglichkeit ist, sollte man bei Kickstarter aber immer im Hinterkopf behalten. Kickstarter ist kein Vorbestell-Service, sondern Risikoinvestment. Nicht alles was man finanziert kommt am Ende auch bei einem an.

Der 28. September

Man hat in der Zeit seit der erfolgreichen Finanzierung am 05. August nicht faul rumgesessen und somit verkündet man am 28. September stolz, dass man ein paar technische Verbesserungen vornehmen konnte. So konnte man die Akkulaufzeit von zwei Wochen auf drei Wochen erhöhen, schöne Sache. Ebenso wurde Bluetooth erfolgreich integriert und man beginnt mit der App-Entwicklung. Als Technikenthusiast erkennt man hier aber bereits eine mögliche Verzögerung. Durch Bluetooth muss Amabrush nämlich am FCC vorbei und das kann gerade bei neuen Gerätekategorien und insbesondere wenn diese Geräte in den menschlichen Körper eingeführt werden, etwas länger dauern. Zusätzlich hat man das Mundstück noch deutlich (40%) kleiner bekommen.

amabrush-smaller-mouthpiece

Das Mundstück ist sichtbar kleiner, soll aber nach wie vor überall hinkommen.

Außerdem hat man endlich den Zuspruch auf das Patent für Amabrush bekommen. Was allerdings auch wieder ein Hinweis darauf ist, dass sich einiges verzögern kann oder teurer für die Leute hinter Amabrush wird. Na klar, es gibt massenweise Fakes im Internet und diese muss man ausmerzen. Allerdings muss man zusätzlich vorsichtiger sein, was alles verzögern könnte. In dieser Nachricht merkt man davon allerdings noch nichts.

Der 27.Oktober

Die erste Entschuldigung, dass die Frequenz der Beiträge runter gegangen ist. Aber auch dieses Mal hat man nicht faul rumgesessen, denn es gibt wieder etwas Neues zu verkünden! Ein neues… Logo? Genau. Mehr hat man in diesem Update nicht, außer dem Versprechen, dass sie gerade an einem großen Update arbeiten. Aber immerhin ist das neue Logo nicht hässlich und wenn man schon fast 64 mal so viel Geld wie geplant einnimmt, kann man auch definitiv an der Außenwirkung arbeiten. Wobei die direkt in den Absätzen danach wieder bröckelt.

amabrush-new-logo

Das neue Logo von Amabrush ist schick, aber nicht ganz das was man sich nach einem Monat Stille erhofft hat.

Die versprochenen Pilot-Tester-Einheiten durften noch nicht rausgesendet werden. Ihr erinnert euch an meine Bedenken wegen des FCC? Genau das meinte ich. Hätte man Testeinheiten ohne Bluetooth produziert, wäre das hingegen kein Problem gewesen, aber daran wollte man wohl nicht denken. Weiter geht es mit massenhaft Fakes und teilweise ganze Marken die es irgendwie geschafft haben vor Amabrush entsprechende Produkte auf den Markt zu bringen. Allesamt Schrott, wenn man den Rezensionen glauben darf, aber dennoch. Das kann ein großes Problem sein, denn wenn diese Schrott sind und Amabrush keine Testeinheiten rausschicken kann, wie gut ist dann Amabrush selbst?

Außerdem hat man mit diesen Fakes noch ein anderes Problem. Dadurch dass man selbst kein Produkt auf dem Markt hat, ist das Patent wertlos. Es wurde zwar genehmigt, gilt aber als in der Luft schwebend, bis das Produkt öffentlich verfügbar ist. Tja.

Der 24. November

Ein etwas längeres Update, dafür nicht öffentlich. Direkt heraus wird angekündigt, dass man Amabrush auf keinen Fall im Dezember ausliefern können wird. Eigentlich sympathisch, doch dann vergleicht man sich mit Apple und Tesla, die ja auch manchmal Lieferschwierigkeiten haben. 🙄 Direkt darauf folgt die Tatsache, dass man realisiert hat, keine Ahnung vom Markt zu haben. Absolut kein Problem in meinen Augen, jeder fängt mal an. Grund für die Verzögerung? Weihnachten. Die ganzen Hersteller sind komplett ausgebucht mit Aufträgen von großen Herstellern und haben somit keine Zeit für einen Newcomer.

Die Zeit hat man natürlich wie immer genutzt. Und nebenbei gibt es noch die Info, dass sie das Pilot-Tester-Programm wohl doch irgendwie starten konnten und wertvolles Feedback erhielt. Man hat das gesamte Handstück überarbeitet, sodass dieses besser zu halten ist. Zudem wurden die Knöpfe neu ausgerichtet und generell alles verbessert. Dadurch musste allerdings auch das Design der Zahncremekapseln angepasst werden, was dazu führt, dass wir keine Ahnung mehr haben, wie das fertige Produkt aussehen wird. Immerhin, die Kapseln sind nicht nur größer, sondern jetzt aus zu 100% recyclebar.

Man hat Amabrush versprochen, dass Mitte Dezember ein genaues Datum genannt wird, an dem Amabrush die Einheiten verschicken können wird. Jetzt kommt der etwas unangenehmere Part: Es gibt keine neuen Bilder von den Designänderungen. Alles wurde quasi umdesignt, um Copycats abzuhalten hält man jetzt allerdings alles unter Verschluss und redet maximal drüber. Das lies bei mir im November die ersten Alarmglocken läuten. Direkt nach dem Absatz springt man mit einem unglaublich beeindruckenden Sprung richtig heftig in die braune Sauce.

Amabrush wurde immer wieder als perfektes Weihnachtsgeschenk angepriesen und das wird ja jetzt nichts mehr. Doch was kann man da machen, um die Unterstützer zu beruhigen? Exakt, man „designt“ Pappschachteln mit dem Amabrush-Logo und gibt diese Designdaten raus. Man darf sich also Amabrush-Boxen ausdrucken, selbst falten und dann einfach leere Boxen verschenken. Großartig oder? Wer freut sich da nicht? Naja, die Mädels und Jungs hinter Amabrush haben ihren Shitstorm abbekommen und haben sicherlich daraus gelernt.

amabrush-xmas-boxes

Einfach mal einen leeren Karton verschenken 🎁

Der 20. Dezember

Und weiter geht’s mit der letzten Nachricht aus 2017, die direkt super anfängt. Das Versprechen, dass Amabrush ein definitives Datum erfährt, wurde gebrochen und man hängt selbst in der Luft. Vor dem 16. Januar 2018 wird man hier selbst nichts erfahren und kann somit auch keine Infos an uns weiter geben. Schade, aber kann man nichts machen. Man ist allerdings froh ankündigen zu können, dass man auf dem CDS Midwinter Meeting 2018 dabei sein kann! Sagt uns natürlich hier in Deutschland nichts, ist aber eine große Messe für Zahnpflegeprodukte. Das Ganze findet von 22. bis zum 24. Februar statt.

Das war es mit dem Update, doch am Ende wird es nochmal spannend. Man verspricht für das erste Update in 2018 (welches im Januar kommen soll) Details zum Versand, zur neuen Website und Bilder von der neuen Amabrush. Und nein, ich widerspreche dem letzten Satz aus dem vorherigen Absatz nicht, denn…

Der 2. Februar

…diese Bilder gibt es nicht. Genauso wie das Januar-Update eben im Februar erscheint, allerdings dennoch Januar-Update genannt wird. Dafür lässt man nochmal Revue passieren, was seit der erfolgreichen Finanzierung vor sechs Monaten passiert ist. Man musste sich neue Zulieferer suchen, die die unerwartet hohe Nachfrage nach Amabrush bedienen konnten. Da das dauerte, hat man in der Zwischenzeit das Produkt (wie mehrfach erwähnt) einfach verbessert. Trotz meines nicht zu verleugnenden Sarkasmus in diesem Beitrag, muss ich einmal betonen, dass ich das wirklich positiv finde. Die meisten anderen hätten in der Zeit einfach rumgesessen, statt das Produkt mit dem zusätzlichen Geld zu verbessern.

Die Entschuldigung für die Verzögerung und die fehlenden Fotos folgt: Der neue Zulieferer ist schuld. Man kann nichts genaues sagen und Fotos waren schlichtweg vor Ort nicht erlaubt. Naja, bis zur CDS kann man auch noch warten. Allerdings hat man endlich genauere Informationen. Es wird ein paar Monate dauern, bis alles fertig ist und es wird erwartet, dass Amabrush im Juli 2018 ausgeliefert wird. Also genau ein Jahr, nachdem die Kickstarter-Kampagne gestartet wurde. Für ein Projekt, welches so durch die Decke geht, gar nicht so schlecht. Allerdings würde ich persönlich nicht vor meinem Geburtstag im September damit rechnen, Amabrush das erste Mal benutzen zu können.

Positiv ist auf jeden Fall anzumerken, dass die lange Produktionszeit einen wirklich guten Grund hat. Amabrush wird vollständig in Europa und den USA produziert, um die höchste Qualität zu gewährleisten. Ich möchte an dieser Stelle anmerken, wie positiv ich das sehe. Dann gab es noch eine Ankündigung auf die neue Website, welche zeitgleich der Online-Shop wird und eine Aussicht auf das nächste Update. Einsicht in das CDS-Meeting, Zusammenfassung der TV-Auftritte und Herstellungs-Details

Die Amabrush-Website

Jetzt kommt der Grund, warum ich jetzt erst schreibe. Die neue Amabrush-Website ging erst am Wochenende live und ich habe damit gerechnet, dass das neue Design dort bereits gezeigt wird. Und ich sollte recht behalten. Ehrlich gesagt bin ich verdammt überrascht, denn es klang so, als hätte man das Handstück nur geringfügig größer gemacht, das Ding ist über monströs geworden und ist weit davon entfernt so futuristisch zu wirken, wie das was ich unterstützt habe. Wenn es dadurch besser funktioniert ok, kann ich mit leben, ein bisschen enttäuscht bin ich dennoch.

amabrush-new-design

Das neue Design von Amabrush ist definitiv noch hübsch, hat aber kaum noch etwas mit der Vision zu tun…

Im Originaldesign war das Handstück deutlich kleiner als das Mundstück, nun ist es doppelt so groß, sodass die freihändige Bedienung wohl unmöglich sein dürfte (Etwas das viele körperlich beeinträchtigte Menschen sehr positiv fanden). Der Vorteil ist hier aber ganz klar in der Größe der Zahncremekapseln, welche jetzt eigentlich keine Kapseln mehr sind, sondern ein Tank. Damit dürfte so eine Kapsel definitiv deutlich länger halten.

Auch die sehr futuristische und simple Ladestation ist jetzt einem konventionellen Modell gewichen und hat keinen Platz mehr, um die Mundstücke darauf abzulegen. Empfinde ich persönlich auch als sehr negativ, aber wenn man bedenkt, dass die Ladestation nun ohne die Abstellplätze für zwei Mundstücke größer ist, als das alte Design mit den Plätzen, dann fällt es mir schwer, mir diese Plätze zurückzuwünschen.

Das vollständig designte Reiseetui und viele andere Zubehör-Teile aus den Stretch Goals sind auch nicht mehr auf der Zubehör-Seite von Amabrush aufgeführt. vermutlich müssen diese auch erst neu designt werden. Immerhin hat man noch eine kleine Spielerei auf der Website eingebaut und so kann ich mit zwei Slidern ausrechnen lassen, wie viel Zeit ich mit Amabrush sparen werde. Wenn man von meiner Rechnung aus dem Ursprungsbeitrag ausgeht, dann geht man von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 77 Jahren aus. Hoffen wir einfach mal, dass ich etwas mehr schaffe. Auf jeden Fall spare ich mit der Amabrush, wenn sie denn irgendwann kommt, voraussichtlich 48 Tage, die ich dann für andere Dinge nutzen kann.

Zwischenfazit zur Amabrush-Kickstarter Kampagne

Man könnte jetzt sagen, dass die Kampagne komplett schief gegangen ist. Alle zeitlichen Ziele wurden komplett verfehlt, das Produkt sieht komplett anders aus als vorher und die Kommunikation ist ziemlich katastrophal. Im Endeffekt ist es aber eine absolut durchschnittliche Kickstarter-Kampagne. Wenn die Geräte auch noch ausgeliefert werden und ansatzweise das halten, was sie versprechen, bewegt man sich sogar über dem Durchschnitt. Man darf gespannt sein.

Wie damals bereits angekündigt, werde ich auf jeden Fall nochmal etwas zu Amabrush schreiben, wenn das Produkt hier ist, aber das kann ja noch etwas dauern.

5 Kommentare

      • Ich sonst auch nicht. Ich bin durch einen Beitrag auf die Sendung gestoßen und musste gerade schmunzeln, als ich deinen ausführlichen Beitrag dazu gelesen habe. Um so erstaunlicher finde ich es, dass Amabrush es noch nötig hat (trotz der sehr guten Kickstarter Kampagne) in der Show von Raab ihr Produkt präsentieren zu müssen.

        Hier der Link:
        http://www.myspass.de/shows/tvshows/das-ding-des-jahres/Amabrush-die-10-Sekunden-Zahnbuerste–/29208/

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        • kiwiKaiser

          Danke für den Hinweis. Ein paar Sachen aus meinem Beitrag werden da ja relativiert und zum Glück ist das Ding nicht so groß, wie es auf den Bildern aussieht.

          Aber was mich stört ist die Tatsache, dass das versprochene Stretch Goal der nachfüllbaren Zahncreme-Kapseln nicht mehr erfüllt ist. Ebenso kann man laut dieser Präsentation nun doch nicht seine eigene Zahncreme nutzen. Das ist für mich ein riesiger Minuspunkt. Ich habe es zwar unterstützt, als dies noch kein Thema war, es war aber dennoch ein Versprechen.

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